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Kika-Millionenskandal weitet sich aus

Die Betrugsfälle beim Kika sind umfangreicher als bisher erwartet. Noch während der Prozess gegen den ehemaligen Herstellungsleiter Marco K. lief, führte die Polizei neue Durchsuchungen bei dem von ARD und ZDF betriebenen Kindersender sowie in Erfurter Wohnungen durch. Laut der Süddeutschen Zeitung wurden noch einmal etwa eine halbe Million Euro von sechs Verdächtigen veruntreut. Der Betrugsskandal um den öffentlich-rechtlichen Kinderkanal ist offenbar noch lange nicht zu Ende.

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Bisher hieß es, dass Marco K. seine Scheingeschäfte allein getätigt hatte. Der 44-Jährige hatte zu Beginn des Prozesses gestanden, den Gemeinschaftssender von ARD und ZDF mit Scheinrechnungen in Höhe von 8,2 Millionen Euro betrogen zu haben. Er wurde daraufhin zu fünf Jahren Haft verurteilt. Doch jetzt wird deutlich, dass die internen Kontrollen beim Kika versagt haben müssen.
Die Süddeutsche Zeitung spricht, von "Trittbrettfahrern, die vermutlich sein Spiel durchschaut hatten und so ebenfalls begannen, in die eigene Tasche zu wirtschaften". So sollen Daniel H., ein freier Mitarbeiter des Kika, der offiziell als "Finanz-Controller" in der Herstellungsleitung tätig war, als auch Ronny D., ein weiterer freier Mitarbeiter sich beim Kika, mit Scheinfirmen bereichert haben. Gegen sechs Mitarbeiter und sieben Geschäftsführer von externen Firmen werde ermittelt.
Für lasche interne Kontrollen spricht auch, dass laut ZDF-Intendant Markus Schächter die Information über die Glücksspielleidenschaft von Marco K. zwischen 2000 und 2008 "nachweislich die Leitungsebene des Kika erreicht" habe. Schächters Meinung nach hätte längst eine Veranlassung bestanden, den "fundierten Gerüchten" nachzugehen. MDR-Revisor Alfons Birke wies im Prozess darauf hin, dass im Kika-Rechnungswesen immer wieder Belege eingereicht wurden, "die nicht ordnungsgemäß abgezeichnet waren".
Die ARD-Intendanten fordern nun, das Budget des Kika jährlich um eine Million Euro zu kürzen. Zuvor sei ja auch nicht aufgefallen, dass jeweils rund 800.000 Euro fehlten. Der MDR prüft zudem, ob K. tatsächlich alle Gelder verspielt hat, wie er behauptet.

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