Neuer Mitgesellschafter für Westfalen-Blatt

Die Münsteraner Unternehmensgruppe Aschendorff steigt als Minderheitsgesellschafter mit 24,9 Prozent bei der C. W. Busse Holding ein. Entsprechende Informationen von MEEDIA bestätigte die Gruppe auf Anfrage. Was das mit Medien zu tun hat? Hinter Aschendorff stehen unter anderem die Westfälischen Nachrichten, die Familie Busse verlegt das Bielefelder Westfalen-Blatt. Bisher war nur der Regionalzeitungsverleger Dirk Ippen mit einem kleinen Anteil direkt am Westfalen-Blatt beteiligt.

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Der Einstieg ist symptomatisch für die schleichenden Konzentrationstendenzen im Zeitungsgewerbe. Schon einmal hatte sich die Familie Busse, die neben dem Westfalen-Blatt u.a. auch sehr profitable Anzeigenzeitungen vertreibt, einen Minderheitsgesellschafter ins Boot geholt: 2004 stieg die Axel Springer AG mit 14,5 Prozent bei der Westfalen-Blatt GmbH ein. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann hatte einst seine Karriere bei der Zeitung mit der streng konservativen politischen Ausrichtung begonnen.

Über den langjährigen Chefredakteur Rolf Dressler hieß es schon mal scherzhaft, er werfe selbst im Dunkeln noch einen Schatten. Als konservatives Gegengewicht zum Konkurrenten Neue Westfälische, die mehrheitlich zur SPD-Medienholding ddvg gehört, war und ist das Westfalen-Blatt gut positioniert. Die Auflage liegt bei knapp 120.000 verkauften Exemplaren täglich. Das Blatt ist im katholischen Teil Ostwestfalens, also in den Kreisen Paderborn, Höxter und Warburg, stark. Am Verlagssitz Bielefeld ist für das Blatt allerdings nicht viel zu holen.

Dem Vernehmen nach gab es immer wieder Überlegungen der Mehrheitsgesellschafter, Springer den kompletten Verlag zu verkaufen. Doch dann verlor der größte Zeitungsverlag Europas die Lust an seinen Minderheitsbeteiligungen im Regionalzeitungsgeschäft. Der Anteil wanderte zum Westfälischen Anzeiger, und damit zu Dirk Ippen, der mit einem stattlichen Portfolio von Beteiligungen zu den größten Zeitungsverlegern der Republik zählt.

Dem Vernehmen nach war Ippen seit seinem Einstieg bei dem Bielefelder Haus immer wieder in Gesprächen mit den Gesellschaftern des Westfalen-Blatt, was eine komplette Übernahme der Zeitung angeht. "Wir haben immer Interesse, wenn es ein interessantes Angebot gibt", heißt es im Ippen-Reich. Vermutlich setzte Ippen darauf, seine kleine Beteiligung aufstocken zu können. Pikantes Deatil am Rande: Ippen ist seinerseits  im Münsterland Konkurrent vom neuen Holding-Gesellschafter Aschendorff. Ippen wird vermutlich zunächst an seinem Anteil am Bielefelder Blatt festhalten.

Das Westfalen-Blatt ist mehrheitlich, also mit 85,5 Prozent, im Besitz der C. W. Busse Holding GmbH. Deren Gesellschafter sind die Familie Busse (92,7 Prozent) und Michael Best (7,3 Prozent). Wer von den Altgesellschaftern wie viele Prozente verkauft – unklar. Best ist neben Harald Busse Geschäftsführer der Holding und der Westfalen-Blatt GmbH und gilt als operativer Kopf. Sein Sohn André Best ist Chefredakteur der Zeitung. Bei Aschendorff bezeichnet man den Einstieg in die Holding als "Finanzbeteiligung".

Die Unternehmensgruppe Aschendorff, mit den Westfälischen Nachrichten Platzhirsch im Münsterland, steigt als Mitgesellschafter in die Holding der Westfalen-Blatt GmbH ein. Das Bielefelder Haus erwirtschaftete laut Bundesanzeiger 2009 zwar einen Jahresüberschuss von 1,25 Millionen Euro, steht aber vor großen finanziellen Belastungen. Allein die notwendige Anschaffung einer neuen Druck-Rotation würde das Haus viele Millionen Euro an Investitionen kosten. Die Altgesellschafter suchen nun offenbar die Hilfe eines finanzstarken Nachbarn. Der könnte eventuell den Druck der Zeitung gleich mit übernehmen und den Bielefeldern die Kosten ersparen.

Für den Zeitungswissenschaftler Horst Röper vom Formatt-Institut kommt der Einstieg "überraschend". Schließlich sei der Verleger Ippen bereits mit dem Fuß in der Tür gewesen. Warum Ippen nicht zum Zuge kam, ist unklar, dürfte aber vor allem finanzielle Gründe haben.

Aus Sicht des neuen Gesellschafters sei der Schritt "konsequent und durchdacht", sagt Röper. Hinter Aschendorff stehen die Cousins Benedikt und Eduard Hüffer als Mitgesellschafter und Geschäftsführer. Zur Unternehmensgruppe zählen u.a. Buch- und Fachverlage, Anzeigenblätter, Zeitschriften, Radio-Beteiligungen und ein lokaler Internet-TV-Sender. Die Gruppe soll insgesamt rund 100 Millionen Euro im Jahr umsetzen. Die Cousins, die öffentlich kaum in Erscheinung treten, sind Juristen und führen die Gruppe seit 1999. Für sie ist der Einstieg die erste Expansion außerhalb ihrer Heimat. Im Münsterland selber sind Zukaufsmöglichkeiten kaum gegeben.

Für das Westfalen-Blatt ist die Münsteraner Gruppe also der gewünschte starke Partner. An welchen Verlag die Mehrheit des Bielefelder Hauses letztlich auch geht – mittelfristig wird ein weiteres Zeitungshaus von einem größeren Nachbarn geschluckt werden. Alleine wäre das Westfalen-Blatt aber vermutlich dauerhaft auch nicht überlebensfähig. 

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