Harald Schmidts fiese Gottschalk-Lästerei

ProSiebenSat.1-Boss Thomas Ebeling, Vorstand und Sat.1-Chef Andreas Bartl sowie die Senderchefs von ProSieben, kabeleins und Sixx haben in München das Programm für die TV-Saison 2011/2012 vorgestellt. Highlights sind bei Sat.1 die neue Show "The Winner is" mit Linda de Mol ("Traumhochzeit") und bei ProSieben das Casting-Format "The Voice of Germany". Für Sat.1 ging Rückkehrer Harald Schmidt auf die Bühne und zog bitterböse über Thomas Gottschalk her.

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Harald Schmidt

Eine Kategorie für sich ist Harald Schmidt, der mit seiner Late Night Show am 13. September 2011 zu Sat.1 zurückkehrt. Bei der Sat.1-Programmpräsentation lieferte er eine Mini-Version seiner Show ab, bei der auch der neue Arbeitgeber nicht geschont wurde. "Es ist das siebte Mal, dass ich dabei sein darf, wenn ein neues Sat.1 vorgestellt wird", eröffnete Schmidt seine Einlage. Ein kurzer Schlenker zum Murdoch-Skandal mit abgehörten Handys ("Abgehörte Promi-Handys? Das würde in Deutschland keiner machen. Würde sich auch nicht lohnen – auf 80 Prozent der Promi-Handys sind eh nur Nachrichten von Kachelmann") und dann gab es eine lange, ebenso lustige wie bitterböse Einlage zu Thomas Gottschalk und seinem Wechsel zur ARD.

Am Flip-Chart rechnete Schmidt das Budget von "Tommys" neuer Vorabendshow aus. 50.000 Euro fehlten – kein Problem für die ARD. Schmidt: "Die kommen dann vom KIKA. Als letzter Gruß vom Udo" (Der scheidende MDR-Intendant Udo Reiter, der auch für den KIKA zuständig ist). Dass Gottschalk in seiner neuen Show mit dem TV-Publikum via Skype kommunizieren will, wunderte Schmidt nicht: "Der Tommy sitzt ja den ganzen Tag am Netz – wenn er nicht gerade in die neue Langspielplatte von Status Quo reinhört." Aber eines gab Schmidt zu denken: "Skype? Da kann er ja gar nicht grapschen…" Außerdem, so Schmidt, habe Tommy sich "mit Haut und Haarteil" sowieso ein bisschen zu sehr an die Bild verkauft.

Auch der gerade bei RTL frisch unter Vertrag genommene Ex-Schmidt-Partner Oliver Pocher bekam erwartungsgemäß sein Fett weg. "Late Night kann er, das hat er bewiesen, damit ist er durch." Immerhin wurde Pochers Late-Night-Show bei Sat.1 wegen mieser Quote abgesetzt. Zu Sat.1 ätzte Schmidt: "’Die Wochenshow‘, ‚Genial daneben‘ und wie diese revolutionär neuen Formate noch alle heißen." Zum Erfolgsformat "Der letzte Bulle" fiel ihm ein: "Wir hatten schon mal einen Bullen. Der sitzt heute auf eine roten Stuhl vor Möbelhäusern." Gemeint war "Der Bulle von Tölz", Otti Fischer, der heute Werbung für eine Möbelkette macht.

"Es ist gut, dass er wieder da ist", sagte ProSiebenSat.1-Vorstand und Sat.1 -Senderchef Andreas Bartl, "auch wenn es manchmal weh tut." Die Verpflichtung von Schmidt hat sich allein schon für seine Moderationen bei solchen Anlässen gelohnt. Harald Schmidt startet mit seiner Late-Night am 13. September und geht dann bei Sat.1 immer dienstags und mittwochs um 23.15 Uhr auf Sendung.
Sat.1

Ein großer Coup von Sat.1 ist die Verpflichtung der früheren RTL-Ikone Linda de Mol ("Traumhochzeit"). Sie wird die von ihrem Bruder John de Mol produzierte Casting-Show "The Winner is…" ab 13. April 2012 präsentieren. Das Ganze ist als Mischung aus Game-Show und Casting angekündigt, bei der es bis zu einer Million Euro zu gewinnen gibt. Das sei auch der Unterschied zu den anderen Casting-Formaten, sagte die immer noch charmante Linda bei der Präsentation: Es gehe primär ums Geld und nicht ums Talent. Auch Teile der eigentlich bei ProSieben angesiedelten Casting-Show "The Voice" (Produzent ebenfalls John de Mol) werden bei Sat.1 laufen. Welche, das wird noch nicht verraten.

Ebenfalls neu ist "Das große Allgemeinwissensquiz" wöchentlich mit Johannes B. Kerner. Bisher wurde die SHow nur getestet. Dabei können Menschen von der Straße gegen Studio-Kandidaten antreten. Kerners glücklose Magazin-Sendung bleibt auf dem Donnerstagstermin um 22 Uhr. Ansonsten gibt es viel Bewährtes: Neue Folgen von "Danni Lowinski", "Der letzte Bulle", "Pastewka", "Ladykracher", "Mein Mann kann", "Stars on Ice". Martina Hill aus der "heute show" bekommt mit "Frauensache" eine eigene Comedy-Serie und der nimmermüde Hugo Egon Balder moderiert den "Comedy Zirkus" aus dem Münchner Zirkus Krone. Von RTL rübergemacht haben Julia Leischik und Andrea Göpel. Erstere moderiert bekanntlich "Nur die Liebe zählt", Andrea Göpel kümmert sich in einer Vorabendreihe um verwahrloste Gärten.

Eine Reihe großer TV-Events gibt es natürlich auch. Allen voran "Die Rache der Wanderhure", die Fortsetzung des Quoten-Superhits "Die Wanderhure" mit Alexandra Neldel. Harald Schmidt kommentierte: "Mit Dominique Strauss-Kahn in einer Gastrolle."

Außerdem stehen als Events an: "Die Tore der Welt" (Fortsetzung von "Die Säulen der Erde"), "Pompeji" (produziert von Ridley Scott) und "Labyrinth".

ProSieben

Auch bei ProSieben wird gecastet. Die Popstars haben kurz Pause (aber nur bis zum Sommer 2012), dafür wird im Herbst "The Voice of Germany" gesucht. Eine John-de-Mol-Produktion, die bereits in den USA erfolgreich lief. Der Clou diesmal: Die Jury (u.a. Xavier Naidoo, Nena) sieht die Kandidaten nicht, sondern hört nur die Stimmen. Im Gegensatz zu anderen Shows soll hier allein das gesangliche Talent überzeugen. Teile der Sendung werden zum Schwester-Sender Sat.1 ausgelagert. "Galileo"-Mann Stefan Gödde moderiert. Ein "Unser Star für…"-Format gibt es trotzdem, nur ohne Stefan Raab. Thomas D. von den Fantastischen Vier grüßt als Jury-Präsident bei "Unser Star für Baku".

Die 10. Wok-WM von und mit Stefan Raab soll ganz besonders gefeiert werden, und auch ein neues, noch nicht benanntes TV-total-Sport-Event ist angekündigt. Dem Über-Entertainer Raab wurde mit einem aufwändigen Superhelden-Comic-Trailer als Super-Raab gehuldigt. Er selbst machte freilich lieber Urlaub. Raab kann es sich leisten, sich rar zu machen.

Die Dschungel-Show-Variation von ProSieben heißt "Die Alm". Am 20. August geht’s wieder los, diesmal mit den Moderatoren Janine Kunze und Daniel Aminati. Vor-Verträge mit den Promi-Kandidaten sind schon gemacht, aber es wird noch final verhandelt und nicht rausgelassen, wer alles auf die Alm zieht. Nur soviel wurde verraten: Die Kandidaten müssen u.a. einen altertümlichen Hustensaft aus Schneckenschleim zu sich nehmen. Wohl bekomm’s.

Ansonsten gibt es US-Film- und Serienware satt (siehe auch das MEEDIA-Interview mit ProSieben-Geschäftsführer Jürgen Hörner) sowie im Herbst ein Wiedersehen mit Christoph Maria Herbst als Büro-Ekel "Stromberg".

kabeleins

kabeleins hat sich ein schickes Audio-Logo zugelegt. Auf die Melodie von "Ice Ice Baby" von Vanilla Ice heißt es nun "kabel eins eins Baby". Geschäftsführer Karl König hatte gleich noch einen Slogan im Gepäck: "Relax mal 6". Ins Deutsche übersetzt heißt das, dass der Sender an sechs Tagen pro Woche abends entspannende US-Ware sendet. Doch am siebten Tage sprach der Herr, sollst du Selbstgemachtes zeigen. Sonntags gibt es also u.a. die Dokusoap "Stellungswechsel – Job bekannt, fremdes Land", in der beispielsweise ein indischer Taxifahrer in Deutschland herumkurvt und umgekehrt. Außerdem bei kabeleins an Eigenproduktionen im Programm: "Die Versicherungsermittler", "Die strengsten Eltern der Welt", das "Quiz-Taxi" und die Abnehm-Show "The Biggest Loser".

Nette Idee: Kino-Stars übernehmen künftig eine Art Film-Patenschaft und "wünschen" sich bei kabeleins ihren Lieblingsfilm. In Einspielern erzählen die Stars, was diesen Film für sie zu etwas Besonderem macht. Auf der Bühne bei der Programmpräsentation machte Jürgen Prochnow ("u.a. "Das Boot", "Beverly Hills Cop II") den Anfang und wünschte sich schon mal "Der dritte Mann" mit Orson Wells.

Sixx

Der Frauensender Sixx hat seine technische Reichweite (alle, die den Sender empfangen können) auf rund 25 Mio. Haushalte ausgebaut. Damit erreicht Sixx jetzt rund 70 Prozent aller TV-Zuschauer in Deutschland. Im Juni 2011 lag der Markt von Sixx bei 0,4 Prozent. Tendenz steigend. Damit das so bleibt, wird der Anteil an Eigenproduktionen und deutschen Erstausstrahlungen nun gesteigert. Eine zentrale Eigenproduktion ist beispielsweise die Modeshow "Fashiontrixx" mit der früheren Viva-Moderatorin Daisy Dee. Mit einem "x" weniger ("Fashion Trix") präsentierte sie die von ihr selbst produzierte Show auch schon mal bei Viva. Sixx-Chefin Katja Hofem-Best entwickelt derzeit einen neuen Sender, der sich an Männer in den besten Jahren Jahren richten soll, also so genannte Best Ager in Marketing-Sprech. Wann der neue Kanal startet und wie er heißt, ist noch nicht bekannt.

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