Das Bo: „Ich besitze gar keinen Fernseher“

Er ist Nachfolger von George Glueck und Jury-Partner von Sarah Connor und Till Brönner in der Vox-Casting-Show “X Factor“. Im Interview mit Christopher Lesko spricht Rapper Mirko Bogojević (Das Bo) über Ehre und Herausforderung der neuen Rolle, seinen Weg zur Musik, die Haltung zu Menschen und die Seele des Rap. Der Mann ohne Fernseher blickt auf Stationen seiner Entwicklung, auch auf Zeiten seiner Angst, nichts zu bedeuten: "Ich war niemand, hatte wenig und wollte nicht einmal nach vorn."

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Können Sie mir in ein paar Sätzen beschreiben, wer genau hier vor mir sitzt?
Das fängt ja schon gut an, mein Freund. Vor Dir sitzt Mirko Alexander Bogojevic´, der als „Das Bo“ bekannt geworden ist und „Das Bo“ sein musste, um Mirko werden zu können.

Das klingt übersichtlich, auch wenn ich es nicht in jedem Detail verstanden habe.
Ich kann es erklären: Der Künstler „Bo“ war eine Zeit lang das einzige, dass ich als Mirko Bogojevic´gefühlt habe. Über die Möglichkeiten, die „Das Bo“ als Künstler hatte – die Musik, das Reisen, die Menschen-  habe ich im Laufe von Jahren vieles über mich herausgefunden und nach jahrelangem Bo-Sein den Mirko gefunden, der ich bin.

Welche Frage sollte ich Ihnen innerhalb dieses Gespräches auf gar keinen Fall stellen, und wie hieße die Antwort darauf?
Welche Frage sollte ich Ihnen innerhalb dieses Gespräches auf gar keinen Fall stellen, und wie hieße die Antwort darauf.

Ich gebe das mal zurück: Das fängt ja schon gut an, mein Freund.
Sie sind Rapper mit Abitur und – zumindest auf den "X Factor"-Fotos – aktuell Juror im Anzug. Ihr Vater war Lehrer. Wie genau wird man denn groß mit einem Lehrer als Vater, der auch noch im selben Gymnasium unterrichtet, auf welchem man zur Schule geht?
Die Frage ist nicht so einfach und schnell zu beantworten. Was die Bekleidung als Symbol von Status oder Zugehörigkeit zu einer Gruppe angeht, gibt es für mich nicht entweder oder. Ich bin niemand, der sich uniformiert oder in einer bestimmten Gruppe aufhält: Überall und in allen Gruppen gibt es für mich gute und schlechte Menschen. Ich umgebe mich am liebsten mit den guten, und deswegen ist mein Umfeld auch sehr gemischt. Ich hänge nicht nur mit Rappern rum, sondern ich kenne eine ganze Reihe sehr unterschiedlicher Menschen. Abitur übrigens habe ich nebenbei gemacht.  Parallel bin ich an den Wochenenden aufgetreten. Das war nicht so anstrengend. Ich bin einmal sitzen geblieben, fast ein zweites Mal.  Das konnte ich durch einen Trick abwenden. Ich bin in Hamburg geboren und bin viel herumgekommen. Als ich zwölf war, sind meine Eltern aufs Dorf gezogen. Ich hatte meinen Vater nur zwei Jahre als Lehrer, als ich schon älter war. Er kam ja aus Bosnien-Herzogowina und war zwar ein kantiger Typ, aber ein sehr beliebter Lehrer. Er hatte seine eigene Art und war eine richtige Marke. Viele fanden das gut und einige scheiße. Er hat immer „nach den Listen“ gelehrt: Jeder wurde nach der Leistung benotet und nicht nach Sympathie. Wenn beim Hochsprung die Latte bei 1,20m übersprungen werden musste, war das Maß halt 1,20. Zuhause hat sein Beruf keine Rolle gespielt. Ich wurde sehr frei erzogen. Heute sagt Vater manchmal, vielleicht hätten wir doch 30 Prozent Einfluss geltend machen sollen.
Der Name „Das Bo“ wirkt ja relativ geschlechtsneutral. Sie hätten sich auch „Bojangles“ nennen können. Oder "Bo-Livian". Welcher teuflische Plan steckte denn hinter dem sicher kreativen Prozess der Namensfindung?
Dass mit Ihrem Bild, dem Neutrum, ist gar nicht so verkehrt. Für mich hängt sowieso alles irgendwie mit allem zusammen und ist nicht nur entweder so oder so. Mir einen Namen zu geben, der nicht mir gegeben wurde, war eine außergewöhnliche Aktion für sich. „Bo“ ist natürlich vom Nachnamen abgeleitet. „Das“ ist mittlerweile eine Abkürzung für „Dumm aber schlau“, „der am Stylischste“, „der alte Sack“ und eine Reihe weiterer Beschreibungen. Der Hauptgrund aber war, dass „Der Tobi und der Bo“ langweiliger geklungen hätte als „der Tobi und das Bo“. Mein Vater als Lehrer hatte übrigens den Spitznamen „Bogo“. Den wollte ich zumindest vermeiden.

Haben Sie irgendetwas von Ihren Eltern gelernt, dass Ihnen in Ihrem Leben geholfen hat?
Klar, ein Grundgefühl: Mein Vater ist jemand, der ehrlich und kontaktfreudig ist und mit allen Leuten klar kommt. Das habe ich von ihm. Und etwas wie eine gewisse Leichtigkeit: Man kann sich nur ärgern, wenn man sich ärgern will. Meine Mutter war Kinderkrankenschwester, ich war im Kindergarten und hatte von Anfang an ein Multi-Kulti-Umfeld. Für mich ist schnell wichtig geworden, mit Menschen zusammen zu sein. Auch heute noch. Ich bin niemand, der in seiner Bude hockt und alleine vor sich hin Dinge entwickelt. Was noch?  Geradeaus zu sein. Zu sich selbst zu stehen und ehrlich zu sein, das kommt schon aus meinem Elternhaus. Ich bin wie ich bin. Gerade im Showgeschäft gibt es doch einige, die hinter den Kulissen anders sind als in der Öffentlichkeit und Anerkennung nicht daraus beziehen, dass sie zu sich selbst stehen. Da ist manches Image nach außen, Schein und Show. Das ist nicht meins. Ich gebe mich nach außen nicht anders, als ich bin. Das hat Geschichte: Wissen Sie, wir sind in der Familie nicht sehr wohlhabend gewesen. Wir haben zwar ein Haus gebaut, aber auf dem Weg der klassischen Kredit-Abzahlungs-Nummer. Ich konnte auch nie mit irgendwelchen Kleidungsstücken „einen auf Welle machen“, sondern da gab es eben von Hess die Schuhe. Das war nie wichtig für mich.

MEEDIA-Autor Christopher Lesko und Das Bo in Hamburg
Wenn wir – über "X Factor" hinaus – auf Ihre musikalische Identität blicken. Was genau ist denn die Seele des Rap?
Ach, das muss jeder für sich finden. Rap kommt ursprünglich aus den Ghettos in Amerika: Die Leute haben auf den Basketballplätzen ihre Plattenspieler aufgebaut. Der Rapper war ursprünglich nur ein Host, der erzählte, wie geil der DJ ist. Der nämlich war früher der Star. Dann flossen Bilder und Vergleiche ein, „ich bin geiler, als der“. So entstand der Rap. Auch geboren aus dem Umfeld, in dem man nicht viel hatte. Mit einem Mikro, dass die Stimme lauter machte, damit man gehört wurde. Wer in der Welt hat schon den Jungen aus dem Ghetto zugehört? Auch das ist Seele des Rap und gewachsen mit den einzelnen Persönlichkeiten.

Wie genau sind Sie zur Musik gekommen?
Ich bin ja in der Schanze zur Grundschule gegangen in den Achtzigern. Das war damals noch nicht der Galao-Strich, sondern da wurde am Park gedealt. Afrikaner mit weißen Kugeln und ich als kleiner Junge. Dann kam ich mit 12 von der Großstadt aufs Dorf, das war schon auch ein Kulturschock. Und dann kam der Rap. Ich schaute auf die grüne Wiese mit der Kuh und hörte NWA mit Gangster-Rap. Das war meine Balance: Zeitvertreib einerseits und andererseits ganz nah am Text anderer Künstler, die Geschichten erzählten und mir einen Blickwinkel auf Umfelder boten, die ich selbst nicht gelebt hatte. Mit allen Emotionen dazu. Dann war ich ein Jahr in Amerika und habe dort High-School gemacht. Eigentlich habe ich dort zu dem deutschsprachigen Rap gefunden. Ich hatte vorher englische Texte geschrieben. In Amerika hatte ich eine deutsche Strophe dabei: Irgendwie schlechter Inhalt und grausamer Flow, aber das war dort außergewöhnlich und für die Jungs das Highlight. German Rap. 1993 war ich wieder hier, inzwischen gab es den ersten Hit von Fanta Vier mit „Die da“. Da wurde dann dieses Jugendhaus-Umfeld langsam aufgebrochen und Rap wurde mainstreamiger.
Gibt es Künstler, die Sie beeindrucken?
Nicht im Sinne von Idolen oder Idealen. Idole waren nie meins. Als kleiner Piefke vielleicht Michael Jackson, wenn er den Moonwalk machte. Ich hatte das Buch gekauft, aus dem Buch die Unterschrift gefälscht und auf die Platte geschrieben. Ich hatte zwar kein Geld, um ins Konzert von ihm zu gehen, aber immerhin eine Unterschrift von ihm auf der Platte. Nein, ich wollte nie anderen nacheifern, sondern  habe mich auf die Suche nach mir selbst begeben. Für mich gibt es zwei Gruppen von Menschen: Beweiser und Freigeister. Beweiser nutzen Hierarchien und Statistiken –  Freigeister Gefühl.  Inspiriert allerdings haben mich einige  Künstler. Aktuell übrigens Till (Brönner, die Red.). Wir haben schnell gemerkt, wie unterschiedlich wir sind. Till ist ein sehr intelligenter Musiker, ich bin eher der Gag-Vogel. Jeder hat etwas, was der andere nicht hat. Das inspiriert.

Wenn ein Rapper über verschiedene musikalische Stationen und Kooperationen erst 2008 für Hamburg 12. des Bundesvision Song Contests wird, dann Fünfter bei der WOK-WM und schließlich in der Jury eines erfolgreichen Casting-Formates landet, könnte man denken, als nächstes drohe der "ZDF Fernsehgarten".
Da war ich auch schon.

Nee, oder…
Doch. Mein Motto ist: Wenn Du nur dahin gehst, wo alle Dich kennen, bringt das nichts. Man muss schon auch ein wenig Pioniergeist beweisen. Ich bin froh, wenn ich irgendwo hingehen kann, performen kann, und die Menschen haben ein Lächeln auf dem Gesicht.

Wie sind Sie denn zur Jurorenrolle bei "X Factor" gekommen?
Das war ein Zusammenspiel verschiedener Gründe: Erstens durch meine Art. Die kannten Leute aus der Produktion. Die hatten früher bei “Top of the Pops“ gearbeitet, dort waren wir von “Fünf Sterne deluxe“ und ich als “Das Bo“. Dann spielte mein Manager Volker Neumüller eine große Rolle, der selbst Juror bei DSDS war. Ich habe dann ein Casting gemacht, und man hat sich für mich entschieden. Ich fand interessant und auch bemerkenswert, dass Vox und Grundy LE ein neues Gesicht gesucht haben. Häufig ist es ja im TV so, dass immer dieselben Fratzen an anderen Stellen wieder auftauchen. Es war eine Ehre für mich, überhaupt in Erwägung gezogen zu werden, weil die Aufgabe – über die Jury Rolle hinaus – ja auch eine Möglichkeit ist, mich als Persönlichkeit zu zeigen und nicht nur als Künstler innerhalb eines Songs oder Videos.

Haben Sie Angst davor, wie Sie das hinbekommen werden?

Nein. Der schlimmste Fehler ist der, den man nicht macht. Natürlich ist "X Factor" eine Herausforderung, die ich sehr ernst nehme.

Was wär denn – mit ein wenig Phantasie – das subjektiv Schlimmste, was Ihnen in der aktuellen Staffel von "X Factor" geschehen könnte? Welche Situation würde sich am besten für eine richtigen Bock eignen, den Sie schießen?

Ach, eigentlich nichts.

Ich bin enttäuscht. Aber ich werde fertig damit.

Es ist ja schon unangenehm genug, wenn Du Dich im Fernsehen siehst. Beim Dreh eines Video sitzt Du im Schnitt und entscheidest: das Gesicht ja, das Gesicht nicht und hast die Steuerung. Wenn ein Kandidat bei "X Factor" Dir gefällt: Du bist dabei, die Kameras laufen und  siehst hinterher, Du hast da zwanzig Minuten mit offenem Mund gesessen….. das ist dann schon unangenehm. Na ja, Luxusproblemchen.

Die Welt von Musik und Show ist ja ein Dorf: Bohlens Frau Estefania Küster tanzte in Ihrem Video “türlich, türlich“, Sie traten mit Alex Christensen auf, der in Analogie zu DSDS  den Titel “Blessed“ des 2008er Finalisten Fadie Maalouf produzierte. Christensen seinerseits war Jury-Mitglied bei Popstars, dem Wettbewerbsformat von ProSieben. Das sieht nach Netzwerk aus. Wie eng sind denn Ihre Verbindungen zu den anderen?

Es geht. Viele Verbindungen sind sehr lax, mit anderen hat man immer mal wieder zu tun. Netzwerk in einem sehr engen Sinn würde ich das nicht nennen. Ich bin zum Bespiel sehr gut mit Tim Mälzer befreundet. Wir mochten uns von Anfang an. Dann hat er seinen Laden eröffnet, wir haben aufgelegt und als Gage Essen und Trinken vereinbart. Mein Netzwerk, also “Das Bo und die Hänger Gäng“, besteht aus einem engeren Kreis von 20 bis 25 Leuten, die täglich miteinander zu tun haben.

Hat Alex Christensen Ihnen einen Rat gegeben, der Ihnen in der neuen Jury-Rolle helfen könnte?
Die Tipps habe ich mir eher von Volker Neumüller geholt. Mit Alex Christensen habe ich immer mal wieder gerne einen schönen Rotwein getrunken oder MTV international auf dem Beamer geschaut. Da hat man Spartensender, die man im Fernsehen nicht hat. In der Zeit, als wir unser Projekt gemacht haben, haben wir zusammen abgehangen.

Gib es eigentlich spürbare Unterschiede in Kultur und Volumen der Arbeit als "X Factor"-Mitglied im Vergleich zu dem, was Sie in Ihren anderen Rollen gewohnt waren? Das nimmt doch richtig Lebensraum ein.
Viele! Ich bin ja von der Natur her eher jemand, die in den Tag hinein lebt und den Moment genießt. Mein Vater hat das schön ausgedrückt, als ich ihn letztens im Krankenhaus besucht habe. Er hatte sich mal wieder mit der Kreissäge in den Finger geschnitten…

Kreissäge? Mal wieder?
Ja, ich kenne das schon. Als wir klein waren, und es passierte zum ersten Mal, haben  wir gesagt: „Oh, Papa ist kaputt.“ Beim dritten Mal dann „Boah, nicht schon wieder…“. Jedenfalls war das direkt nach einem Dreh-Block und mein Vater sagte: „ Jetzt weißt Du mal, wie das ist, wenn Du morgens aufstehst, zur Arbeit gehst und abends müde ins Bett fällst“. Es ist wirklich so, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben ein Schedule habe und weiß was ich am Ende des Jahres machen werde. Aber ich bin auch Teil einer riesigen Produktion und bin froh darüber. Ich bin hier gut aufgehoben und habe meine kreativen Freiräume. Der gesamte Arbeitsstil ist natürlich anders, als wenn ich für mich produziere.

Haben Sie im letzten Jahr "X Factor" gesehen?
Nein. Ich besitze gar keinen Fernseher. Ich habe den Fernseher vor vielen Jahren abgeschafft, als ich merkte, dass ich drei Stunden durchgängig herumgezappt hatte. Das war mir zu bewusstlos und gefährlich. Ich habe mich dann dafür entschieden, nicht mehr in den Fernseher hinein, sondern lieber aus dem Fernseher heraus zu schauen. Natürlich habe ich eine DVD bekommen, nachdem ich offenbarte, dass ich "X Factor" nicht gesehen hatte, und ich war wirklich positiv überrascht. Auch vom Niveau der Kandidaten.

Wie hat Ihnen George Glueck gefallen, den Sie quasi in der Rolle beerben?

Ich hatte ja nur einen DVD-Zusammenschnitt, und George Glueck haben sie extra rausgeschnitten. Nein, war nur nen Spaß. Ich möchte mir kein Urteil über die Arbeit von einem Vorgänger erlauben. Die Zusammenarbeit in der aktuellen Jury ist toll, und wenn die Einschaltquoten in der zweiten Staffel noch besser sind als in der ersten freue ich mich, dass ich meinen Teil dazu beigetragen habe.

Wie werden Sie denn Ihre Rolle in der Jury prägen, mit allem, was Sie als Person unverwechselbar macht?
Mit einem gewissen Charme, mit Humor und Ehrlichkeit.

Wer ist denn Mirco Bogojević privat? Wie entspannt er?

Da gibt es kaum Unterschiede. Dieses Gespräch jetzt ist eigentlich eine Entspannung für mich. Das Pflichtprogramm ist für heute erfüllt. Ich komme jetzt zu einem inhaltlichen Gespräch, in dem ich mehr mitteilen und mehr da sein kann. Sonst trenne ich das nicht so. Jetzt, wo ich "X Factor" mache und fünf Tage hintereinander präsent bin, fahre ich danach gerne nach Hamburg, bin mit den Jungs unterwegs, gehe gerne in den Club und lasse alles los. Manchmal mache ich Sport – ein bisschen Fußball spielen ein bisschen Pumpen.

Hamburger Fußball – mit Herz für Pauli, den Rappern der Liga, oder den HSV?

Für beide. Ich bin bei beiden immer mal wieder im Stadion, auch wenn das für Hamburger ungewöhnlich ist. Ich bin ein wenig befreundet mit Sergej Barbarez, und die Hoffmann-Zeit war schwierig als HSV-Fan. Bernd Hoffmann – die Geschichte vom Fisch und dem Kopf. Andererseits war ich als Kind mit meinem Vater da, als Magath und Hrubesch die Meisterschale vom Balkon hielten. Irgendwie stehe ich auf beide Vereine.
Welche Ihrer Stärken ist Ihnen die relativ angenehmste, welche Ihre Schwächen die relativ unangemehmste?
Als Stärke: die Ehrlichkeit. Und, auch wenn man es nicht glaubt, ich stelle mein Licht manchmal ein wenig zu sehr unter den Scheffel. Das ist schon manchmal eine Schwäche.

Der zweite Teil der Antwort klingt hier im Gespräch nicht in jeder Sekunde durch. Es gäbe ja im Portfolio möglicher Schwächen schon auch Optionen: Ungerecht sind Sie also nicht? Hass kennen Sie nicht?
Na ja, ich kann hier alleine durch die Straßen laufen. Auch nicht selbstverständlich in der Rapper-Szene. Ich begegne anderen auf Augenhöhe und mache mich nicht besser. Das ist meine Haltung.

Über Ihre Freunde haben Sie schon gesprochen. Haben Sie denn wenigstens einen soliden Feind?
Nein, hab ich nicht. Ich bin auch gegen niemanden sondern für mich.

Hmhh.
Es gibt drei Menschen, die ich nicht leiden kann: Michel Friedmann, Lenny Kravitz und der dritte fällt mir nicht mehr ein. Wahrscheinlich der, den ich am wenigsten leiden kann, und ich will ihm nicht mal gönnen, dass er hier genannt wird.
Friedmann ist ein Sonderthema… auch eines der getriebenen, physischen Überschreitung von Grenzen anderer.
Stimmt. Da kann ich nur jedem empfehlen, Friedmann und Christoph Schlingensief in „Durch die Nacht“ anzuschauen. Schlingensief  ist grandios. Er nimmt Friedmann so intelligent den Schwung und demaskiert ihn. Eine der größten TV-Leistungen, die ich persönlich von Schlingensief gesehen habe.

Kennen Sie Angst?

Klar. Heute habe ich viele Menschen im Freundeskreis, aber es gab eine Zeit, in der das anders war. Damals hatte ich nur die Musik, war einsam und hatte Angst: die Angst nicht akzeptiert zu sein. Die Angst, nichts zu bedeuten. Niemanden kennen zu lernen. Um mich selbst zu zitieren: Ich war niemand, hatte wenig und wollte nicht einmal nach vorn. Das war auch die Zeit, in der alles entstand. Ich sehe Leben im Bild einer Waage: Es gibt Gutes und Schlechtes – auch in einem selbst. Man muss sich darum kümmern, dass die gute Seite Gewicht bekommt. Das Ding mit der Balance. Deswegen kümmern ich und die Jungs von der "Hänger Gäng" uns auch um eine Reihe sozialer Themen. Sport für Jugendliche und vieles mehr.

Wenn ich in der Lage wäre, Ihnen einen Wunsch zu erfüllen, den Sie innerhalb der nächsten zehn Sekunden äußern müssten, und der Wunsch, dieses Interview möge schnell vorbei sein, wäre verboten – welcher Wunsch wäre das?
… ist die Zeit schon vorbei?

6  Sekunden…
Dass es meinen Leuten gut geht und sie gesund bleiben.

Wird "X Factor" erfolgreich werden und warum?
"X Factor" ist schon erfolgreich. Wir haben gute Stimmen und am Ablauf ein wenig geändert. "X Factor" ist die seriöseste Casting-Show in Deutschland. Und vielleicht (lachend) ist ja auch die Zusammensetzung der Jury durch mich um eine neue Facette bereichert worden.
Vielen Dank für das Gespräch!

"X Factor" startet am 30. August 2011 und ist dienstags und sonntags bei Vox zu sehen.

Mehr über den Autor: www.leadership-academy.de

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