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Sehr unhöflich, Herr Murdoch

Reporterglück lässt sich manchmal erzwingen, ein bisschen jedenfalls. Einfach mal da hinfahren, wo eine Story zu vermuten ist, nachfragen, insistieren – und am Ende vielleicht die Informationen oder Erlebnisse mitnehmen, die eine Geschichte zu einer Geschichte machen. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 15. Juli eine Reportage von Willi Winkler aus England. Thema: Rupert Murdoch. Die Geschichte zeigt, wie man Reporterglück eher nicht erzwingt.

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Reporterglück lässt sich manchmal erzwingen, ein bisschen jedenfalls. Einfach mal da hinfahren, wo eine Story zu vermuten ist, nachfragen, insistieren – und am Ende vielleicht die Informationen oder Erlebnisse mitnehmen, die eine Geschichte zu einer Geschichte machen. Die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte am 15. Juli eine Reportage von Willi Winkler aus England. Thema: Rupert Murdoch. Die Geschichte zeigt, wie man Reporterglück eher nicht erzwingt.

Als einen von zwei Schauplätzen seiner Reportage hat Winkler "Murdochs Festung" am Londoner Stadtrand ausgesucht. Dort geht er zum Pförtner und begehrt: "Ich würde gerne jemanden vom Mangement sprechen." Es gehe "um die aktuelle Geschichte". Der Pförtner reicht eine Telefonnummer an Winkler weiter, unter der er anrufen soll. Nach einigen Erläuterungen ("eigens aus Deutschland herübergekommen") wird Winkler mit dem Hinweis beschieden, es habe "Erklärungen" gegeben, mehr gebe es nicht, das Gespräch wird grußlos beendet. 

Winkler findet das nun seinerseits äußerst grob. Auch der Pförtner könne "so viel Unhöflichkeit nicht fassen". Wie ein weiterer Kollege ist er schwarz – für Winkler ein Beleg, dass "Einwanderer" bei Murdoch vor allem "im unteren Dienstleistungsbereich" angestellt würden. Anschließend versucht Winkler, drei aus der Schleuse kommende Mitarbeiter zu stellen. Einer habe nicht reagiert, einer sei weggelaufen, eine dritte Person gibt auf die Frage nach der "Stimmung" in der Zeitung zu Protokoll, die Mitarbeiter seien "alle schockiert". Selbst Winkler gibt zu: "Dämliche Frage, schlichte Antwort."

Nicht der Versuch, am Verlagssitz etwas herauszubekommen, was genau auch immer Winkler herausbekommen wollte, irritiert an seiner Reportage. Was verwundert ist, wie unverhohlen beleidigt Winkler über die Abfuhr an der Pforte schreibt. Offenbar ist er Absagen nicht so gewohnt. Als Gegenprobe könnte er ja mal versuchen, incognito am Hochhaus des Süddeutschen Verlags einen umgehenden Termin mit dem Geschäftsführer Richard Rebmann zu erwirken. Es scheint, als soll die Zurückweisung in der Reportage vor allem beweisen, wie sehr Murdoch sein Reich nun gegen Fragesteller verbarrikadiert. Denn, weiß Winkler: "Der Feind lauert überall." 

Aber gut, immerhin war der Reporter zuvor zuhause bei dem Agententhrillerautoren John le Carré in Südengland. "Wie ein Lord" residiere der Autor an einem "der schönsten Flecken dieser Erde, so abgeschieden, dass morgens keine Zeitung zugestellt wird und das Handy den ganzen Tag über versagt". Le Carré hat Winkler offenbar gerne empfangen. Der Schriftsteller sagt genug, zum Glück für die Geschichte. Illustriert ist die Reportage "Der Sturm" mit einem schönen Foto des Sängers Jarvis Cocker, wie er sich bei einem Konzert das Hinterteil – selbstverständlich nur symbolisch – mit einer Seite aus dem Skandalblatt News of the World abwischt. Mit Cocker hat Winkler leider nicht gesprochen. 

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