Kachelmann streitet mit Rheinischer Post

Nach dem Prozess wird aufgeräumt: Noch immer sind die Anwälte von Jörg Kachelmann damit beschäftigt, die Berichterstattung des vergangenen Jahres aufzuarbeiten. Nach diversen juristischen Schritten gegen überregionale Medien hat Ralf Höcker, Medienanwalt des Wettermoderators, nun auch eine Einstweilige Verfügung gegen das User-Generated-Content-Portal der Rheinischen Post, Opinio.de, erwirkt. Interessant ist dabei, dass RP-Online offenbar nicht die Verantwortung für die Nutzer-Texte übernehmen will.

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Die Kachelmann-Anwälte gingen laut einer eigenen Pressemitteilung gegen "eine vor- bzw. nachverurteilende Behauptung zum angeblichen Triebleben Kachelmanns" vor.

Die Rheinische Post argumentierte gegen die EV, so sagt es zumindest Höcker, dass es sich beim Opinio.de-Content nicht um redaktionelle, sondern um fremde Inhalte handele. Ähnlich wie YouTube wäre RP-Online damit nur ein "technischer Vermittler". Im Unterschied zum Verlagshaus aus Düsseldorf produziert die Google-Tochter auch keinerlei eigene Inhalte.

RP-Online wurde offenbar letztendlich ein Passus in den Opinio-FAQs zum juristischen Verhängnis, in dem es heißt, dass die Texte "geprüft" würden, bevor sie "freigeschaltet" und online gestellt werden.

Opinio bezeichnet sich selbst als "Online-Magazin von Lesern für Leser. Geschrieben, fotografiert und gelesen von Menschen, die mitreden wollen: von Ihnen." Jeden Dienstag erscheint in der Print-Ausgabe der Rheinischen Post eine Seite mit den besten Texten aus dem User-Generated-Content-Portal. Das Meinungs-Stück über Kachelmann erschien allerdings nie in der gedruckten Ausgabe.

Im Streit um die Einstweilige Verfügung schießt Höcker jedoch auch ein wenig über das Ziel hinaus. Denn am Ende seiner Pressemitteilung schreibt er: "Wer Kosten sparen will, indem er redaktionelle Arbeit auf Laien-Journalisten auslagert, muss auch für das schlechte Ergebnis eines solchen Kompetenz-Outsourcing einstehen."

Selbst wenn die Idee hinter Portalen wie Opinio.de einmal gewesen war, mit einem solchen Angebot möglichst kostenlos an Inhalte zu kommen, hat die Realität längst gezeigt, dass sich mit Bürgerjournalismus-Portalen kaum Geschichten generieren lassen, die den Qualitätsstandards der überregionalen und Metropolzeitungen genügen.

Ob die Rheinische Post die Einstweilige Verfügung akzeptiert, ist eher unwahrscheinlich. Obwohl die EV in Düsseldorf noch nicht zugestellt wurde, tendiert man bei der RP – wie aus dem Verlag zu hören ist – offenbar dazu, gegen die Verfügung vorzugehen.

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