Anzeige

Rupert Murdoch: „Keine Verantwortung“

Rupert und James Murdoch sind am Dienstag nachmittag vom Parlamentsausschuss des britischen Unterhauses befragt worden. Zu Beginn hat Rupert Murdoch vom "demütigsten Tag meines Lebens" gesprochen. James Murdoch sagte, er und sein Vater seien entschlossen, "die Dinge richtig zu stellen". News Corp. wolle selber "proaktiv" der Polizei helfen, die Ermittlungen im Phone-Hacking-Skandal abzuschließen. Doch die Verantwortung für den Skandal lehnte Rupert Murdoch ab. Verantwortlich seien Mitarbeiter, denen er vertraut habe.

Anzeige

Rupert Murdoch antwortete auf die Fragen der Mitglieder des Ausschusses nur zögerlich und musste sich Fragen mehrfach wiederholen lassen. Sein Sohn James trat bestimmer auf, konnte aber mit Details auch nicht weiterhelfen. Er wiederholte oft: "Dazu kann ich nichts sagen." Mit den Chefredakteuren seiner britischen Zeitungen spreche er eher selten, gab der Patriarch zu Protokoll. News of the World habe er vielleicht "ein wenig aus den Augen verloren".

Sein Sohn stellte klar: "Das Unternehmen hat so gut gehandelt, wie es konnte." Fehler räumte Vater Rupert ein ("were mistakes made – absolutely"). Er bitte alle Betroffenen um Entschuldigung. Die Dinge bei News of the World seien auf schlimme Weise schief gelaufen. Das Abhören von Mobiltelefon-Nachrichten sei falsch. Es gebe keine Entschuldigungen, sagte Rupert Murdoch in einem abschließenden Statement. Sein Unternehmen werde in jeder Hinsicht mit der Polizei kooperieren. 

Die für die Abhöraktion und die Bestechung von Polizisten verantwortlichen Personen wollten aber weder Vater noch Sohn eindeutig benennen. "Wir sind noch nicht am Ende der Untersuchungen", sagte James Murdoch. Kommentatoren der britischen BBC zogen bereits ein erstes Fazit: "So richtig voran gekommen sind wir nicht." 

James Murdoch betonte, er und sein Vater hätten erst Ende 2010 von den neuen belastenden Fakten gegen die britische Zeitung erfahren. Rupert Murdoch sagte aus, erst vor zwei Wochen von allen Fakten in Kenntnis gesetzt worden zu sein, als der Skandal um abgehörte Telefone von Tausenden von Briten auch an die Öffentlichkeit drang. Befragt zu der Verurteilung eines Chefreporters von News of the World wegen Erpressung vor einigen Jahren, antwortete Vater Rupert, er habe von den Vorwürfen nichts gewusst. News of the World mache vom nur etwa ein Prozent seines Unternehmens aus.  
Bei vielen detaillierten Fragen äußerte sich Rupert Murdoch sehr defensiv und gab an, sich nicht an Details zu erinnern oder nicht von ihnen gewusst zu haben. Mehrfache Versuche von Sohn James, für seinen Vater zu antworten, schlugen fehl. Ausschussmitglied Watson beharrte darauf, Vater Rupert zu befragen, da er für die "Führungskultur" im Unternehmen verantwortlich sei. Ein Bericht des Ausschusses attestierte Führungskräften von News International bereits eine "kollektive Amnesie". Doch auch von diesem Bericht wollte Murdoch nichts gehört haben.

James Murdoch sagte, er habe keine Kenntnisse über alle außergerichtliche Zahlungen, die bereits an Abhör-Opfer gezahlt worden seien. Solche Vergleiche seien üblich und würden von den entsprechenden Verlagsmanagern abgeschlossen. Um über Zahlungen in Kenntnis gesetzt zu werden, bedürfe es schon einer zweistelligen Millionensumme. "Wenn ich damals gewusst hätte, was wir heute wissen, hätte ich mehr unternommen", sagte James Murdoch. Murdoch musste zugeben, dass auch nach der Verurteilung ehemaliger Führungskräfte Zahlungen an diese geleistet wurden, beispielsweise für deren Rechtsanwaltskosten. Wer die Zahlungen genehmigt habe, könne er nicht sagen. Ebenso könne er nicht sagen, ob weiterhin Zahlungen an diese Personen geleistet würden.

Zur Frage, ob News International den Start einer neuen Sonntagszeitung beabsichtige, sagte James Murdoch: "Wir haben alle Optionen. Aber mein Vater und ich haben derzeit keine solchen Pläne." News of the World wurde vor einer Woche als Reaktion auf den Abhör-Skandal von den Murdochs eingestellt. Stattdessen regte James Murdoch an, "jounalistische Ethik" ernster zu nehmen und einen journalistischen Verhaltenskodex aufzustellen.

Vater und Sohn erschienen beide in dunkelblauen Anzügen und weißen Hemden vor dem Ausschuss. Gleich hinter ihnen saß Wendi Murdoch, die Ehefrau von Rupert Murdoch, in der ersten Reihe der Zuhörer. Ihre ungewohnte Rolle als Personen, die sich harten Fragen von Politikern stellen müssen (auch eine Novität an sich), schmeckte erkennbar weder Vater noch Sohn. Nach anfänglichen Unsicherheiten traten die beiden sicherer auf. Unterm Strich bleibt jedoch die Erkenntnis: Spezifischen Fragen wichen die Murdochs – absichtlich oder aus Unkenntnis – weitgehend aus.

Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige