Rosberg outet den Journalisten-Stammtisch

Nico Rosberg ist doch kein so übler Macho: Seine Aussage dass er die Frauen-WM genauso wie auch die Paralympics anschaue, war falsch und wurde begeistert von einer Vielzahl von Medien aufgegriffen. Auf seiner Homepage veröffentlichte der Formel-1-Fahrer nun eine Abschrift des Pressegespräches in dem der Satz gefallen sein soll. Aus dem Transkript geht hervor: Der Satz ist so nicht gefallen. Die Abschrift enthüllt aber noch etwas anderes: der Peinlichkeit bei Journalisten-Fragen scheint keine Grenzen gesetzt zu sein.

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Auf seiner Seite schreibt der Mercedes-Pilot, dass es am vergangenen Wochenende in Valencia "leider eine gravierende Fehlinterpretation meiner Aussagen während eines Pressegesprächs" gab. "Ich stelle hier noch einmal klar: Ich bin ein Fan von der Frauen-Nationalmannschaft und werde mitfiebern. Genauso interessiere ich mich auch für einige Events der Paralympics." Weiter schreibt Rosberg: "Damit ihr meine Gefühlslage besser nachvollziehen könnt, poste ich hier nun die Abschrift des Tonbandes dieser Presserunde."

Das Transkript:
Journalist A: Nico, kann ich einmal eine Nicht-Formel-1-Frage stellen?
Nico: Ja.
Journalist A: Die Fußball-WM beginnt am Wochenende, weißt du das?
Nico: Natürlich weiß ich das. Die Frauen-Nationalmannschaft wird doch von Mercedes-Benz gesponsert. Das stimmt doch, oder? Ich verfolge das natürlich auch. Ich werde vor dem Fernseher stehen, wenn sie im Finale sind.
Journalist A: Würdest du dich auch für Frauen interessieren, wenn sie nicht von Mercedes gesponsert werden?
Nico: Jaja.
Journalist B: Du siehst aber erst im Finale zu?
Nico: Wahrscheinlich erst im Finale, vielleicht gucke ich auch Halbfinale. Ich glaube aber erst das Finale.
Journalist A: Fragen wir einmal anders herum: würdest du eine Formel 1 akzeptieren, in der nur Frauen fahren – so quasi als Neben-Formel-1-? Was hätte das für eine Bedeutung für dich?
Nico: Nur Frauen…
Journalistin: Also eine Frauen-Formel-1?
Journalist A: Ja, eine Frauen-Formel-1, so wie es jetzt eine Frauen-Fußball-WM gibt.
Nico: Boah, was soll ich jetzt darauf antworten?
Journalist A: Das ist ja die kritische Frage, was soll ich mit Frauen-Fußball anfangen? Oder was soll ich überhaupt mit Frauen-Sport anfangen?
Journalist C: Frauen überhaupt?
Journalist: Nein, nein, nein. Aber verstehst du die Frage: was hat Frauen-Sport überhaupt für eine Berechtigung?
Die Gruppe: Boah!!!
Journalist D: Jetzt outet sich hier aber jemand.
Journalist A: Ich will doch beim Sport die denkbar beste Leistung erleben. Wenn eine Frau von der Grund-Konstitution her weniger Leistung bringen kann, interessiert mich das schon nicht. Nicht weil sie eine Frau ist, sondern weil die Leistung nicht Spitze ist…
Journalist C: Hast du einmal Männer-Kunstschwimmen gesehen?
Journalist A: Das geht ja auch vize-versa.
Journalist im Hintergrund: Ich glaube, das haben einmal zwei Schwuchteln versucht…
Nico: Aber es gibt doch auch Paralympics, die man sich auch ansieht. Das ist doch so, dass dort ein Mensch nicht die ganz große Leistung bringen kann, aber unter sich sind sie alle ähnlich und deswegen ist es trotzdem spannend.
Journalist A: Sehr guter Einwand.
Journalist im Hintergrund: Frauen sind eigentlich grundsätzlich behindert.
Journalist A: Gute Einwände kommen nur, wenn Fragen pushy waren. Ja. Jetzt schreiben wir: Rosberg findet Frauen-Fußball wie Paralympics.
(Allgemeines Gelächter)
Nico: Tja, wenn man es richtig machen würde… tja.
Journalist A: Ne, ne.
Journalist C: Nico, darf ich was Anderes fragen. Wie schwer war es für dich, die Enttäuschung in Montreal abzuhaken?

Das Transkript geht noch weiter, dreht sich aber nur noch um die Formel 1.

Aus dem Pressegespräch und weiteren Interviews im Fahrerlager machte beispielsweise der Sportinformationsdienst einen Artikel, was Formel-1-Männer von der Frauenfußball-WM halten. Das Gespräch mit dem 26-jährigen Mercedes-Fahrer fassen die Sport-Reporter so zusammen: "Und Nico Rosberg antwortete auf mehrere provokante Nachfragen, ob er sich überhaupt ein Frauenspiel anschauen könne: ‚Man schaut doch auch Paralympics – Menschen, die nicht ganz so große Leistungen bringen können, aber unter sich ist es trotzdem spannend.’" Weiter heißt es: "Damit vergriff er sich zwar erheblich in der Wortwahl, doch gerade Rosberg hat anscheinend Interesse am Frauenfußball. ‚Vielleicht schon beim Halbfinale, spätestens beim Finale werde ich vor dem Fernseher sitzen“‘ versprach der Mercedes-Pilot’".

Der defensive Ton zeigt, dass sich die SID-Autorn nicht sicher waren, wie sie mit den Zitat umgehen sollten. Denn bereits im folgenden Absatz relativierten sie, dass Rosberg auf seiner Facebook-Seite gepostet habe, dass er ab Samstag Frauen-Fußball-WM gucken werde und glaubt, dass "die Deutschen wieder Favorit sind".

"Wir haben das Zitat und den Umgang damit in der Redaktion sehr intensiv diskutiert und waren uns einig, dass Nico eigentlich etwas Positives sagen wollte, sich aber leider unglücklich ausgedrückt hat", kommentiert der SID-Chefredkateur Timon Saatmann gegenüber MEEDIA. "Deswegen haben wir den Text nicht mit Rosberg aufgemacht und auch auf eine reißerische Rosberg-Headline verzichtet. Vielmehr haben wir das Zitat erst in der Mitte der Geschichte verwendet und dabei eingeordnet, dass Rosberg dies erst auf mehrere provokante Nachfragen gesagt hat. Insofern ist unserem Redakteur hier keinerlei Vorwurf zu machen, denn aus dem Transkript geht eindeutig hervor, dass wir Herrn Rosberg richtig zitiert haben.“
Andere Medien berichteten deutlich aggressiver. So heißt es bei Eurosport unter der Autornzeile dapd / Eurosport: "Nico Rosberg leistete sich auf die Frage nach der Frauen-Fußball-WM einen verbalen Aussetzer, der klar unter die Gürtellinie ging. ‚Man schaut doch auch Paralympics – Menschen, die nicht ganz so große Leistungen bringen können, aber unter sich ist es trotzdem spannend‘, meinte der Mercedes-Pilot."
Anstatt mit dem F1-Piloten diskutierten die Journalisten während des Pressegespräches vielmehr untereinander. Das Ergebnis sind eine Vielzahl unterschiedlicher Zusammenfassungen, die auch der Kölner Express oder das Motorsport-Magazin anbieten.

Der beste Weg für Stars und Sportler künftig von derart peinlich-provokanten Fragen verschont zu werden, wird wohl sein, immer wieder Abschriften solcher Fragerunden zu veröffentlichen.

Nachtrag:
Die dapd legt wert auf die Feststellung, dass ihre Meldung über die Formel 1-Politoen und deren Verhältnis zur Frauenfußball-WM nicht das falsche Rosberg-Zitat enthielt. Das oben erwähnte Zitat stammt aus dem Teaser der Meldung. Diesen hatte der Agentur-Kunde selbst verfasst.

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