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Google+ im ersten Anwender-Test

Wer momentan im Social Web mitreden will, der war in den vergangenen zwei Tagen um einen Invite für Google+ bemüht. Und oft war das Urteil schnell gefällt: Google+ hat keine Chance gegen Facebook. Unser Autor Felix Disselhoff hatte die Möglichkeit, das Netzwerk ausgiebig zu testen und bei Googles Niederlassung in Hamburg einmal in voller Aktion zu erleben. Erstes Fazit: Es macht Spaß, ist wunderbar aufgeräumt und wartet mit einigen Features auf, die wirklichen Mehrwert bringen. Ein erster Erfahrungsbericht.

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Wer momentan im Social Web mitreden will, der war in den vergangenen zwei Tagen um einen Invite für Google+ bemüht. Und oft war das Urteil schnell gefällt: Google+ hat keine Chance gegen Facebook. Ich hatte die Möglichkeit, das Netzwerk ausgiebig zu testen und bei Googles Niederlassung in Hamburg einmal in voller Aktion zu erleben. Erstes Fazit: Es macht Spaß, ist wunderbar aufgeräumt und wartet mit einigen Features auf, die wirklichen Mehrwert bringen. Ein erster Erfahrungsbericht.

“Och ne, noch n Social Network? Ich bin doch schon bei Facebook!” Dieser Satz dürfte wohl momentan jedem auf den Lippen liegen, der schon einmal von Googles neuen Netzwerk gehört hat. Während wir uns an Facebook gewöhnt haben, all unsere Freunde auch angekommen sind und wir es in den vergangenen zwei Jahren gelernt haben, zu liken, zu posten und zu sharen, dürfte sich jetzt viele User die Frage stellen: Warum zum Teufel soll ich mich bei Google+ anmelden? Die kurze Antwort: Weil es sehr vieles besser macht. Aber der Reihe nach.

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Auf den ersten Blick dürfte dem Google+-Neuling recht viel bekannt vorkommen. Die Startseite erinnert an die von Facebook. In einem Stream laufen Updates meiner Kontakte ein. Ich kann Statusmeldungen mit Videos und Bildern versehen. Ich kann mit anderen Personen chatten und bekomme neue Kontakte vorgeschlagen. “No big deal” also. Bis hierhin könnte man sagen, dass es sich um einen Facebook-Klon handelt. Aber schnell merkt man, dass es Google dieses Mal ernst meint mit dem Social Web.

Die Circles: mehr Fokus auf meine Interessen
Das beginngt schon dann, wenn man auf neue Kontakte trifft. Die organsiert Google+ nämlich in sogenannten “Circles”. Ein “Circle” ist ein Filter bzw. Tag, mit dem ich einen Kontakt versehe, beispielsweise “Arbeitskollegen” oder “Kegelverein” oder “Freunde”. Was sich nach einer Freundesliste anhört, ist aber mehr. Diese Circles ermöglichen es mir, meinen Stream zu filtern. Das ist nicht lahm, sondern mehr als brauchbar in Zeiten, in denen bei Facebook IT-Firmen, Schauspielhäuser und Nachrichtenredaktionen gleichbedeutend neben den Statements meiner Freunde auftauchen.

Google ermöglicht es mir, mich schon vorab zu fokussieren, was und wann ich etwas von anderen Personen wissen will. Auswählen lassen sich die "Circles" dann auf der Hauptseite.

Das Kontaktmanagement: sozialer als bei Facebook
Der zweite Grund, warum Google+ kein Facebook-Klon ist, ist die Art, wie User zueinanderfinden und untereinander agieren. Wer bei Facebook mit jemand befreundet sein will, schickt eine Freundschaftsanfrage. Nehme ich an, entsteht ein neue Verbindung im Social Graph, lehne ich ab, kommt sie nicht zustande. Bei Google+ kann jeder User jedem anderen User “followen” bzw. ihn in einen seiner "Circles" aufnehmen. Damit funktioniert das Kontaktmanagement ähnlich wie bei Twitter. Natürlich besteht auch die Möglichkeit, User zu blocken. Aber warum sollte ich das tun?

Ein paar Stunden bei Google+ haben mir in die Erinnerung gerufen, was ein Social Network eigentlich sein sollte. Es sollte neue Verbindung herstellen – und nicht real existierende kopieren. Viele dürften das kennen: Bei Facebook addet man meist nur Kontakte, die man auch tatsächlich kennt. Und kaum User, die man kennenlernen möchte. Das macht Google+ auf gewisse Weise sozialer.

Hangout: macht verdammt viel Spaß
Was wohl die Entwickler bei Facebook neidisch machen dürfte, ist die sogenannte "Hangout"-Funktion bei Google+. Einen “Hangout” kann jeder starten. Es ist eigentlich nichts anderes als ein Videochat mit seinen Kontakten aus dem Google+-Netzwerk. Das ist aber wiederum so nahtlos umgesetzt, dass man solch eine Funktion bei Facebook plötzlich vermisst. Bis zu zehn Personen können pro Sitzung teilnehmen. Per Mouseover werden die einzelnen Teilnehmer im Großformat angezeigt. Zeigt ein User beispielsweise ein YouTube-Video, werden alle anderen auf “stumm” gestellt und können mittels Push-Button Statements einwerfen. Erinnert ein wenig an Walkie-Talkie-Dialoge aus der Kindheit, macht aber in diesem Fall durch aus Sinn. Sprach- und Bildqualität sind im Wlan einwandfrei.

Sparks: Gesprächsstoff für das Social Web
Eine weitere Neuerung, die des ausgiebigen Testens bedarf, ist “Sparks” – eine Art Themen-RSS oder Google-News-Blogsuche-Hybrid. In Sparks kann ich Themen eintragen, die mich interessieren, beispielsweise “Theater” oder aber auch gern “Der kategorische Imperativ im Lichte der Ästhetik Adornos”. “Sparks” begibt sich dann im Web auf die Suche und versorgt mich mit Neuigkeiten. Die Idee dahinter ist klar: Google will, dass die Leute über etwas diskutieren, der Konzern möchte verstehen, was den Usern gefällt und was nicht. Bislang war dieses Wissen vor allem Facebook vorbehalten. Mit “Sparks” übergeht Google Facebook-Elemente wie Fanpages oder Gruppen. Als User werde ich schlicht mit den Themen versorgt, die mich interessieren – ohne menschliche Komponente.

Der Look: aufgeräumt und durchdacht
Womit ich beim letzten Punkt dieses ersten Erfahrungsbericht angekommen wäre: die puristische Anmutung von Google+. Hat man noch nicht viele Freunde in seinen "Circles", sieht das neue Netzwerk ziemlich verlassen aus. Aber es sind die vielen kleinen grafischen Spielereien, die Google+ zumindest zu Beginn zu einem Hingucker machen. Schnell merkt man, dass auch Apple-Designer am Look der Seite mitgearbeitet haben. Bilder in Fotoalben werden größtmöglich abgebildet – ohne Beschränkung auf eine vorgefasste Bildgröße. In der Albenübersicht genügt ein Mouseoverm, und Bilder klappen aus dem Album heraus – ähnlich wie bei Apples iPhoto. Und auch wenn man Kontakte aus seinen "Circles" wirft, fühlt man sich schnell an das Dock in Apples Betriebssystem Mac OS X erinnert, wenn die kleinen Bilder im digitalen Nichts verpuffen.

Noch ist Google+ nicht öffentlich für alle zugänglich. Das Unternehmen feilt noch hier und da an der Technik. Ob beim Launch dann der virtuelle Exodus aus Facebook beginnt, lässt sich wohl kaum vorhersagen. Die Masse ist da, wo die Masse ist. So war es bei MySpace, so war es bei StudiVZ. Aber schon jetzt macht Google+ den Eindruck, als könnt es was ziemlich Großes werden.

Wer gerne einen Invite hätte, schickt einfach eine DM an @fdisselhoff

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