‚Sie gefährden die Zukunft des Journalismus‘

“Wir sind der Journalistennachwuchs in Deutschland. Sie haben vielleicht schon einmal von uns gehört.” So beginnt eine jüngst veröffentlichte Petition eines Jungjournalisten, die innerhalb kürzester Zeit enormen Zulauf bekommen hat. Der Verfasser Daniel Stahl arbeitet selbst als Freier Reporter für den Fränkischen Tag in Bamberg. Er sieht seine Existenz von den momentanen Plänen der Zeitungsverleger bedroht. “Mit einem Billiglohn wollen Sie unsere Berufsaussichten kaputt sparen”, heißt es weiter.

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Stahl, selbst Jahrgang 1984, nimmt in seiner Petition Stellung zu den Plänen der Zeitungsverleger. So fordert der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDVZ) seit einiger Zeit massive Einschnitte in die Tarifverträge der 14.000 Zeitungsredakteure. Er verlangt Gehaltskürzungen der beschäftigten Redakteure und einen neuen Dumping-Tarifvertrag für alle Neueinstellungen mit rund 30 Prozent weniger Gehalt.

Stahl äußert in seiner Petition heftige Kritik am Vorgehen des BDVZ: “Journalismus ist schon jetzt für viele ein zunehmend unattraktiver Beruf. An den Universitäten und Journalistenschulen erfahren junge Journalisten früh, wie schlecht die Arbeitsbedingungen im Medienbereich geworden sind. Viele von uns erleben, wie Freunde sich vom Journalismus abwenden. Sie gehen lieber in die PR oder suchen sich andere Jobs mit besseren Zukunftsaussichten. Die Verlage werden schon bald Probleme bekommen, noch genug gute Bewerber zu finden. Sehr geehrte Verleger, ist Ihnen eigentlich bewusst, dass Sie in Begriff sind, mit Ihrer Honorar- und Lohnpolitik viele sehr gute Leute vom Journalismus abzubringen? Wer möchte am Ende noch für Sie arbeiten, wenn Sie nun die Löhne nochmals drastisch kürzen?”

Erst vergangene Woche war die siebte Verhandlungsrunde mit Vertretern des DJV und des BDZV erfolglos abgebrochen worden. Immerhin mit dem Versprechen, die Verhandlungen diese Woche fortzuführen.

Erstmals publik wurde die Idee für die Petition beim Fußball-Cup der deutschen Journalistenschulen am vergangenen Wochenende. “Welche bessere Gelegenheit als ein Treffen von etwa 150 Nachwuchsjournalisten könnte es geben, um einen offenen Brief an die Zeitungsverleger zu schreiben”, schreibt Stahl in seiner Begründung. Auf Facebook findet sich mittlerweile eine Gruppe zum Thema.

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