omg! – der bonbonbunte Content-Eimer

Neben Microsofts Online-Frauenmagazin Glo und dem Telekom-Männermagazin Wanted startet auch Yahoo an diesem Donnerstag mit omg! ein neues Online-Magazin in Deutschland. omg! ist ein reinrassiges Klatsch- und Tratsch-Portal mit Blogs, Videos, Foto-Galerien und skurriler Nutzerführung. Man merkt der Website an, dass sie darauf ausgelegt ist in erster Linie von Suchmaschinen gefunden zu werden. Wer omg! direkt über die Homepage besucht, kann sich schnell verlaufen.

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Die Nutzerführung und Navigation bei der deutschen Version von omg! ist nämlich alles andere als logisch oder nachvollziehbar. Das Blog "Star News" hat eine eigene Rubrik in der Top-Level-Navigationsleiste. Auf der Homepage wird ein herbei fanatisierter Beitrag über Pippa Middleton bei der Fürstenhochzeit von Monaco (Zitat: "Nichts genaues weiß man nicht.") unter der Rubrik Fashion Police gelistet, tatsächlich läuft der Text aber im Blog "Albert und Charlene". Das Blog "What the F…." ist sogar noch ganz leer – wahrscheinlich ein Problem beim Start.

Ist aber alles auch egal. omg! ist ein typischer Vertreter einer neuen Art von Inhalte-Angebot, wie es das in Deutschland beispielsweise schon mit dem Klatsch-Portal Top.de gibt. Das sind Websites, die gar nicht erst versuchen Nutzer auf der Seite zu halten. Diese Websites sind im Prinzip große Content-Eimer, in die einfach immer neue Texte, Bilder-Galerien und Videos reingekippt werden. Wichtig ist nur, dass die Texte die entsprechenden Schlüsselworte in Kombination in Überschriften und Bildunterschriften haben, damit sie von Suchmaschinen leicht gefunden werden und via Twitter und Facebook verlinkt werden. Der Name omg! steht übrigens für den englischen Ausruf "Oh my god!".

Laut der schlampig zusammenfabulierten Pressemitteilung, die Yahoo zum Start von omg! Deutschland herausgegeben hat (Textprobe: "Mit omg! TV bietet Yahoo! ein eigenes Video-Format, das mitunter auch ungewöhnliche Einblicke gewährt: Beispielsweise über ein Zoom auf Problemzonen.") hat das US-Original vom omg! 27 Mio. Nutzer. Wie die Autoren der Pressemitteilung auf die Zahl kommen, wird nicht erläutert. Laut dem US-Marktforschungsunternehmen Comscore jedenfalls hatte omg! im März 2011 23,7 Mio. Leser. Das ist weniger als von den Yahoo-Leuten angegeben aber immer noch verdammt viel und macht omg! in den USA zu dem meist gelesenen Unterhaltungs-Angebot im Netz vor TMZ (18,5 Mio Leser), People (13,5 Mio.) und BuzzMedia Entertainment (12,8 Mio.).

Der Erfolg hat Yahoo offenbar inspiriert, seinen Klatsch- und Tratsch-Gemischtwarenladen zu internationalisieren. Neben Deutschland startet omg! zeitgleich auch noch in Großbritannien, Spanien und Italien. Neben den selbst geschriebenen Texten hat omg! auch Inhalte von "Premium-Partnern" wie Bunte, Cosmopolitan, Joy und Celebrity.de in seinen bonbonbunten Content-Eimer dazu gekippt. Die Verlage sollten es sich zweimal überlegen, mit wem Sie da Partnerschaften eingehen. Suchmaschinen-optimierte Content-Schleudern wie omg! könnten ihren Medien-Marken im Netz einiges an Reichweite abspenstig machen.

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