Die neue Medien-Mode: drapierte Pullis

Frauenfußball sorgt weiter für gute Quoten und hitzige Diskussionen. U.a. darum, ob man Frauenfußball jetzt gut oder schlecht finden soll oder darf. Der ehemalige Spiegel-Chefredakteur feierte mit viel Medien- und Politprominenz seinen Geburtstag. Der Style-Check zeigt, dass der um die Schulter drapierte Pulli diesen Sommer wieder ein ganz heißes Accessoire ist. Und sonst: Die AWA lieferte komische Zahlen, Mr. Murdoch machte kurzen Prozess mit News of the World und dann war da noch Konstantin...

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Der Frauenfußball erhitzt die Gemüter. Vor allem jenseits des Spielfelds. Die große Frage ist, ob man Frauenfußball jetzt gut finden muss oder darf. Oder ob man Frauenfußball jetzt auch noch ablehnen darf. Frank Plasberg bestückte mit dem Thema diese Woche seine Talkshow “Hart aber fair”, die mir überhaupt nicht gefallen hat. Erstens war die Gästeauswahl unpassend bis skurril (Hajo Schumacher, Norbert Llambi), zweitens wurde die Runde von Plasberg moderiert wie eine Witzsendung. So ähnlich habe ich das dann auch in einer Kritik für MEEDIA geschrieben. Interessant ist nun, welche Diskussion sich daraus in den Kommentaren entwickelt hat. Erst haben Befürworter und Gegner des Frauenfußball sich wüst beschimpft. Dann plötzlich folgte eine Versöhnung. Der eine Kommentator entschuldigte sich sogar dafür, den anderen als “Trottel” bezeichnet zu haben. Sowas liest man selten in Online-Kommentarspalten.

Die Frauenfußball-WM elektrisierte auch die lieben Kollegen von werben & verkaufen. Die Redaktion der Werbe-Fachzeitschrift hat einen eigenen Fußball-Fan-Song aufgenommen: “Football’s here today!” Die Idee dazu hatte Chefredakteur Jochen Kalka persönlich. Anhören kann man sich das Werk mit ganz viel Rumms und Oleeeee, Oleeeee hier.

Die internationale Medienschlagzeile der Woche war sicher, dass Rupert Murdoch sein britisches Boulevardblatt News of the World eingestellt hat. Grund waren die nicht enden wollenden Enthüllungen über Journalisten, die Telefone abgehört hatten, um an Stories zu kommen. Das Image im Keller, Anzeigenkunden auf der Flucht, Medien und Behörden im Nacken, entschied sich Murdoch für eine Radikal-Lösung. Dass gleich die ganze Zeitung plattgemacht wird, hat dann doch manche überrascht. Nicht zuletzt sicher die News-of-the-World-Redaktion. Aber Murdoch hätte das sicher nicht getan, wenn er noch irgendeine Hoffnung gehabt hätte, dass mit der Zeitung künftig noch Geld zu verdienen ist. Sei es bei der Einführung der radikalen Pay-Wall der Times oder jetzt beim Exitus der News of the World. Es ist gleichermaßen furchteinflößend, konsequent und schnell, wie Murdoch sein Medien-Imperium managt.

In dieser Woche wurden die Reichweitenzahlen der Allensbacher Werbeträger Analyse (AWA) vorgestellt. Überraschendes Ergebnis: Laut der Studie lesen wieder mehr Menschen Print-Erzeugnisse! Juhu! Böllerschüsse! Champagner! Print lebt! Wie? Wieso will keiner feiern? Kann es daran liegen, dass auch die Medien-Verantwortlichen den Ergebnissen der Reichweiten-Messungen AWA und Media Analyse (MA) nicht mehr so recht über den Weg trauen? Seit Jahren sinken die Auflagen, die Reichweiten aber steigen oder bleiben stabil. Realität und Reichweite driften immer mehr auseinander. In Feierlaune versetzen solche Zahlen aus Wolkenkuckucksheim schon lange niemanden mehr.

Prominente Pulli-Drapierer bei der Geburtstagsparty von S. Aust
Echten Grund zum Feiern hatte dagegen der ehemalige Spiegel-Chefredakteur und N24-Gesellschafter Stefan Aust. Der hatte mal wieder zu seinem Geburtstags-Sommerfest im Stall geladen. Viel Medienprominenz machte Aust die Aufwartung. Darunter der frühere Gruner+Jahr-Vorstandschef Gert Schulte-Hillen, Ex-Spiegel-Geschäftsführer Karl Dietrich Seikel, der ebenso gefürchtete wie hofierte Medienanwalt Matthias Prinz, Hellmuth Karasek und sogar Außenminister Guido Westerwelle kamen neben vielen anderen vorbei. Dabei zu beobachten war der modische Sommertrend für Medien-Manager und Politiker: Wenn es locker zugehen soll, den Pulli in dieser Saison bitte immer über die Schulter und vorne verknoten. Selbst der Verteidigungsminister hielt sich an diesen informellen Dresscode. Geht sogar über den geschlossenen Mantel drapiert, wie es Herr Seikel vormachte. Als Geburtstagsgeschenk für Stefan Aust gab es übrigens einen Trabbi.

Die Erkenntnis der Woche kommt von keinem Geringeren als unserem alten Bekannten Konstantin Neven DuMont. Der twitterte zum Wochenausklang: “Was ist nur mit Facebook los? Da kommentieren jetzt schon laienhafte Psychologie-Fern-Diagnosti​ker.” Kommentar überflüssig.

Schönes Wochenende!

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