Assanges Buch-Deal droht zu platzen

Laut einem Bericht des britischen Guardian ist der rund eine Million Pfund schwere Buchdeal über die Autobiographie des Wikileaks-Chefs Julian Assange in seiner ursprünglichen Form geplatzt. Assange hatte den vertrag mit dem englischen Verlag Canongate und dem US Verlag Alfred A. Knopf geschlossen, das Buch sollte im Dezember erscheinen. Nun fürchtet Assange aber offenbar, dass seine Enthüllungen den US-Anklagebehörden neuen Stoff gegen ihn liefern könnten und hat einen Rückzieher gemacht.

Anzeige

Die beiden Verlage, die den Deal mit Assange geschlossen haben, haben die Buchrechte für die Autobiographie des illustren Wikileaks-Chefs bereits in 35 Länder verkauft. Der Guardian schreibt mit Verweis auf Quellen in der Verlagsindustrie, dass der Buchdeal in seiner ursprünglichen Form keinen Bestand mehr hat. Weder Assange noch die beteiligten Verlage wollten das kommentieren. Eine Sprecherin von Canongate sagte lediglich, dass der Buchvertrag mit Assange immer noch sehr lebendig sei. Man wolle das Buch aber vor der Fertigstellung nicht weiter diskutieren.

Nächste Woche hat Assange eine Anhörung vor einem Londoner Gericht. Dann wird darüber entschieden, ob Assange wegen den Vorwürfen von Vergewaltigung und sexueller Nötigung nach Schweden ausgeliefert wird. Assange bestreitet die Vorwürfe und behauptet, sie seien Bestandteil einer Kampagne gegen ihn und Wikileaks. In den USA gibt es Bestrebungen, Assange wegen terroristischer Aktivitäten anzuklagen. Über seine Enthüllungs-Plattform Wikileaks hatte Assange tausende Geheimdokumente zu den US-Militär-Einsätzen in Afghanistan und im Irak veröffentlicht. Außerdem hat Wikileaks tausende geheimer Botschafts-Depeschen von US-Botschaften weltweit öffentlich gemacht und die USA damit bis auf die Knochen blamiert.

Assange fürchtet nun offenbar, dass sein Buch den US-Anklagebehörden neues Futter liefern könnte. Derzeit hält er sich in London auf, steht aber wegen des laufenden Auslieferungsverfahrens nach Schweden unter Hausarrest. Assange benötigt das Honorar seines Buchdeals auch, um die Anwaltskosten seiner Verfahren begleichen zu können. Wie es mit dem Buch weitergeht ist unklar. Der Verlag könnte versuchen, ihn umzustimmen, es könnte eine “entschärfte” Variante veröffentlicht werden (für die möglicherweise weniger Honorar gezahlt wird) oder der Verlag könnte bereits brisantes Material haben, das auch ohne die Einwilligung von Assange veröffentlicht werden kann. Diesmal ist Julian Assange nicht der Enthüller, sondern jemand, der seine Geheimnisse offenbar gerne schützen würde.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige