Die Verlage verklagen die Falschen

Die Klagen und Beschwerden der Verlage treffen die Falschen. Nicht öffentlich-rechtliche Sender und Google bedrohen im Digitalen das Verlagsgeschäft, sondern profilierte Autoren. Die benötigen im Web keinen Verlag mehr. Wenn jetzt noch ein passender Aggregator für die nötige Werbevermarktung und Reichweite - eventuell sogar international - sorgt, haben die etablierten Verlage mit ihrer derzeitigen Haltung im Internet keine Zukunft.

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Die Klagen und Beschwerden der Verlage treffen die Falschen. Nicht öffentlich-rechtliche Sender und Google bedrohen im Digitalen das Verlagsgeschäft, sondern profilierte Autoren. Die benötigen im Web keinen Verlag mehr. Wenn jetzt noch ein passender Aggregator für die nötige Werbevermarktung und Reichweite – eventuell sogar international – sorgt, haben die etablierten Verlage mit ihrer derzeitigen Haltung im Internet keine Zukunft.

Die Klagen und Beschwerden der Verlage treffen die Falschen. Nicht öffentlich-rechtliche Sender und Google bedrohen im Digitalen das Verlagsgeschäft, sondern profilierte Autoren. Die benötigen im Web keinen Verlag mehr. Wenn jetzt noch ein passender Aggregator für die nötige Werbevermarktung und Reichweite – eventuell sogar international – sorgt, haben die etablierten Verlage mit ihrer derzeitigen Haltung im Internet keine Zukunft.

Schon blöd, wenn man seine Wettbewerber nicht kennt. Die Klage der Verlage gegen die Tagesschau-App hat den falschen Adressaten. Gleiches gilt für Beschwerden bei der EU gegen Google. Auch mit Apps öffentlich-rechtlicher Sender verkaufen die Verlage nicht einen Banner weniger. Bei Google hat noch kein Angestellter eine Reportage oder eine Nachricht verfasst. Echter Wettbewerb erwächst den Verlagen durch Blogger. Der Begriff trifft leider nicht ganz, was ich meine. Doch der Einfachheit halber nutze ich ihn, um Journalisten, Kommunikations-Experten und Menschen, die sich bei einem Thema extrem gut auskennen, zu beschreiben. All diese Menschen veröffentlichen ihr Wissen und ihre Meinung mit einfachen Blogger-Werkzeugen.

Waren noch vor wenigen Dekaden kapitalintensive Druckereien und ein Presse-Vertrieb die Einstiegshürden für Massenpublikationen, sind es heute ein Webspace sowie eine Open Source Software für eine Hand voll Euros. Mit dem stetig wachsenden Publikum im Digitalen, ziehen diese Blogger Aufmerksamkeit von Verlagsangeboten ab. Zwar nutzt eine starke, etablierte Printmarke als Startkapital im Web, doch sie ist kein Garant für langfristigen Erfolg. Wenn die Frage zur Orchideen-Pflege bei einer Google-Suche auf ein Blog und nicht zu einem Verlagstitel führt, dann ist klar, wo beim nächsten Mal die Antwort gesucht wird. Dass nur fünf Prozent der Google-Suchtreffer aus Verlagen stammen, hat bestimmt nichts mit Manipulation seitens Google zu tun. Blogs liefern die relevanteren Antworten. Sie sind näher am Leben der Menschen und kennen die sich ergebenden Fragen zum Thema. Ausserdem beschäftigt sich ein Orchideen-, iPhone- oder Segel-Blogger intensiver mit der Materie, als es eine personell ausgedünnte Redaktion jemals könnte.

Das Zeitalter der Autoren

Würde sich nun der Politik-Experte der Welt, der Auto-Spezialist des stern und der iPhone-Guru der Computer-Bild mit einem Blog selbstständig machen, würden sie über kurz oder lang ihre Leserschaft finden, ganz ohne Verlag. Ich weiss wo von ich schreibe, denn ich blogge als gelernter Wirtschaftsjournalist seit vier Jahren über das iPhone und neuerdings auch über Android und andere Gadgets. Die Leserschaft findet sich, wenn die Artikel Relevanz haben, gleiches gilt für die Werbeeinnahmen. Ohne Akquise kamen Bannerbuchungen aus Deutschland, Frankreich und China. Nur der Umfang der Einnahmen ist bislang ein Problem der Blogger. Meine Webseiten erzielen nur knapp ein Drittel meiner Einnahmen als freiberuflicher Autor. Das sieht in den USA bereits anders aus. Allein die Kaufsummen im Millionenbereich von Seiten wie Techcrunch oder der Huffington Post durch AOL sprechen eine deutliche Sprache. Inhalte sind wichtiger Treibstoff im Web.

Aggregatoren gesucht

Solche Übernahmen werden wir hierzulande wohl kaum sehen. Dafür tut sich einiges auf dem Werbemarkt. Den Werbetreibenden ist es egal, ob sie ihr Publikum auf einer Verlagsseite oder in einem Blog erreichen. Ich bin kürzlich einem vertikalen Werbenetzwerk beigetreten, die themenverwandte Seiten bündeln und durch AGOF und IVW-Mitgliedschaft (Auflagen-TÜV) den Werbekunden Buchungsrelevanz vermitteln.

Würde eine Aggregator nun auch die Inhalte der Blogger sinnvoll bündeln, hätten sie schnell die Relevanz grosser Medienangebote. Eigentlich eine perfekte Aufgabe für die deutschen Verlage, doch eine Realisierung bezweifle ich. Die Verleger sitzen auf einem zu hohen Ross. Sie sehen sich als die Herren der Deutungs- und Distributionshoheit sämtlicher Inhalte. Dass sie die digitale Welt noch nicht verstanden haben, belegen gerade die von Doppelmoral geprägte Debatte um Leistungsschutzrechte sowie die Klagen gegen Google und den öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Natürlich müssen ARD und ZDF Informationen digital verbreiten können – auch in Form von Apps.

Kostenpflichtige Zeitungs-Apps funktionieren nicht

Die Verlage sind gegen kostenlose Tagesschau- oder heute-Apps, weil sie ihre verkaufen wollen. Ein weiterer Irrglaube. Es werden nur wenige Menschen bereit sein, für Bild-, stern- Welt- und Bunte-Apps zu zahlen. Es wird immer einen Zweiten geben, der die Informationen kostenlos anbietet, mal abgesehen von Nachrichtenagenturen. Insbesondere weil die meisten Absender der Informationen an einer breiten Streuung interessiert sind. Nur für exklusive oder extrem nutzwertige Fachinformationen wird ein Konsument den Geldbeutel öffnen. Derartige Apps lassen sich an zwei Händen abzählen.

App-Store für Artikel
Spinnen wir mal ein wenig: Google ändert plötzlich seine Strategie und agiert als Aggregator für professionelle Bloginhalte. Die Werbeeinnahmen teilt Google mit den Autoren. So ein News-Portal wäre natürlich gleich international. Die Übersetzungstools von Google sind bestimmt bald so weit, dass ein deutschsprachiger Beitrag zur Blumenzucht oder zum Atomausstieg in vierzehn Ländern veröffentlicht werden kann. Entsprechend hoch wäre am Monatsende die Abrechnung für den Autor. Technisch und finanziell wäre ein App-Store für Artikel ein Klacks für Google, Apple oder ein börsennotiertes Facebook.

Was für die deutenden Verlage bleibt: Sie sollten ihr Printgeschäft noch so lange fortführen wie es eben geht, im Digitalen haben sie mit ihrer derzeitigen Haltung kaum eine Chance. Die Geldgeber sollten sich schon mal nach Alternativen umschauen.

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