taz-Chefin Pohl zur Schlampen-Kolumne

Eine Gaga-Kolumne der Online-Ausgabe der taz sorgt für Zoff in der Redaktion. Im taz Hausblog protestierten jetzt 30 Mitarbeiterinnen gegen die Kolumne “Trikottausch” von Deniz Yücel zur Frauenfußball-WM. Yücel schrieb zum Aus der deutschen Frauen-Nationalmannschaft “Schämt euch, ihr Schlampen!”. Die Kolumne mit begrenztem Wortwitz (“Trainerin Schlampia Neid”) wurde bisher fast 640 Mal kommentiert. MEEDIA sprach mit taz-Chefredakteurin Ines Pohl über die umstrittene Krawall-Kolumne.

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Passt die Kolumne "Trikottausch" eigentlich zum taz-Profil?
Zur Frauen-WM stand die taz in einer besonderen Pflicht: Wenn die taz mit stärkerer Präsenz zu den Männerturnieren vertreten ist, muss sie das, zumal vor dem Hintergrund unseres geschlechterdemokratischen Anspruchs, auch zum wichtigsten Turnier des Frauenfußballs tun.
Was war die Intention der taz mit der Kolumne?
Innerhalb der taz war dieses Ansinnen, ehrlich gesagt, nicht unumstritten. Mein Kollege Jan Feddersen, Leiter des taz WM Teams sowie Redakteur für besondere Aufgaben, und ich als Chefredakteurin haben dieses Projekt, über fast vier Wochen konzentriert über Frauenfußball zu berichten, durch alle taz Instanzen durchgesetzt. Von Anfang an war klar, dass in diese Ausgaben ein Element gehört, dass das vermutete Unbehagen vieler LeserInnen der taz zum Thema Fußball mit aufgreift. Und auch das Unbehagen vieler männlicher Experten. Damit war auch klar, dass Deniz Yücel mit dieser Aufgabe betraut werden musste. Bereits im Vorjahr hat er mit seiner Kolumne unter dem Titel "Vuvuzela" ja in ähnlicher Weise für Furore gesorgt. Seine Aufgabe war und ist: Die Ressentiments zum jeweiligen Thema zum Sprechen zu bringen. Ich bin nicht mit jeder dieser Kolumnen gleich einverstanden – aber die taz ist eine pluralistisch funktionierende Redaktion.
Wie beurteilen Sie die Reaktionen der Leser in den Kommentaren?
Ich freue mich über den Zuspruch und teile auch durchaus einige kritische Kommentare. Wirklich bedenklich finde ich allerdings, dass unser Kollege Yücel diffamiert werden soll, indem man ihm sein vermeintliches Türkischseins vorwirft. Er mag zwar türkischer Herkunft sein, wer ihn kennt weiß aber, dass er eigentlich ein astreiner SC Opel Fan ist, Südhesse eben. Wir wissen natürlich, dass unser Kollege die "türkische Karte" voll ausspielt – und doch reagieren manche LeserInnen mit durchaus rassistisch anmutenden Statements völlig ironiefrei. Aber nicht vergessen: Seine Kolumne erntet sehr viel Zuspruch, gerade von Frauen.
Gab es weitere Reaktionen auf die Kolumne, beispielsweise Abo-Abbestellungen wie zur Dschungelcamp-Berichterstattung?
Nein, es ist uns kein Fall bekannt.
Wie identifizieren Sie sich selbst mit der Kolumne?
Ich bin Chefredakteurin – und moderiere inhaltliche Prozesse, ich muss mich nicht mit allem identifizieren. Deniz Yücels Kolumnen finde ich durchaus auch sehr vergnüglich zu lesen.
Die umstrittene Kolumne "Schämt Euch, ihr Schlampen!" von Deniz Yücel
Die Stellungnahmen der taz-Frauen zur Schlampen-Kolumne
Die Stellungnahmen der taz-Männer zur Schlampen-Kolumne

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