Phone-Hacking-Skandal weitet sich aus

Bislang waren es meist Stars und Politiker, deren Handy-Mailboxen von Privatdetektiven im Auftrag der News of the World angezapft wurden, um "exklusiven" Klatsch zu erfahren. Die rechtswidrige Episode des Boulevardjournalismus hat nun ein neues Tief erreicht: Die Mailbox einer vermissten 13-Jährigen wurde nicht nur abgehört, Nachrichten wurden sogar gelöscht, um Platz für neue zu schaffen. Der Eingriff in die Polizeiarbeit könnte Murdochs Pläne einer BSkyB-Übernahme gefährden.

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Bislang waren es meist Stars und Politiker, deren Handy-Mailboxen von Privatdetektiven im Auftrag der News of the World angezapft wurden, um "exklusiven" Klatsch zu erfahren. Die rechtswidrige Episode des Boulevardjournalismus hat nun ein neues Tief erreicht: Die Mailbox einer vermissten 13-Jährigen wurde nicht nur abgehört, Nachrichten wurden sogar gelöscht, um Platz für neue zu schaffen. Der Eingriff in die Polizeiarbeit könnte Murdochs Pläne einer BSkyB-Übernahme gefährden.

Der damaligen Chefredakteurin des Blattes, Rebekah Brooks, könnte das nun zum Verhängnis werden. Das 13 Jahre alte Schulmädchen Milly Dowler kam im März 2002 nicht von der Schule nach Hause. Der Fall und die Ermittlungen der Polizei in Surrey, einer idyllischen Gemeinde südlich von London, wurde landesweit interessiert mitverfolgt.

Für die Boulevardpresse war der Herzschmerz ein dankbares Thema, allen voran für die Sonntagsausgabe der Sun, der News of the World. Der News-International-Titel hatte zwei Jahre zuvor die Herzen der Eltern erobert, als sich das Blatt für Gesetzesverschärfung in Bezug auf Kindesmissbrauch einsetzte. Die damalige Chefredakteurin Rebekah Brooks, die seit 2009 Chefin von Murdochs News International in Großbritannien ist, setzte nun alles auf den Fall Milly.

Aber im Gegensatz zu der lobenswerten Kampagne zuvor, verhielt sich Brooks’ Redaktion dieses Mal unmoralisch. So wurde der inzwischen berühmt berüchtigte Privatdetektiv Glen Mulclaire darauf angesetzt, die Handy-Mailbox von Milly anzuzapfen, um Hinweise für weitere Stories zu finden. Er ging sogar noch einen Schritt weiter: Als die Mailbox voll war, löschte er kurzerhand Nachrichten, um Platz für neue zu schaffen. Damit wurde den Eltern falsche Hoffnung gegeben, dass ihre Tochter noch am Leben war.

Die Morallosigkeit der News of the World kannte keine Grenzen mehr, und so versuchte man auch gar nicht, das kriminelle Benehmen zu verschleiern. Im Gegenteil: Eine der Mailbox-Nachrichten war von einer Arbeitsvermittlungsfirma. Es sah so aus, als hätte Milly sich einige Woche nach ihrem Verschwinden für einen Job beworben. Die Zeitung gab diese Nachricht an die Polizei in Surrey weiter. Wie sich herausstellte, hat die Firma einen falsche Nummer gewählt – die Nachricht war nicht für Milly, denn das Mädchen war gar nicht mehr am Leben. Die Beamten waren zu sehr mit dem Fall an sich beschäftigt, als sich nun auch noch mit zwielichtigen Klatschreportern zu befassen.

Kindesmissbrauch blieb weiter ein auflagenfreundliches Thema für Brooks und ihre reizende Bande. Wenige Monate nach Milly wurden zwei zehn Jahre alte Schulmädchen in Soham ermordet aufgefunden. Die News of the World war auch wieder mit den alten Tricks dabei und zapfte die Telefone der Eltern an, so erklärte der Labour-Abgeordnete Tom Watson dem britischen Unterhaus letzte Woche.

Bei der Schuldsprechung des Mörders von Milly, Levi Bellfield, im Juni wurde das Benehmen aller Boulevardblätter angeprangert. Bellfield wurde neben dem Mord auch versuchte Entführung eines weiteren Mädchens, Rachel Cowles, vorgeworfen. Dieser Fall musste aber vom Gericht ignoriert werden, denn verfrühte Aufmerksamkeit in den Red Tops hätte ein objektives Urteil seitens der Jury unmöglich gemacht.

Für Rebekah Brooks, den rothaarigen Darling von Rupert Murdoch, wird es immer schwieriger, Mitwissen abzustreiten. News International betont, dass sie mit der Polizei eng zusammen arbeiten, um den Skandal aufzudecken, allerdings hat die 43-Jährige sich bislang nicht geäußert.

Wie lange Murdoch noch die schützende Hand über seinen Zögling halten kann, ist fraglich, denn der Fall bedroht die geplante Übernahme des Bezahlsenders BSkyB. Inzwischen hat Murdoch die Zustimmung des Kulturministers bekommen, trotz heftiger Kritik, dass News International einen zu großen Teil der britischen Medien kontrollieren würde.

Neben BSkyB, zu dem der Nachrichtensender Sky News gehört, zählen auch die Times, Sunday Times und Sun zu dem Imperium des Australiers. Auch wenn die Murdoch-nahe Regierung um David Cameron seinen Segen gegeben hat, wendet sich die Volksmeinung immer heftiger gegen Murdoch und Brooks. Wenn Medienmenschen selbst zu schlechten Nachrichten werden, ist es Zeit, zu gehen.

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