Anne Will: Zum Abschied stimmte alles

Die letzte Sendung von Anne Will am Sonntagabend nach dem "Tatort" war unspektakulär. Und vielleicht gerade darum überraschend sehenswert. Thema war die geplante Lieferung von deutschen Panzern nach Saudi-Arabien. Als Gäste waren u.a. Arnulf Baring, Jürgen Todenhöfer und Theo Sommer geladen. Es hätte ein langweiliger Sonntagabend werden können, aber dank dem dauer-aufgeregten Baring und einer unaufgeregt souveränen Moderation hat bei "Anne Will" zum Schluss einmal alles gestimmt.

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Dabei war es keineswegs so, dass der Historiker Arnulf Baring in seinen HB-Männchen-haften Tiraden für Realpolitik und Waffengeschäfte die besseren Argumente auf seiner Seite hatte. Der gesunde Menschenverstand schien an diesem Abend eher auf der Seite des Zeit-Publizisten Theo Sommer, der einen guten Ersatz-Helmut-Schmidt abgab. Der polternde Baring brachte aber die für eine gelungene Talkshow nötige Stimmung in die Bude, etwa wenn er den moralisierenden Jürgen Todenhöfer vor laufender Kamera als "Simpel" beschimpfte. Das war nicht sehr nett, aber unterhaltsam.

Und Anne Will? Die machte ihre Sache bei ihrem letzten Primetime-Auftritt am Sonntagabend ausgezeichnet. Sie ließ die Diskussion laufen wenn nötig, schritt in den richtigen Momenten ein und hakte immer wieder nach. Vor allem bei dem CSU Politiker Hans-Peter Uhl, dessen fadenscheinige Argumentation und Prinzipien sie durch beharrliches Hinterfragen und Insistieren vortrefflich zerlegte.

Und so blieb am Ende einer für das sperrige Thema erstaunlich lebhaften und unterhaltsamen Diskussion sogar noch ein bisschen Erkenntnisgewinn für die Zuschauer übrig. Auch wenn Baring zu Beginn der Sendung genau das Gegenteil prognostizierte. Es sei ja mehr oder weniger alles geheim, keiner wisse etwas genaues und darum sei so eine Gesprächsrunde zwangsläufig ein Stochern in Nebelschwaden, tönte er. Will ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen. Sie wirkte gelöst und locker wie selten während ihrer Karriere als Sonntags-Talkerin.

Es ist eben oft so, dass Menschen erst zu ihrer echten Form auflaufen, wenn der Druck weg ist. So ist es offenbar auch bei Anne Will. Bei früheren Shows war sie oft zu bemüht, zu steif und staatstragend. So eine lockere und beharrliche und präsente Anne Will wie am vergangenen Sonntag, hätte man sich öfter gewünscht.

Zum Abschied gab es nicht viele Worte, sondern den Hinweis, man verabschiede sich in die wohlverdiente Sommerpause. Dann sagte sie noch, dass dies ihre letzte Sendung am Sonntagabend gewesen sei und man sich bald am Mittwochabend um 22.45 Uhr wiedersehe. Sie freue sich, wenn viele Zuschauer auf den neuen Termin folgen würden. Über ihren Nachfolger am Sonntagabend, Günther Jauch, verlor sie kein Wort.
Hier gibt es die besprochene "Anne Will"-Sendung in der ARD-Mediathek.

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