Verlage im Web bald nur noch Zulieferer?

Es wird wieder in Content investiert: Die Medienmanager glauben offenbar wieder daran, dass man mit geschriebenen Texte Geld verdienen kann. Ansonsten wären am gestrigen Donnerstag mit Glo, omg! und Wanted.de nicht drei neue Web-Magazine an einem Tag online gegangen. Das Überraschende an den Projekten ist vor allem Umstand, dass sich nicht Verlage an neuen Web-Magazinen versuchen, sondern die klassischen Netz-Einstiegsseiten von Yahoo, MSN und T-Online. Die Verlage treten bei den Neulingen nur noch teilweise als Content-Lieferanten auf.

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Es wird wieder in Content investiert: Die Medienmanager glauben offenbar wieder daran, dass man mit geschriebenen Texte Geld verdienen kann. Ansonsten wären am gestrigen Donnerstag mit Glo, omg! und Wanted.de nicht drei neue Web-Magazine an einem Tag online gegangen. Das Überraschende an den Projekten ist vor allem Umstand, dass sich nicht Verlage an neuen Web-Magazinen versuchen, sondern die klassischen Netz-Einstiegsseiten von Yahoo, MSN und T-Online. Die Verlage treten bei den Neulingen nur noch teilweise als Content-Lieferanten auf.

Seit den unzähligen – meist nur leidlich erfolgreichen – Versuchen, die eigenen Magazin-Marken ins Web zu transferieren, verfolgen die meisten Print-getriebenen Medienhäuser mit ihren Special-Interest-Angeboten keine sonderlich ehrgeizigen Pläne mehr, neue Leser im Netz zu gewinnen. Die Digital-Budgets werden längst lieber in Mobil-Angebote gesteckt, stets von der Hoffnung getrieben, dass in der gerade entstehenden App-Kultur die Zahlungsbereitschaft der Konsumenten höher ist, als im stationären Web.

Die Folge: Auf einmal scheinen die großen Online-Einstiegsportale die Rolle als Content-Plattformen zu übernehmen. Lediglich bei der Bereitstellung der Inhalte unterstützen die Verlage noch die Web-Companys. Beispielprojekt hierfür ist Top.de. Für das Projekt schmeißen United Internet und Springers Bild ihre Netz-Kräfte zusammen. So liefert Bild digital die Promi-News und 1&1 steuert über seine Klick-Giganten Web.de und Gmx.de die Besucher bei. Das Resultat ist eine Traffik-Erfolgsgeschichte. Mit 690.000 Unique Visitors ist Top.de mittlerweile die Nummer vier unter den deutschen Web-People-Portalen.

Das neue Yahoo-Angebot omg!
Von den drei frischgestarteten Neulingen wird höchstens omg! eine ähnliche Erfolgsgeschichte hinlegen können. Denn thematisch liegt das Yahoo-Angebot als reinrassiges Klatsch- und Tratsch-Portal am nächsten an Top.de. Im Angebot sind Blogs, Videos, Foto-Galerien und eine höchst skurrile Nutzerführung. Neben den selbst geschriebenen Texten hat omg! auch Inhalte von "Premium-Partnern" wie Bunte, Cosmopolitan, Joy und Celebrity.de im Angebot.

Das neue MSN-Frauenmagazin Glo

Auch Glo verwirrt die Leser mit einer eigenwilligen Navigation. Die Inhalte des Online-Frauenmagazins werden von einer dreiköpfigen Mini-Redaktion aus der Burda Style Group produziert. Content-Zweitverwertung soll es bei diesem Projekt aber keine geben.

Bei Wanted.de dagegen sticht die erste Inthalte-Zweitverwertung gleich ins Auge des Surfers. Denn gleich auf der Startseite zeigt das neue Männer-Portal von T-Online eine kleine erotische Fotostrecke, die eins zu eins direkt aus dem aktuellen Playboy entnommen wurde. Die Bilder stellte das Männermagazin allen anderen Redaktion zum kostenlosen Abdruck zur Verfügung, solange nur die Quelle genannt wird. Auch ansonsten setzt das Projekt auf die Themen, die jedes Männermagazin für besonders männlich hält: Grillen, Autos, Uhren. Klingt uninspiriert, sieht optisch allerdings ganz gelungen aus. Woher die geschriebenen Inhalte kommen ist bei Wanted.de nicht ganz klar. In der Pressemitteilung ist nur schwammig von einer "Redaktion" die Rede.

Wanted.de: Männer-Magazin von T-Online

Besonders Interessant bei Wanted ist der Umstand, dass es in einen kaum existenten Markt eintritt. Im deutschen Internet fehlt es noch immer an einer echten Internet-Entsprechung zu den klassischen Männermagazinen, die den Look und Feel der Hefte einigermaßen erfolgreich ins Netz transportiert. GQ.de kommt beispielsweise lediglich auf 927.922 Visits.

Genauso wie bei omg! und bei Glo ist auch bei Wanted.de die Nutzerführung gewöhnungsbedürftig. Statt nach unten, wird diesmal nach rechts gescrollt. Das ist zum einen Ausdruck eines gewissen Spieltriebes, ist aber wohl auch dem Umstand geschuldet, dass die Startseite jeweils nicht so wichtig ist. Alle drei Portale sind bestens suchmaschinenoptimiert. Denn noch immer ist ein einigermaßen seriöser Content eines der besten Argumente, um von Google möglichst viel Traffic abgreifen zu können.

Durch die Hintertür Google-News werden die neuen Angebote direkte Konkurrenten zu den bereits eingeführten Verlagsangeboten. So kann es bald sein, dass Redakteure und Redaktionen eines klassischen Verlages nebenbei auch für einen der Neulinge Inhalte liefern und der Web-Frischling schon bald erfolgreicher ist, als das eigentliche Kernangebot der Autoren.

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