Kindergarten-Talk um „Tagesschau“-App

Der Radiokanal NDR Info hatte den DuMont-Redaktionsvorstand, Franz Sommerfeld, den Verleger des Weser Kurier, Ulrich Hackmack, und den Zweiten Chefredakteur der “Tagesschau”, Thomas Hinrichs, eingeladen, um über die umstrittene Tagesschau-App zu diskutieren. Die Sendung zeigte eindrücklich, dass Verlage und Vertreter der ARD gezielt aneinander vorbeireden. Es war eine Diskussion auf Kindergarten-Niveau. Mit einer Einigung außerhalb der Gerichte ist nicht mehr zu rechnen.

Anzeige

Die von Matthias Frank ausgewogen moderierte Sendung im Infokanal des NDR-Hörfunks war ein Zeugnis der Kommunikationsunfähigkeit sowohl der Verlags-Vertreter als auch der Leute bei der ARD. Altbekannte Argumente wurden in den Raum gestellt. Auf das, was das Gegenüber sagte, wurde nicht eingegangen. Zahlen oder Fakten hatte keiner zur Verfügung. Nach diesem Muster drehte sich die Diskussion eine Stunde lang im Kreis der altbekannten Allgemeinplätze. Franz Sommerfeld, als Redaktions-Vorstand von M. DuMont Schauberg (u.a. Berliner Zeitung, Kölner Stadt-Anzeiger, Frankfurter Rundschau) ein Vertreter der gegen die “Tagesschau”-App klagenden Verlage, outete sich zu Beginn der Sendung als iPad-Fan. Er habe auch gar nichts dagegen, dass die ARD die Tagesschau oder andere TV-Inhalte aufs iPad bringe. “Aber das, was die ARD und der NDR mit der App machen, ist eine Internet-Zeitung für iPad und iPhone”, so Sommerfeld. Dies sei ein “presseähnliches Angebot” und damit eindeutig durch den Rundfunkstaatsvertrag untersagt.

Thomas Hinrichs erwiderte das bekannte Gegen-Argument, dass die Tagesschau-App nicht anderes biete als die Website Tagesschau.de und die Gebührenzahler auch nicht mehr koste. Es sei verwunderlich, dass die Verlage gerade jetzt klagen würden. Sommerfeld erwiderte, dass auch die Website ein presseähnliches Angebot sei und die Verlage vielleicht schon früher hätten klagen sollen. Die Verlage hätten jetzt geklagt, weil durch die App das presseähnliche Angebot  Tagesschau.de auch auf den Zukunftsmarkt der mobilen Anwendungen ausgeweitet worden sei.

Die beiden stritten sich dann noch – ohne Ergebnis – ob die Tagesschau-App und Tagesschau.de nun Text- oder Bewegtbild-lastig seien und wie viel Geld die Öffentlich-Rechtlichen für ihre Online-Angebote zur Verfügung haben, was erstaunlicherweise keiner in der Runde wusste. Zur nachträglichen Info: Von 2009 bis 2012 hatten ARD und ZDF laut Bericht der KEF (Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs bei ARD und ZDF) 610 Millionen Euro für Online-Aktivitäten zur Verfügung. Die Zahl wurde sogar von einem Hörer in die Runde geworfen, allerdings wusste keiner der Diskutanten damit etwas anzufangen.

Und so war dies eine Diskussion auf Kindergarten-Niveau: “Ihr seid eine Internet-Zeitung!” “Ne, sind wir gar nicht!” “Seid ihr doch!” “Sind wir nicht!” “Seid ihr doch!” “Sind wir nicht!” Usw.

Der Unterschied zum Kindergarten: Am Ende hat man sich nicht verprügelt, sondern Thomas Hinrichs bescheinigte Franz Sommerfeld und Weser-Kurier-Verleger Hackmack, der zwar nicht gegen die Tagesschau-App klagt aber trotzdem dagegen ist, dass es eine angenehme Diskussion gewesen sei. Man sieht sich vor Gericht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige