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NotW-Whistleblower tot aufgefunden

Der Ex-Reporter der News of the World (NotW), Sean Hoare, ist am Montag in seinem Haus tot aufgefunden worden. Laut Polizei ist der Fall "nicht klar, aber nicht verdächtig". Hoare hatte als erster Insider von der gnadenlosen Kultur bei dem Boulevardblatt gesprochen und seinen damaligen Chef Andy Coulson beschuldigt, von den Abhör-Praktiken gewusst zu haben. In den USA bereitet das FBI eine globale Ermittlung gegen News Corporation unter dem Foreign Corrupt Practices Act vor.

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Der Ex-Reporter der News of the World (NotW), Sean Hoare, ist am Montag in seinem Haus tot aufgefunden worden. Laut Polizei ist der Fall "nicht klar, aber nicht verdächtig". Hoare hatte als erster Insider von der gnadenlosen Kultur bei dem Boulevardblatt gesprochen und seinen damaligen Chef Andy Coulson beschuldigt, von den Abhör-Praktiken gewusst zu haben. In den USA bereitet das FBI eine globale Ermittlung gegen News Corporation unter dem Foreign Corrupt Practices Act vor.
Nick Davies, der Guardian-Reporter verantwortlich für das Aufdecken des Abhör-Skandals, bezeichnet Hoare als einen ‚netten Mann’, auch wenn er für seinen Drogen- und Alkoholkonsum bekannt war. Im Namen der News of the World verbrachte er einen Großteil seines Arbeitslebens mit Stars, um Sensationsgeschichten über deren Benehmen für die Showbiz-Kolumnen zu bekommen. Er wurde dafür bezahlt und machte kein Geheimnis daraus, zum Frühstück Jack Daniels und Kokain zu konsumieren. Aufgrund der konkurrenzbetonten Atmosphäre bei der Zeitung war er nicht der einzige Alkoholiker in der Redaktion. Aber auch wenn er Andy Coulson, den ehemaligen Chefredakteur der News of the World (NotW) und späteren Pressesprecher von Premierminister David Cameron, als Kollegen und Freund sah, schmiss Coulson ihn aufgrund seines Drogenmissbrauchs letztendlich raus.
Damit hatte Hoare einen Grund, sich als Whistleblower an die Konkurrenz zu wenden. Er berichtete der New York Times und der BBC von den Machenschaften bei der News of the World. Gegenüber der BBC erklärte er, dass Coulson ihn persönlich zum illegalen Abhören von Voicemails aufgefordert habe. Der weist diesen Vorwurf bis heute ab. Hoare war letzten September, kurz nach den Interviews, von der Polizei als potentieller Verdächtiger verhört worden.
Vergangene Woche trat Hoare erneut an die Presse, um von dem sogenannten Pinging zu erzählen. Dahinter steckt eine Tracking-Technologie für Mobiltelefone, die nur von der Polizei unter bestimmten Umständen benutzt werden darf. Die News of the World, so Hoare, benutzte diese Technologie aber regelmäßig, womit sich Vermutungen über Bestechung von Polizeibeamten erhärteten. Mit seinem Ableben wird sich auch heute der Medienausschuss  beschäftigen, wenn Rupert und James Murdoch sowie die ehemalige News International-Chefin Rebekah Brooks vor das parlamentarische Komitee treten.
Auch wenn dies zweifellos die tragischste Entwicklung in diesem riesigen Skandal ist, war es nicht die einzige heute. Einen Tag nachdem der Chef der Metropolitan Police, Sir Paul Stephenson ging, musste auch sein Stellvertreter, John Yates, seinen Tisch räumen. Er beschloss wohl lieber zu gehen bevor er suspendiert worden wäre.
Seine katastrophale Fehleinschätzung des Falls im Juli 2009 als der Guardian zum ersten Mal von dem Abhör-Skandal berichtete, wird ihn noch lange jagen. Yates war damals für die Anti Terrorism Unit zuständig, die sämtliche Dokumente des NotW-Privatdetektivs Glen Mulclaire im Keller hatte und dessen Verurteilung zwei Jahre zuvor erwirkte. 15 Mülltüten voll mit ca. 11.000 Seiten an Beweismaterial lagen da rum. Aber nachdem sein Chef ihn darum bat, den Fall aufgrund der Nachrichten im Guardian noch einmal zu betrachten, brauchte Yates gerade einmal acht Stunden, um zu erklären, es gäbe keinen Grund, den Fall neu zu eröffnen. Neben dieser atemberaubenden Inkompetenz wird ihm zudem vorgeworfen, eine Anstellung für die Tochter des ehemaligen NotW-Angestellten und späteren Presseberaters der Met, Neil Wallis, bei Scotland Yard arrangiert zu haben. Wallis wurde letzte Woche ebenfalls verhaftet, und die Independent Police Complaints Commission (IPCC) ermittelt neben Yates noch gegen drei andere leitende Polizeibeamte.
Während die Londoner Polizei damit ihre zwei Top-Leute innerhalb von 24 Stunden verloren hat, ziehen sich die Sturmwolken über dem News Corp.-Hauptsitz in den USA zusammen. Der Generalstaatsanwalt Eric Holder bestätigte, dass die FBI eine weitgreifende Ermittlung unter dem Foreign Corrupt Practices Act (FCPA, Antikorruptionsgesetz) vorbereitet. Diese Untersuchung wird auch die News Corp.-Töchter in Europa, Australien, Indien und China ins Auge fassen.
Besonders die Enthüllungen, dass ein NotW-Reporter offenbar einen New Yorker Polizisten zu bestechen versuchte, um Telefonnummern der Nine-Eleven-Feuerwehrleute zu bekommen, und dass die Zeitung auch die Opfer und Familien dieser Terroranschläge bespitzelte, brachten den Skandal auf die Titelseiten in den Vereinigten Staaten. Der Kongress hat die Justizbehörde aufgefordert, diesen Fall zu untersuchen – und Rupert Murdoch sucht sich derzeit die besten Anwälte des Landes zusammen.
Der Skandal kommt nicht zur Ruhe, und täglich wird es schlimmer. Am Montagabend wurde berichtet, dass eine Mülltüte mit einem Computer, Handy und Dokumenten nahe des Londoner Apartments von Rebekah Brooks gefunden wurde. Die genauen Hintergründe sind noch nicht klar, aber gut sieht das nicht aus für die langzeitige Murdoch-Vertraute, die erst verhaftet und dann auf Kaution freigelassen wurde. Zudem soll ein weiterer News International-Manager nebenbei für die Met gearbeitet haben. Laut Channel 4 News war der Ukrainer Alex Marunchak in den späten 1990ern neben seiner journalistischen Tätigkeit auch als freiberuflicher Übersetzer für die Met dabei. Das Netz zwischen News Corp. und der Polizei wird immer imposanter. Vielleicht brauchen die Briten tatsächlich Hilfe vom FBI, um das Watergate unserer Zeit aufzudecken. 

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