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Ein bemerkenswerter Nachruf auf Leo Kirch

Bei der Trauerfeier für Leo Kirch fand sich die alte Medienrepublik zusammen. Altkanzler Helmut Kohl zählte zu Gästen, ebenso wie BLM-Chef Wolf-Dieter Ring, Verleger Hubert Burda und Helmut Markwort. Zuvor hatte Springer-Chef Mathias Döpfner noch einen bemerkenswerten Nachruf auf Kirch verfasst. Sonst im Rückblick: der Zoff beim Focus, das TV-Event mit diesen Murdochs und am Rande der ProSiebenSat.1-Programmpräsentation gab es ein bisschen was Neues zum geplanten Nischen-Kanal für Best Ager.

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An diesem Freitag fand in der Münchner Jesuitenkirche St. Michael die Trauerfeier für den verstorbenen Leo Kirch statt. Rund 600 Trauernde waren gekommen, darunter auch Altkanzler Helmut Kohl, Verleger Hubert Burda und Focus-Gründer Helmut Markwort. Einen bemerkenswerten Nachruf auf Leo Kirch hatte Axel-Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zuvor in der Welt am Sonntag veröffentlicht. Unter der Überschrift “Der schreiende Löwe” beschrieb er Kirch als “konservativen Vordenker, Spieler und Gestalter”. Am Ende des Nachrufs schrieb Döpfner: “Seine größte Stärke wurde ihm zum Verhängnis: der Mut zum Risiko. Als das Kräftespiel zwischen unternehmerischer Urgewalt des Prinzipals und der vorsichtigen Analyse seiner Berater die Balance verlor, geriet das System Kirch aus den Fugen.” Man könnte hinzufügen: Nicht nur seine Stärke wurde Kirch zum Verhängnis, sondern auch Mathias Döpfner. Aus den Fugen geriet das “System Kirch” auch darum, weil der Springer-Chef höchstpersönlich im Januar 2002 von einer Put-Option Gebrauch machte. Döpfner bestand gegen den Widerstand Kirchs darauf, dass dieser einen 11,48-Prozent-Anteil von Springer an ProSiebenSat.1 zu einem deutlich höheren Preis zurücknahm, als es damals der Marktwert war. Hinter den Kulissen tobte damals ein gnadenloser Machtkampf zwischen Kirch und dem Hause Springer. Kirch, der lange Zeit ungeliebter Springer-Aktionär war, sollte als Gesellschafter aus dem Unternehmen gedrängt werden. Die Operation gelang, das Kirch-Imperium geriet ins Wanken und fiel schließlich in sich zusammen. Seine eigene, überaus aktive Rolle beim Niedergang des Kirch-Reiches hat Mathias Döpfner bei seinem Nachruf elegant unter den Tisch fallen lassen.

Die Kirch-Trauerfeier dürfte für Verleger Hubert Burda und Focus-Herausgeber Helmut Markwort der Abschluss einer eher verdrießlichen Woche gewesen sein. Bei Burda stecken sie mit dem Focus in einem echten Dilemma. Wie man es dreht und wendet – eine Lösung, bei der Alle zufrieden sein werden, ist nicht in Sicht. Würde man Wolfram Weimer als Chef gewähren lassen, könnte der den Focus vermutlich zu einem Debatten-Magazin für eine konservative Klientel umbauen. Das wäre aber bestenfalls für ein Monatsheft mit beschränkter Auflage ein tragfähiges Konzept – siehe Weimers Eigen-Gründung Cicero. Lässt man Uli Baur als Markwort-Epigone alleine ran, hätte man eine Fortsetzung des Markwort-Stils. So oder so: Es wird eine Menge unzufriedener Gesichter geben.

Die Anhörung von Rupert Murdoch und seinem Sohn James vor dem Medienausschuss des britischen Parlaments wegen der Abhöraffäre war für Medienfreaks das TV-Event des Jahres. Besser hätte man die Rupert-Show auch nicht scripten können. Der zwischen zerknautscht und zerknirscht changierende Rupert, der mit rote Ohren ausgestattete James… und als absoluter Höhepunkt die Rasierschaum-Attacke, die von Murdochs Gattin Wendi Deng mit beherztem Faust-Einsatz verhindert wurde. Das war ganz großes Kino. Man durfte nur nicht den Fehler machen und bei Phoenix zuschauen. Der Simultan-Übersetzer war mit der Lage deutlich überfordert. Zwei Übersetzer wären besser gewesen.

Großes Kino bot auch die ProSiebenSat.1 AG am Mittwoch. Mit ganz viel Getöse und einem Bumm-Bumm-Trailer nach dem nächsten bekam man in der Alten Kongresshalle in München das neue Programm für die TV-Saison 2011/2012 um die Ohren gehauen. Dabei macht es ProSiebenSat.1 im Kern fast wie RTL: Man setzt auf Bewährtes. Erfolgreiche Formate kommen alle wieder und für neue Sendungen sucht man vorzugsweise alte Gesichter (Linda de Mol, Jürgen von der Lippe, Harald Schmidt). Die Münchner setzen aber auch auf Nischen-Kanäle. Mit dem Frauensender Sixx ist man angeblich sehr zufrieden. Die Reichweite wird jetzt nochmal um 5 Millionen ausgeweitet. Sixx erreicht dann rund 80 Prozent der deutschen TV-Bevölkerung. Ein Prozent Marktanteil für Sixx ist für nächstes Jahr angepeilt. Es ist noch ein weiterer Nischenkanal in Vorbereitung, und zwar einer für so genannte Best Ager, die aber um Himmelswillen nicht so genannt werden dürfen! Wie der neue Sender heißen und was dort genau zu sehen sein wird, das ist alles noch im Werden. Nur soviel: Von der ursprünglichen Idee eines reinen Männerkanals ist man intern wieder ein bisschen abgerückt. Derzeit sieht es so aus, als werde das neue Baby von Chef-Sender-Entwicklerin Katja Hofem-Best doch ein Unisex-Kanal für Leute jenseits der 40.

Schönes Wochenende!

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