Studie: 18 Mio. Deutsche sind noch offline

Der typische deutsche Onliner ist eher männlich, 41,5 Jahre alt, berufstätig, lebt in einem Haushalt mit 2-3 Personen und hat ein Haushaltsnettoeinkommen von etwa 2.380 Euro. Das ist das Ergebnis des diesjährigen (N)Onliner Atlas der Initiative D21. Insgesamt betrachtet surft knapp ein Viertel der Deutschen (74,7 Prozent) im Web, was im Vergleich zum Vorjahr einer Steigerung von 2,7 Prozentpunkten entspricht. Dennoch ist für knapp 18 Millionen Bürger das Internet noch kein selbstverständliches Medium.

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Im Gegensatz zum typischen Onliner ist der typische Offliner in Deutschland eher weiblich, 66,8 Jahre alt, nicht (mehr) berufstätig, lebt in einem Haushalt mit 1-2 Personen und hat ein Haushaltsnettoeinkommen von ca. 1.560 Euro. Laut Studie ist absehbar, dass ohne gezielte Förderung dieser Gruppe die Zuwachsarten in den nächsten Jahren weiter abnehmen. Seit Beginn der Messungen sinkt zudem kontinuierlich auch die Zahl derer, die in den kommenden zwölf Monaten erstmals das Internet nutzen wollen (Nutzungsplaner 2011: 3,3 Prozent, 2010: 3,8 Prozent).
"Das Internet wird für immer mehr Bürgerinnen und Bürger zu einer Selbstverständlichkeit", sagt Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie. "Die Abstände bei der Internetnutzung zwischen den untersuchten Bevölkerungsgruppen verringern sich weiter. Doch wir erkennen anhand des (N)Onliner Atlas auch, dass sich trotz dieser allgemein positiven Entwicklung noch ein deutlicher digitaler Graben entlang von Alter, Einkommen und Geschlecht zieht. Wer den gleichberechtigten Zugang für die gesamte Gesellschaft möchte, muss diese Lücken schließen."
Höchste Internetnutzung in Stadtstaaten
Betrachtet man die Internetnutzung der einzelnen Bundesländer, bleibt Bremen wie in den zwei Jahren zuvor Spitzenreiter, auch wenn kein Zuwachs bei der Internetnutzung der Hanseaten gemessen wurde: 80,2 Prozent der Bremer surfen im Netz. Es folgt Berlin (79,3 Prozent), das mit einer überdurchschnittlichen Zuwachsrate von 4,1 Prozentpunkten Baden-Württemberg (78,0 Prozent) auf Platz drei verweisen konnte. Die Top 5 werden von Hessen (77,1 Prozent) sowie Niedersachsen und Hamburg (beide 76,5 Prozent) komplettiert, womit auch in diesem Jahr alle Stadtstaaten bei der Internetnutzung zur Spitzengruppe zählen. Bis Platz acht (Rheinland-Pfalz) liegt die Internetnutzung über oder gleich mit dem Bundesdurchschnitt von 74,7 Prozent, danach beginnt die Gruppe der Bundesländer, die noch deutlichen Nachholbedarf bei der Partizipation am Internet haben.
Schere zwischen den Bildungsgruppen schließt sich weiter
Auch 2011 kann die Bevölkerungsgruppe mit formal einfacher Bildung den höchsten Zuwachs bei der Internetnutzung vorweisen. Erstmals liegt so durch ein Wachstum von 4,9 Prozentpunkten der Online-Anteil bei den Befragten mit Volksschulabschluss ohne Lehre über der 50-Prozent-Marke (51,4 Prozent). Mit 4,4 Prozent ist auch die Zahl der Nutzungsplaner größer als in allen anderen Bildungsgruppen, was darauf schließen lässt, dass auch im kommenden Jahr in dieser Gruppe ein überdurchschnittliches Wachstum verzeichnet werden kann. Diese positive Entwicklung soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Abstand zu den weiteren Gruppen noch immer sehr deutlich ist. So ist die Gruppe mit einem weiterbildenden Schulabschluss zu 78,8 Prozent online und die Gruppen mit Abitur oder Studium sind schon über bzw. an der 90-Prozent-Marke angelangt. Die Gruppe der Schüler ist noch immer deutlicher Spitzenreiter (97,7 Prozent Onliner-Anteil), doch ist an der geringen Wachstumsrate von 0,2 Prozentpunkten bereits ein Sättigungsgrad erkennbar.
"Der Einfluss der digitalen Medien auf die ökonomische Entwicklung ist inzwischen so groß, dass es heute kaum noch einen Beruf gibt, der ohne fundierte Medienkompetenz auskommt", sagt Barbara Schwarze, Präsidiumsmitglied der Initiative D21. "Es ist erfreulich, dass gerade die heutige Schülergeneration beinahe vollständig das Internet nutzt. Doch schaffen wir es in Deutschland bisher nicht, in den Schulen eine digitale Kompetenz zu vermitteln, die für junge Menschen unabhängig von der sozialen Herkunft gleiche Chancen schafft. Gleichzeitig müssen wir uns vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auch darüber Gedanken machen, wie wir diejenigen an den aktuellen Arbeitsmarkt heranführen, die bisher mit Computer oder Internet kaum Erfahrungen gemacht haben."
Frauen und Ältere holen auf
Mit 11,8 Prozentpunkten war der Abstand bei der Internetnutzung zwischen den Geschlechtern noch nie so gering wie in diesem Jahr. Im Vergleich zum Vorjahr gehen 4,1 Prozentpunkte mehr Frauen online und liegen jetzt bei einer Nutzungsquote von 68,9 Prozent. Männer nutzen zu 80,7 Prozent das Internet. Das sind lediglich 1,2 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr.
Auch bei der Generation 50plus geht es bergauf: Mit einem Wachstum von 2,9 Prozentpunkten überschreitet sie erstmals deutlich die 50-Prozent-Marke und liegt jetzt bei einem Online-Anteil von 52,5 Prozent. Diese Steigerung ist hauptsächlich auf die Altersgruppe der 50- bis 69-Jährigen zurückzuführen. Die Gruppe ab 70 Jahren ist mit deutlichem Abstand am wenigsten internetaffin. Das unterdurchschnittliche Wachstum von 1,3 Prozentpunkten führt dazu, dass noch immer nicht einmal ein Viertel (24,6 Prozent) dieser Altersgruppe das Internet nutzt. In der Gruppe der 14- bis 29-Jährigen gibt es den "Offliner" kaum noch, da hier inzwischen 97,3 Prozent online sind. Ähnlich sieht es bei den 30- bis 49-Jährigen aus, die in diesem Jahr nur noch knapp unter der 90-Prozent-Marke (genau 89,7 Prozent) liegen.
Je höher das Einkommen, desto höher die Internetnutzung
Die Diskrepanz zwischen Gut- und Geringverdienern ist bei der Internetnutzung noch immer gravierend. Aktuell nutzen nur 53,0 Prozent der Haushalte mit einem Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro das Internet. Im Vergleich dazu ist die Einkommensschicht zwischen 2.000 und 3.000 Euro zu 83,1 Prozent online und der Teil der Bevölkerung mit über 3.000 Euro Einkommen sogar zu 92,3 Prozent.
Letztlich untersuchte der (N)Onliner Atlas auch die technische Infrastruktur der Onliner. Auch wenn der Kabelzugang mit 1,4 Prozentpunkten in diesem Jahr das größte Wachstum aller Zugangsarten aufweisen kann und jetzt bei einem Anteil von 5,9 Prozent liegt, bleibt DSL mit großem Abstand die meistgenutzte Internetzugangsart (43,2 Prozent). Im Vergleich zu den Vorjahren fällt das Wachstum von DSL allerdings mit 0,4 Prozentpunkten sehr verhalten aus. Antreiber im Breitbandbereich ist neben dem Kabel der Mobilfunkzugang: 2,9 Prozent der Bevölkerung nutzen inzwischen diesen Kanal als Hauptzugangsart. Nach wie vor erfreut sich allerdings auch Schmalband einer großen Beliebtheit: 15,9 Prozent der Bevölkerung gehen weiterhin mit Analogmodem oder ISDN-Anschluss ins Internet. Seit 2009 ist dieser Anteil nur geringfügig zurückgegangen.
Der (N)Onliner Atlas 2011 ist die elfte Ausgabe der jährlichen Studie, für die TNS Infratest im Auftrag von D21 über 30.000 Interviews führte.

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