Schirrmacher will europäische Suchmaschine

Wenn sich Frank Schirrmacher zu Netz-Themen äußert, hat das immer ein besonderes Gewicht: Deshalb ist jetzt schon abzusehen, dass sein heutiger Text "Wir brauchen eine europäische Suchmaschine" noch länger Blogger und Feuilletonisten beschäftigen wird. Der FAZ-Herausgeber fordert eine europäische und nicht privatwirtschaftliche Google-Alternative, die keiner politischen oder ökonomischen Kontrolle unterliegt. Für Schirrmacher ist dies "vielleicht das wichtigste technologische Projekt der Gegenwart."

Anzeige

Wenn sich Frank Schirrmacher zu Netz-Themen äußert, hat das immer ein besonderes Gewicht: Deshalb ist jetzt schon abzusehen, dass sein heutiger Text "Wir brauchen eine europäische Suchmaschine" noch länger Blogger und Feuilletonisten beschäftigen wird. Der FAZ-Herausgeber fordert eine europäische und nicht privatwirtschaftliche Google-Alternative, die keiner politischen oder ökonomischen Kontrolle unterliegt. Für Schirrmacher ist dies "vielleicht das wichtigste technologische Projekt der Gegenwart."

Der Auslöser für den Appell des Zeitungsmachers sind die neuesten Forschungen von Betsy Sparrow über die Wirkung digitaler Speicher auf das menschliche Erinnerungsvermögen (Searching for the Google Effect on People’s Memory).

In der Science beschreiben die Forscher den Effekt, dass sich Menschen Informationen besser merken können, wenn sie wissen, dass sie nicht auf einen Computer gespeichert werden. Werden Informationen auf der Festplatte abgelegt, werden sie auch schnell wieder vergessen. Betsy Sparrow und ihre Kollegen reden – nach Schirrmachers Interpretation – "nicht über das Internet. Sie reden über Suchmaschinen." Weiter schreibt er: "Sie reden also in Wahrheit über Google. Die Forscher sagen im Kern: Die Google-Suche führt dazu, dass wir uns weniger Dinge merken können, aber dafür besser wissen, wo wir sie finden können. "

Der Frankfurter glaubt, dass sich die Auslagerung des Wissens ins Netz, zu einer Auslagerung "unseres" Gedächtnisses ans Netz führt.

Wenn also immer mehr Informationen ins Web wandern und das Internet immer mehr Funktionen unseres Gedächtnisses übernimmt, dann hält Schirrmacher das für keine gute Idee, wenn sich vor allem die drei Mega-Konzerne Google, Apple und Facebook damit beschäftigen, die riesigen Informationsmengen zu sammeln, zu vernetzen und zu interpretieren.

"Was ist die politische und soziale Macht einer Suchmaschine? Wie groß ist diese Macht eigentlich, wenn die Menschen ihr so sehr vertrauen, dass sie ihr Gedächtnis opfern?", fragt der Frankfurter.

Mit der Forderung einer europäischen Suchmaschine ist Schirrmacher rund zehn Jahre zu spät. Anfang des neuen Jahrtausends gab es mehrere ähnliche – auch nationale – Projekte. Alle sind jedoch gescheitert. Im Web gibt einen interessanten Effekt, den Schirrmacher leider nicht bedacht hat. So gut wie alle großen Internet-Unternehmungen, die von Institutionen geplant wurden, scheiterten. Erfolgreiche Online-Projekte wurden fast immer von kleinen, innovativen Teams entwickelt.

Eine ganz besondere Wende bekommt der Text noch zum Schluss. Als TÜV der neuen europäischen Suchmaschine schlägt Schirrmacher den Chaos Computer Club vor. Das ist allerdings eine höchst reizvolle Vorstellung: Ein ernsthafter Google-Konkurrent, der vom CCC betrieben oder immerhin kontrolliert wird. Auf diesen Versuch müsste man es tatsächlich einmal ankommen lassen.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige