Stoiber wird Chef von ProSiebenSat.1-Beirat

ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling hat bei der Hauptversammlung des TV-Konzerns die Gründung eines Beirats angekündigt, der das Unternehmen in gesellschaftlichen und medienpolitischen Fragen beraten soll. Den Vorsitz des Beirats übernimmt der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber. Ebeling kündigte an, dass die Gruppe 2011 erneut einen Ergebnisrekord erzielen wird. Gleichzeitig kritisierte er die “aggressive” Expansion der öffentlich-rechtlichen Sender.

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Die öffentlich-rechtlichen Sender in Deutschland hätten "mit einem Gebührenaufkommen von über acht Milliarden Euro mehr Geld zur Verfügung, als der Umsatz aller privaten deutschen TV- und Radiostationen zusammen", so Ebeling. (Anmerkung: Laut ARD-Angaben betrug das Gebührenaufkommen für ARD, ZDF und Deutschlandradio im Jahr 2010 ca. 7,54 Mrd. Euro). Er kritisierte beispielsweise den teuren Erwerb der Champions-League-Rechte durchs das ZDF, die Gründung des “Unterhaltungskanals” ZDFneo und prangerte an, dass öffentlich-rechtliche Sender mit “aggressiven Angeboten” nach Hollywood gingen und marktübliche Preise überbieten würden. Ebeling: “Dieser asymmetrische Wettbewerb im Kerngeschäft muss aufhören.” Das Verhalten der öffentlich-rechtlichen Sender sei nicht nur für TV-Anbieter ein Thema, sagte er noch und spielte damit auf die Klage deutscher Verlage gegen die Tagesschau-App der ARD an.

Das eigene Haus sieht Ebeling gleichwohl gut bestellt. Mit einer Vier-Säulen-Strategie will er Wachstum im deutschen TV, im internationalen TV-Geschäft, in neuen Medien und im Produktionsgeschäft schaffen. Für das deutsche TV-Geschäft kündigte er an, mindestens so stark wie der Gesamtmarkt wachsen zu wollen, in allen anderen Segmenten rechnet er sogar mit zweistelligem Wachstum. Insgesamt werde 2011 nach 2010 erneut ein Rekordjahr für die Gruppe.

Der Süddeutschen Zeitung sagte er im Vorfeld der Hauptversammlung zudem, dass ProSiebenSat.1 den Start eines neuen TV-Kanals für “männliche Entscheider” vorbereite. Zielgruppe seien “Best Ager” im Alter zwischen 45 und 65 Jahren, “Leute, die mit ProSieben groß geworden sind, denen aber manche Formate heute einfach zu jung sind.” Das Projekt leitet Katja Hofem-Best, die für den Konzern bereits den Frauenkanal Sixx an den Start gebracht hat und auch schon den Jungmänner-Kanal DMAX mit aus der Taufe hob. Sixx wird künftig erstmals auch im Kabelnetz von Kabel Deutschland zu empfangen sein. Ebeling kündigte auf der Hauptversammlung einen umfassenden Verbreitungs-Vertrag mit dem hiesigen Kabelriesen an. Neben den Free-TV-Sendern liefert ProSiebenSat.1 dann auch Video-on-Demand Inhalte und Pay-Sender an Kabel Deutschland.

Einen Zukauf von weiteren Kanälen schloss Ebeling ebenfalls nicht aus. Er lobte die Entwicklungsperspektiven von nordeuropäischen TV-Sendern. In Skandinavien ist ProSiebenSat.1 bereits mit SBS Broadcasting aktiv. Diese Sender bilden laut Ebeling einen wichtigen strategischen Bestandteil der Gruppe, da sie sich neben Werbung auch über Verbreitungsgebühren finanzieren. Laut Ebeling sei das ein Modell, das auch bei anderen Sendern des Konzerns verstärkt angewendet werden wird. Sprich: Man will unabhängiger werden von der Werbung.

Auch außerhalb Europas schaue er sich nach Kauf-Gelegenheiten um. In Arabien oder Asien seien auch Zukäufe möglich. Ebeling, der gerade die Hälfte seines Fünf-Jahres-Vertrages hinter sich hat, ist hier nicht nur als Einkäufer, sondern auch als oberster Verkäufer seiner Dienstherren unterwegs. Die Finanzinvestoren Permira und KKR wollen mittel- bis langfristig aus ProSiebenSat.1 aussteigen. Um dabei einen guten Preis zu erzielen, braucht die Sendergruppe eine attraktive Wachstumsstory. Bei seiner Ansprache auf der Hauptversammlung hat Ebeling alles getan, um rosige Wachstums-Aussichten allüberall zu beschwören. Nun bleibt abzuwarten, wie die Märkte darauf reagieren.

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