„Für die Herbst-Saison gut aufgestellt“

Am Mittwochabend stellt ProSieben in München sein Programm für die TV-Saison 2011/12 vor. Im Exklusiv-Interview mit MEEDIA verrät Sender-Geschäftsführer Jürgen Hörner vorab, was das Publikum erwarten kann. Zu den Highlights gehören u.a. die Spielberg-Serie "Terra Nova", die erste "Two and a Half Men"-Staffel mit Ashton Kutcher, die Castingshow "The Voice", neue "Stromberg"-Folgen, ein neuer Sport-Event mit Stefan Raab, mehr mit Joko und Klaas und ein exzellentes Spielfilm-Line-Up.

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Herr Hörner, ProSieben war in der abgelaufenen TV-Saison 2010/11 mit 11,5% kein Gewinner, man verlor sogar 0,6 Prozentpunkte gegenüber den Monaten September 2009 bis Mai 2010. Lag das nur an der Übermacht von RTL, oder gab es auch hausgemachte Fehler und Schwächen bei ProSieben?

Da gab es mehrere Gründe, sicher nicht nur die Konkurrenz. Auch die Katastrophe in Japan hat uns im März Marktanteile gekostet. Wir haben aber das zweite Quartal 2011 versöhnlich abgeschlossen. Im Juni hatten wir mit 12,5% unseren besten Marktanteil seit April 2010. Der Juli läuft deutlich über Vorjahr. Für die Herbst-Saison sind wir sehr gut aufgestellt.

Sie sagen, sie sind gut aufgestellt, wo sehen sie derzeit die größten Baustellen im ProSieben-Programm?

ProSieben hat gar nicht so viele einzelne, konkret benennbare Baustellen – und vor allem eine äußerst starke Prime Time. Zu den Dingen, die wir angehen wollen, gehört die Daytime – da entwickeln wir eine Reihe von neuen Formaten. Wir haben dort recht gute Marktanteile mit Sitcoms bis 16 Uhr, hatten danach aber von 16 Uhr bis 18 Uhr etwas zu kämpfen. Um 16 Uhr sind wir immerhin seit Mai mit einer Daytime-Variante von "Das Model und der Freak" deutlich im Aufwärtstrend. Wenn man an fünf Tagen der Woche den Marktanteil einer Stunde von 8% auf 11% verbessert und gleichzeitig noch einen positiven Effekt in der 17-Uhr-Stunde erzielt, macht sich das im Tagesmarktanteil schon bemerkbar. Ansonsten sind wir im Januar, bevor neue Staffeln von "Germany’s next Topmodel – by Heidi Klum" und zahlreichen Serien angelaufen sind, etwas verhalten ins neue Jahr gestartet.  Das wollen wir 2012 ändern. Und auch die Herbst-Saison starten wir etwas früher –  schon im August mit unserem Sommer-Fun-Event "Die Alm".

Sie sprechen "Die Alm" an – die Reihe hat 2004 mit der bisher einzigen Staffel Marktanteile von bis zu 21,5% geholt, aber auch für Kritik gesorgt, sodass ihr Sender anschließend erstmal die Finger von solchen Reality-Formaten gelassen hat. Warum nun das Comeback?

An der „Alm“ selbst lag das nicht. Die Show ist damals sehr positiv wahrgenommen worden – auch in der Presse. Ein halbes Jahr später gab es aber ein zweites Projekt namens "Die Burg" und das war in der Umsetzung und dem gesamten Drumherum nicht gelungen. Die Stimmung war angespannt und es gab Verhaltensweisen von Menschen, die dort gewohnt haben, die man nicht hätte tolerieren und zeigen sollen. "Die Burg" hat letztlich dem Sender die Laune an solchen Formaten verdorben. "Die Alm" – das zeigt eine aktuelle Marktforschung – ist bei den Zuschauern immer noch positiv belegt. Deswegen freuen wir uns drauf, es nochmal anzugehen.

Sie beginnen die TV-Saison ja in der Tat schon Mitte August, nicht nur mit der "Alm", sondern auch mit neuen Folgen von "Fringe", "Vampire Diaries" und "Desperate Housewives", der neuen Serie "Body of Proof" und der zweiteiligen "großen Comedy Party" mit Sonja Kraus. Was hat es denn damit auf sich?

Die kommt von den Produzenten des "Quatsch Comedy Clubs" und ist ein Comedy-Festival, das wir mit gestandenen Comedians veranstalten – aber auch neuen Gesichtern. Wir wollten einfach wieder mehr Fläche für Stand-Up-Comedy haben.

Schauen wir uns doch mal die verschiedenen Prime-Time-Abende an und beginnen mit dem Montag. Dort gab es in der jüngeren Vergangenheit immer wieder Licht und Schatten. Zuletzt hat der ehemalige Hit "Primeval" etwas enttäuscht. Mit welchen Serien wollen sie den Mystery-Montag in der neuen Saison bestücken?

Zunächst einmal  mit der Serie "V – Die Besucher", die am Montag sehr erfolgreich gestartet ist. Dazu hat unser Marketing eine sensationelle Kampagne auf die Beine gestellt. Die Website Habt-Keine-Angst.de kam schon vor dem Start auf über eine Million Besucher. Ansonsten haben wir über den Output-Deal mit Fox die Spielberg-Serie "Terra Nova", die im Herbst ja in den USA startet. Da prüfen wir, ob sie ein Thema für den Winter oder erst das Frühjahr ist. Wir sind sehr erwartungsfroh, denn der Pilot ist wirklich sensationell produziert. Steven Spielberg plus Dinosaurier, da kann nicht viel schief gehen. Es ist aber auch ein starker Drama-Anteil drin und die Serie ist weniger komplex als zum Beispiel "Lost". Ebenfalls für den Montag haben wir "Falling Skies", allerdings wohl erst im neuen Jahr, mit gewissem Abstand zu "V", da sich die Szenarien etwas ähneln.

"Spartacus" wird auch bei Ihnen laufen – ist das auch ein Thema für den Montag?

Da bin ich mir noch nicht sicher. "Spartacus" ist in einer sehr eigenen, an "300" angelehnten Optik produziert worden. Von der Zielgruppe her würde sie sicher auf den Montag passen, aber vom Thema her eher nicht. Ich will mir auf jeden Fall noch die komplette zweite Staffel anschauen, wahrscheinlich werden wir die Serie in einer Event-Programmierung zeigen.

Und geht’s mit "Primeval" weiter?

Die Kollegen von Impossible Pictures arbeiten gerade an einer "New World"-Version, an der wir sehr interessiert sind. Wir waren ja von Beginn an als Co-Produzent an "Primeval" beteiligt und schauen uns jetzt das Konzept für den neuen Kontinent an.

Der Dienstag ist derzeit ja ein Selbstläufer – und dürfte das auch in der neuen Saison mit Staffeln der Comedyserien-Hits bleiben. "Two and a Half Men" wird nach der nächsten bei Ihnen zu sehenden Staffel mit einem neuen Cast kommen – Ashton Kutcher löst Charlie Sheen ab. Haben Sie etwas Angst davor, dass die Deutschen die Serie womöglich zu sehr mit Sheen verbinden?

Ich halte die Besetzung mit Ashton Kutcher für eine bestechende Idee. Er hat Sitcom-Erfahrung und eine große Online-Community, wird also womöglich neue, junge Zuschauer zu der Serie bringen. Von daher habe ich keine Angst. Wir wollen die ersten Folgen mit Ashton Kutcher übrigens nicht erst im Herbst 2012, sondern schon früher zeigen.

Am Mittwochabend startet schon Ende August die neue Serie "Body of Proof", in den USA einer der erfolgreichsten Serienstarts der vergangenen Saison. Wird die Serie auch bei ProSieben funktionieren oder spricht sie nicht ein etwas älteres Publikum an?

Wegen der Altersstruktur mache ich mir keine großen Sorgen. Für ProSieben ist "Body of Proof" eine neue Farbe – eine Art Mischung aus "CSI" und "Dr. House" mit einer starken weiblichen Hauptfigur. Ich denke, dass wir für ProSieben mittwochs eine sehr gute Startvoraussetzung haben, weil Dana Delany aus "Desperate Housewives" bekannt ist.

Das große Donnerstags-Highlight wird wohl "The Voice". Warum braucht Deutschland denn noch eine Castingshow?

"The Voice of Germany" ist ein ganz neuer Ansatz. Wir sind bisher sehr positiv überrascht, weil wir eine ganz andere Klientel haben, die zum Scouting kommt – zum Beispiel im Vergleich zu "Popstars". Wir haben sehr gute Musiker in den Scoutings und haben schon einige Juwelen gefunden. Und als Coaches haben wir mit Xavier Naidoo und Nena ja absolute Top-Leute gewinnen können. Ich bin mir sicher, dass der neue Ansatz von "The Voice of Germany" die Zuschauer begeistern wird.

Für "The Voice" setzt "Popstars" in diesem Jahr aus. Was ist, wenn "The Voice" eine Quoten-Sensation wird – haben die "Popstars" dann noch eine Zukunft? Für beide Formate dürfte – zumindest auf dem Donnerstags-Sendeplatz – kein Platz sein.

Wir haben ja 52 Donnerstage im Jahr, mit 12 bis 16 Episoden pro Format ist da schon Platz. Und „Popstars“ ist nicht auf einen Start im Herbst fixiert. Nach der letzten Pause kam ja Monrose als Band heraus. Die unterschiedlichen Talente bestärken uns sogar darin, in Zukunft beide Formate on air zu haben.

Wie sehen die Pläne mit Stefan Raab aus? Nach seinem "Unser Star für…"-Ausstieg müsste der doch wieder ein bisschen mehr Zeit haben. Gibt es neue Ideen von und mit ihm?

Es gibt immer etwas Neues von Stefan Raab, es ist auf jeden Fall ein neues Sport-Event in der Konzeption. In diesem Herbst konzentrieren wir uns aber erstmal auf die bewährten Formate wie "Schlag den Star", "Schlag den Raab", "Bundesvision Song Contest", und das "TV total Turmspringen". Zur "Stockcar Crash Challenge" werden zum ersten Mal Wohnwagen-Gespanne antreten. Im nächsten Jahr gibt es dann die zehnte "Wok-WM", da lassen wir uns rund um das Format etwas Besonderes einfallen.

Ein Überraschungs-Hit waren vor einigen Wochen die ersten Folgen von "17 Meter" mit Joko und Klaas. Wann kommen neue Folgen und was planen sie noch mit den beiden?

Wir werden mit den beiden bei ProSieben auf jeden Fall weiter arbeiten. "17 Meter" wird nach zwei Folgen, die noch im Sommer laufen werden, im nächsten Jahr mit einer neuen Staffel weiter gehen. Außerdem werden wir noch zwei neue Formate mit Joko und Klaas pilotieren.

Sie haben in der kommenden Saison ein extrem starkes Blockbuster-Line-Up. Unter anderem mit "2012", "Hangover", "Transformers – Die Rache", "New Moon" und "Harry Potter und der Halbblutprinz". Von welchen Titeln erwarten sie sich die besten Quoten?

"Hangover" wird für uns, glaube ich, ein guter Start in die Saison. Unsere Spielfilm-Planer haben einen ganzen "Hangover"-Day programmiert – mit vielen Filmen zu diesem Thema. Von den reinen Zahlen her werden aber sicher "2012" und "Harry Potter" die erfolgreichsten Filme. Wir haben aber noch einen weiteren Disney-Day, der sicher einen sehr starken Tagesmarktanteil holen wird.

Vor einigen Wochen ging durch die Medien, dass ProSieben gegen eine EU-Richtlinie verstoßen würde, weil zu wenig Fiction aus Europa im Programm ist. Interessiert Sie diese Richtlinie überhaupt? Bestraft werden können Sie wegen des Verstoßes schließlich ohnehin nicht.

Haben wir in Europa nicht andere Probleme? Wir haben einen guten Anteil an eigenproduzierten Programmen, deutlich mehr als wir für unsere Sendelizenz bräuchten. Ich finde solche Quoten immer etwas zweifelhaft. Wenn es sie schon gibt, dann ist das für mich etwas für den öffentlich-rechtlichen Sendeauftrag. Privatwirtschaftliche Sender aber zu verpflichten, Filme zu zeigen, die gar nicht rekapitalisierbar sind, das finde ich schon absurd.

Zur deutschen Fiction: Wann geht’s mit "Stromberg" weiter und welche Highlights aus deutschen Landen gibt es noch?

"Stromberg" geht im November wieder on air, wieder dienstags um 22.15 Uhr. Er kommt zurück aus Finsdorf und macht bei der Capitol einen Karrieresprung, der seinem Ego sehr gut tut. Ansonsten haben wir unseren deutschen Film "Isenhart" einen Thriller, der im Mittelalter spielt und um den herum wir einen Mittelalter-History-Event programmieren. Außerdem haben wir noch den Film  "Die Stimmen der Vergessenen", ein Projekt von Studenten der Filmhochschule Ludwigsburg. Und wir werden einen zweiten Teil von "Kreutzer kommt" angehen, der allerdings nicht mehr in diesem Jahr on air gehen wird.

Apropos Mittelalter-Event: Was planen sie im Wissens- und Magazin-Genre?

"Galileo" ist eine unheimlich tolle Marke, die sich stark entwickelt hat. Wir haben im Herbst ein "Galileo Spezial" zum Thema "Die Jagd auf Osama Bin Laden", das wir in der Nähe des 11. Septembers zeigen werden. Außerdem haben wir eine Prime-Time-Reportage mit den Namen "Der Glücksreport 2011" im Programm, die auch von "Galileo" flankiert wird. Darin geht es um das Thema "Wie werde ich glücklich in meinem Leben?" Nachdem wir mit "Galileo Big Pictures" einen neuen "Galileo"-Ableger geschaffen haben, gibt es in dem Stil im August ein "VIPictures" mit Annemarie Warnkross zu sehen – mit den bewegendsten Promi-Bildern.

Zum Schluss noch etwas ganz Anderes: ProSieben ist das erfolgreichste deutsche Medium bei Twitter und auch bei Facebook sehr stark. Nutzen Sie persönlich auch Twitter oder Facebook?

Was die Nutzung von gewissen Geräten von Apple betrifft, bin ich sehr anfällig und habe viel Spaß. Allerdings muss ich zugeben, dass ich bei Facebook und Twitter gerade die ersten Schritte mache. Ich finde Facebook aber sehr faszinierend – es ist ein Medium, das uns sicher noch lange erhalten bleiben wird.

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