App-Streit: ARD will gemeinsame Lösung

Überrascht sei sie gewesen, als sie das Interview mit Mathias Döpfner in der SZ las, sagte die ARD-Vorsitzende Monika Piel im Anschluss an die heutige Intendantensitzung in Würzburg. Der Springer-CEO hatte behauptet, die Öffentlich-Rechtlichen seien im Streit um das "presseähnliche Angebot" der Tagesschau-App nicht kompromissbereit. Und das, obwohl die Gespräche noch liefen, mahnte Piel. "Wäre die Lage bei den Zeitungen nicht so ernst, wäre die Diskussion lächerlich", sagte die WDR-Intendantin.

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Der App-Streit war eines der Themen, die auf der Pressekonferenz nach der Sitzung auf den Tisch kamen. BR-Intendant Ulrich Wilhelm kündigte an, dass man weiterhin eine intensive Zusammenarbeit mit den Verlagen anstrebe. "Es gibt keinen Krieg und keine Schlammschlacht", so Wilhelm. Man habe Verantwortung füreinander und müsse eine Lösung finden, wie eine langfristige Koexistenz aussehen könne. Auch Piel pflichtete dem bei. "Man kann nicht behaupten, dass eine App des öffentlich-rechtlichen Rundfunks den Markt kaputt macht", sagte Piel mit Verweis auf die zwei Applikationen, die Tagesschau-App und die Sportschau-App. Viele Zeitungen machten auch Fernsehen und würden damit gegen Regeln verstoßen. Für eine riesengroße Expansion im Netz habe man auch schlicht kein Geld, weil es keinen Cent extra gebe für die Web-Angebote. "Wenn wir uns da austoben wollten, hätten wir das längst getan", so Piel.

Nach Austoben hörte es sich hingegen an, was die ARD für den Sommer plant. Neben einer Reihe an neuen Dokumentationen, Reportagen und Sendungen aus dem fiktionalen Bereich kündigte ARD-Programmdirektor Volker Herres an, dass es nach der Pause im Herbst mehr Sendezeit für "Anne Will" gebe. Der Polit-Talk werde um 15 Minuten verlängert, ebenfalls würde PlusMinus fünf Minuten länger senden. Dadurch, dass "Hart aber fair" von mittwochs auf montags verlegt wird, würde man den Montag zu einem reinen Info-Abend etablieren. Zudem sei das Ziel, dass die "Tagesthemen" eine verlässliche Anfangszeit bekämen. "Wir wollen unsere Informationskompetenzen quantitativ und qualitativ nach vorne bringen", sagte Herres. Am 4. September werde man mit dem neuen Programmschema starten, zu der auch die Neu-Verpflichtung von Günther Jauch zähle. Am 11. September wird Jauch mit seiner gleichnamigen Talkshow auf Sendung gehen.

Piel kündigte an, dass Informationssendungen in der ARD künftig eine noch höherer Priorität haben sollen, auch wenn sich dadurch das Regelprogramm verschiebt. "Damit wird der hohe Informationsanteil im Programm weiter gestärkt. Die Qualität des Gemeinschaftsprogramms ist ein genauso wichtiges Erfolgskriterium wie quantitativer Erfolg", so Piel. Im ersten halben Jahr habe sich angesichts der weltpolitischen Entwicklungen gezeigt, dass die ARD die Informationsquelle Nummer 1 für die Menschen sei. Das hätten die Einschaltquoten zum Beispiel während der  Katastrophe in Japan und anlässlich der Umwälzungen im Nahen Osten deutlich gezeigt. Deshalb solle bei aktuellen, relevanten Ereignissen die Information in der ARD künftig eine noch höhere Priorität haben – auch wenn sich dadurch das Regelprogramm verschiebe.

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