Steingarts PR-Kabbelei mit der FDP

Der Beginn einer wunderbaren Brieffreundschaft? Handelsblatt-Chefredakteur Gabor Steingart hat sich in einem Schreiben an die FDP-Bundestags-Abgeordneten gewandt. Darin kritisiert er die geplanten Steuersenkungen, die durch neue Kredite finanziert werden sollen. Dem Brief legte er neben seiner Zeitung auch unaufgefordert Kommentare seiner Leser bei, mit dem Hinweis "Vielleicht finden Sie hier auch Einschätzungen, die für Ihre Entscheidungsfindung hilfreich sind". Die FDP konterte mit viel Ironie.

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Steingart hatte die ungewöhnliche PR-Aktion zuvor in einem Kommentar angekündigt. Die geplante "Steuersenkung auf Pump" stoße auf eine breite Ablehnungsfront – auch in den Kommentaren der Leser. "Damit Ihre Stimme nicht ungehört bleibt, bekommen heute alle Mandatsträger der FDP im Bundestag ein Exemplar des Handelsblatts und eine Kopie der Leserkommentare zugestellt", verkündete Steingart.
In der vergangenen Woche folgte dann die Replik der Liberalen. FDP-Generalsekretär Christian Lindner und Fraktionsvize Volker Wissing baten Steingart um einen öffentlichen Briefwechsel im Handelsblatt. Doch der lehnte nach Angaben der Partei einen Abdruck ab, so dass die FDP den Schlagabtausch auf ihre Homepage stellte.
In der Antwort heißt es mit ironischem Unterton an den Handelsblatt-Chef gerichtet: "Ihre Sensibilität für die parlamentarischen Prozesse legt die Gegenfrage nahe: Wie wurde die ‚Haltung des Handelsblatts‘ ermittelt? Wir gehen jedenfalls davon aus, dass die Mitarbeiter Ihrer Redaktion die gleichen Freiheiten bei der Erarbeitung der Haltung des Handelsblatts haben wie die Mitglieder der FDP-Bundestagsfraktion. Deshalb erlauben wir uns, Ihnen im Gegenzug zu Ihrem Brief drei Argumente für die Entscheidung der Koalition vorzutragen."
Weiter heißt es in der Gegenrede: "Vielleicht teilt danach ja mancher Ihrer Kolleginnen und Kollegen die Einschätzung von Thomas Fricke, dem Chefökonomen einer anderen Wirtschaftszeitung in Deutschland, der Financial Times Deutschland, der die ,Ritualkritik’ an den Steuersenkungsplänen als ,platt’ empfindet?"
Was folgt, ist eine Argumentation in drei Punkten, die den Kurs der Liberalen verdeutlichen soll. Abschließend heißt es dann wieder an Steingart gerichtet: "Unabhängig von diesem Bewertungsunterschied sind wir Ihnen für Ihr vehementes Eintreten für ein Ende der Verschuldungspolitik dankbar: Wir zählen auf Sie, wenn beispielsweise die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen wieder Haushalte mit verfassungswidrig zu hoher Schuldenaufnahme vorlegt. Oder wenn Sigmar Gabriel eine Sockelrente fordert, die den Bundeshaushalt mit Milliarden belasten würde. Oder wenn die Grünen ein Arbeitslosengeld II von 450 Euro fordern… und so weiter und so fort."
Die Argumentation der FDP-Oberen nebst den Schlusssätzen fand dann doch den Weg ins Handelsblatt, allerdings ohne die Anspielung auf die Berichterstattung der FTD. Wäre ja auch blöd, wenn die Konkurrenz noch die PR-Lorbeeren des Handelsblatts ernten könnte.  

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