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NotW-Skandal: Wer geht als nächstes?

Nachdem Rupert Murdoch zwei langjährige Vertraute seines Konzerns verlor, stand der Sonntag im Zeichen der Londoner Polizei. Die Ex-Chefin von News International, Rebekah Brooks, wurde verhaftet wegen des Verdachts, in illegales Abhören von Voicemails und Beamten-Bestechung involviert gewesen zu sein. Kurze Zeit später kündigte der Metropolitan Police Chef Sir Paul Stephenson. Damit wird der Skandal immer unangenehmer für David Cameron. Spekulationen um den nächsten Abgang laufen auf Hochtouren.

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Nachdem Rupert Murdoch zwei langjährige Vertraute seines Konzerns verlor, stand der Sonntag im Zeichen der Londoner Polizei. Die Ex-Chefin von News International, Rebekah Brooks, wurde verhaftet wegen des Verdachts, in illegales Abhören von Voicemails und Beamten-Bestechung involviert gewesen zu sein. Kurze Zeit später kündigte der Metropolitan Police Chef Sir Paul Stephenson. Damit wird der Skandal immer unangenehmer für David Cameron. Spekulationen um den nächsten Abgang laufen auf Hochtouren.
Damit hatte Brooks laut ihrer Sprecherin nicht gerechnet. Als sie sich gestern Mittag in einer Londoner Polizeistation meldete, um bei den Ermittlungen in den Abhör-Skandal ‚zu helfen’, wurde sie kurzerhand verhaftet. War sie bis Freitag Chefin von News International und als ehemalige Chefredakteurin der News of the World und Sun eine der einflussreichsten Journalisten im Lande, wurde sie gestern von der Zeugin zur Verdächtigen. Und nicht nur in einem Fall: Die Metropolitan Police verhörte sie im Zusammenhang mit dem Phone-Hacking – diese Ermittlungen laufen unter dem Namen Operation Weeting – sowie der Bestechung von Polizeibeamten, Operation Elveden. Brooks ist inzwischen auf Kaution frei.
Die 43-jährige hat bislang vehement abgestritten, von dem Abhör-Praktiken ihrer Redaktion gewusst zu haben. Zu den jüngsten vermutlichen Hacking-Opfern zählen David Beckham, dessen Affäre mit seiner Assistentin Rebecca Loos in 2004 von der News of the World exklusiv berichtet wurde, sowie Paul McCartney und seine Ex-Frau Heather Mills.
Beim Thema Bestechung wird es für Brooks noch enger, so hatte sie vor dem parlamentarischen Kulturausschuss 2003 ausgesagt, die Polizei in der Vergangenheit für Informationen bezahlt zu haben. Auf die Frage, ob sie das nochmal tun würde, antwortete sie damals nur: "Kommt drauf an". Warum die Met nach dieser Aussage nicht direkt eingriff und den Fall ermittelte, wird den unabhängigen Untersuchungsausschuss in den kommenden Monaten beschäftigen.
Wenige Stunden nach Brooks’ Verhaftung trat dann der Polizeichef Sir Paul Stephenson vor die Presse mit einer saftigen Kündigungserklärung. Er entschied sich, seinen Posten niederzulegen, weil er Premierminister David Cameron nicht davon informiert hatte, dass er den ehemaligen News of the World-Topreporter Neil Wallis als Medienberater eingestellt hatte. Der war am Donnerstag verhaftet worden. Wallis war Stellvertreter von Andy Coulson, dem ehemaligen Chefredakteur des Blattes und späteren Pressesprecher von Cameron, und gründete vor zwei Jahren eine PR-Firma, zu dessen Klienten die Met gehörte.
Die Erklärung enthielt einen dicken Seitenhieb an Cameron: "Im Gegensatz zu Herrn Coulson musste Herr Wallis nicht bei der News of the World kündigen oder war – nach meinem besten Wissen – in die erste Abhör-Untersuchung verwickelt." Und für diejenigen, die diese Anspielung nicht begriffen, machte Sir Paul es noch deutlicher: Er meint, der Premierminister wird durch seine Nähe zu Coulson gefährdet. Die Warnung kommt etwas spät, schließlich hatte Cameron noch im März ein privates Wochenende mit Coulson auf seinem Landsitz Chequers verbracht.
Ob David Camerons Vertraulichkeit zu den inzwischen ehemaligen News of the World-Leuten Coulson und Brooks zu seinem Verhängnis wird? Die Frage wird immer heftiger diskutiert. Brooks war die einzige Person, die zweimal auf Chequers eingeladen war, und die Tatsache, dass sich Cameron und Brooks auch über Weihnachten trafen, hatte schon vor Monaten die Gemüter erregt.
Damit steht Cameron auf einer wenig beneidenswerten Liste von Leuten, die möglicherweise als nächstes ihren Posten räumen müssen. Eine spontane Umfrage auf Twitter seitens des einflussreichen Murdoch-Biographen Michael Wolff nannte neben Cameron auch seinen Chefstrategen Steven Hilton und Chief of Staff Ed Llewellyn, Innenministerin Theresa May, die beiden stellvertretenden Polizeichefs John Yates und Andy Hayman, den Direktor für Öffentlichkeitsarbeit der Met Dick Fedorcio, und James Murdoch. Besonders unter News Corp.-Aktionären wird diese Saga als Chance gesehen, den Einfluss der Gründerfamilie im Aufsichtsrat zu schwächen. Möglicherweise hat James dies am meisten zu fürchten.

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