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BSkyB: Übernahme droht zu scheitern

Die Schließung der angeschlagenen News of the World sollte zeigen, dass News International verantwortungsbewusst ist. Aber der britische Kultursekretär Jeremy Hunt will nun doch die Genehmigung der gesamten Übernahme des Bezahlsenders BSkyB durch den Medienkonzern den Medienregulierungsbehörden überlassen. Die Aktie von BSkyB stürzte angesichts der Nachrichten um fast acht Prozent ab, und Spekulationen um einen Gesamtverkauf von News International werden laut.

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Die Schließung der angeschlagenen News of the World sollte zeigen, dass News International verantwortungsbewusst ist. Aber der britische Kultursekretär Jeremy Hunt will nun doch die Genehmigung der gesamten Übernahme des Bezahlsenders BSkyB durch den Medienkonzern den Medienregulierungsbehörden überlassen. Die Aktie von BSkyB stürzte angesichts der Nachrichten um fast acht Prozent ab, und Spekulationen um einen Gesamtverkauf von News International werden laut.

Der Job von Jeremy Hunt ist nicht leicht. As konservativer Minister untersteht der Kulturminister David Cameron, und dessen Nähe zu News International ist allgemein bekannt. Als die Entscheidung über den BSkyB-Deal auf seinem Tisch landete war klar, dass er entweder seinen Chef oder einen breite Schicht im Volk und Medienfachleuten verärgern würde. Hunt genehmigte die Übernahme prinzipiell und verteidigte seine Entscheidung damit, dass die Medienvielfalt im Lande damit nicht gefährdet sei. Das war sein Hauptkriterium.

Aber die Enthüllungen über Phone-Hacking und Bestechungen seitens des News International Titels News of the World hat die Stimmung  von Cameron Ende letzter Woche geändert, und Hunt kann nun ruhigen Gewissens die Entscheidung auf das Office for Fair Trading und die Medienregulierungsbehörde Ofcom abschieben. Das Ende der News of the World gibt zumindest technisch Grund, die Medienlandschaft – und die Frage der Medienvielfalt – erneut unter die Lupe zu nehmen, auch wenn News International vermutlich bald das Sonntagsloch mit einer Sun on Sunday stopfen wird. Und dann die zentrale Frage, ob das Management des Konzerns die Kriterien ‚fähig und ordentlich’ erfüllt, um eine Fernsehanstalt zu leiten. Mehr und mehr Anzeichen sprechen dagegen.

So wird der ehemalige Vorstandsvorsitzende von News International und langjährige Vertraute von Rupert Murdoch, Les Hinton, verdächtigt, einen internen Report in 2007 gesehen zu haben, der auf weitgreifendes Fehlverhalten im Unternehmen hinweist. Offiziell wurde immer von einem Einzeltäter, dem Adelskorrespondenten Clive Goodman, gesprochen, der in 2007 wegen Phone-Hackings verurteilt wurde.

Wie sich herausstellt hat News International nur einen kleinen Teil aller internen Emails in 2007 an ihre Anwaltsfirma und die Polizei weitergereicht, und das obwohl sie erklärten, eine rigorose Untersuchung des Falls Goodman vorgenommen zu haben. Einige dieser Emails sollen laut BBC zeigen, dass Andy Coulson als Chefredakteur zwischen 2003 und 2007 die Zahlung von Bestechungsgeldern an leitende Polizisten autorisiert hat. Ob diese Memos heute noch zu finden sind, ist allerdings fraglich, denn Beweismaterial wurde letzte Woche nach Zeugenberichten zerstört. Heute wurde zudem bekannt, dass die Zeitung offenbar auch Sicherheitsbeamte der Königsfamilie bestochen hat, und dass die Telefone von Prinz Charles und Camilla mit hoher Wahrscheinlichkeit ebenfalls angezapft wurden. Die derzeitige Untersuchung der Polizei läuft auf Hochtouren, nachdem deren Ermittlungen aus dem Jahr 2009 inzwischen völlig diskreditiert wurden.

James Murdoch und Rebekah Brooks haben diesen internen Report offenbar nicht gesehen, und damit vor Parlamentsausschüssen möglicherweise ungewollt falsch ausgesagt. James erklärte in einer Mitteilung, dass er nicht alle Fakten kannte, und bedauert seine Aussagen schwer.

Rebekah Brooks, die zum allgemeinen Unglauben immer noch in ihrem Chefsessel bei News International sitzt, kann sich unterdessen weiterhin auf die Unterstützung von Rupert Murdoch verlassen. Der 80-jährige Australier kam gestern nach London, um sich dem Skandal selbst anzunehmen, und nannte Brooks seine ‚erste Priorität’. Die heutige Ankündigung in Sachen BSkyB seitens Jeremy Hunt ist schwerer Schlag für Murdoch, der mit der Schließung von News of the World den Deal sichern wollte. Seine Loyalität zu Brooks, die er als sein fünftes Kind bezeichnet, könnte der Übernahme nun endgültig zum Verhängnis werden. Sollte die anhaltende Ermittlung der Metropolitan Police zeigen, dass Brooks mehr von den illegalen Tätigkeiten wusste, als sie vor zwei Parlamentsausschüssen bekannt gab, kann die Übernahme blockiert werden.

Neben dem Paar Brooks-Murdoch steht noch ein weiteres vor dem Härtetest: Premierminister Cameron und sein Vertreter Nick Clegg. Letzterer forderte Murdoch heute zusammen mit Oppositionsführer Ed Miliband dazu auf, sich freiwillig von der BSkyB-Akquisition zurückzuziehen. Wenn die Liberal-Demokraten unter Clegg in diesem Fall mit Milibands Labour gemeinsame Sache machen, kann das zu einer ernsten Zerreißprobe für die Regierungskoalition werden.

Bei all dem Theater ist es schwer vorstellbar, dass es noch schlimmer kommen wird. Aber genau das wird immer lauter gemunkelt. Nach der schockierenden Entscheidung letzte Woche, die News of the World zu schließen, könnte es laut dem renommierten Medienjournalist und Murdoch-Fachmann Michael Wolff zu einem noch größeren Schock kommen: Bei News Corp. wird laut Wolff aktiv über den Verkauf der gesamten britischen Sparte News International nachgedacht. Ob Rebekah Brooks dann noch lange in ihrem Job bleibt, ist schwer zu bezweifeln.

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