„Ich muss die ARD überhaupt nicht retten“

Günther Jauch hat sein erstes Interview über seine neue Politik-Talkshow im Ersten gegeben. Im Spiegel-Gespräch sagte der Anne-Will-Nachfolger, er wolle die Sendung nicht umbauen, auch wenn er sich der "teilweise schon überbordenden Erwartungshaltung" bewusst ist. Das Format sei erfolgreich und locke kontinuierlich vier Millionen Zuschauer an: "Die will ich halten, nicht verprellen. Deshalb habe ich keinerlei Ambitionen, alles auf den Kopf zu stellen. Ich werde da nicht zum Revolutionär", kündigte er an.

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Zu den Behauptungen, die ARD habe Jauch als eine Art Retter geholt, sagte der 54-Jährige zum Spiegel: „Ich muss die ARD überhaupt nicht retten. Die funktioniert seit über fünfzig Jahren und die meiste Zeit davon erfolgreich ohne mich. Aber tatsächlich gibt es, vor allem in den Medien, eine teilweise schon überbordende Erwartungshaltung, die ich persönlich nicht nachvollziehen kann.“ Er werde einfach „eine Sendung machen, in der Menschen sich vorzugsweise auf Deutsch unterhalten und dazu auf Stühlen mit je vier Beinen sitzen. Weil es in der Regel Leute sein werden, die in politischer Verantwortung stehen, saßen die früher auch schon in anderen, ähnlichen Formaten.“
Doch der TV-Star sieht auch die Risiken seines ARD-Starts. Natürlich bestehe immer die Gefahr, dass Politprofis das Format als TV-Bühne missbrauchten. "An manchen Sonntagabenden werden wir scheitern. Andere Sendungen werden dafür gelingen." Die klassische Talk-Sendung sei "sicherlich ein Format, das auch ich mir erst mal erarbeiten muss." Er habe indes schon bei "Wer wird Millionär?" gelernt, "dass ich erst nach 20, 30 Sendungen das richtige Gefühl fürs Timing bekam. Das werde ich auch am Sonntagabend erst finden müssen. Ich werde Fehler machen und Kritik einstecken müssen. Sie werden vielleicht über mich herfallen. Ich mache mir da keinerlei Illusionen."
Gewisse, kleinere Änderungen im Konzept der Talkshow schließt der Moderator aber doch nicht aus: „Vielleicht sitzen mal statt sechs Gästen nur zwei bei mir, vielleicht sogar nur einer.“ Er habe jede Menge Tipps bekommen, die ihn mittlerweile offenbar schon nerven: „Wenn ich einen Ratschlag nicht mehr brauche, dann den, welche Farbe das Studio unter keinen Umständen haben dürfte. Da wurde mir mittlerweile von nahezu jedem Ton der Farbpalette mindestens dreimal abgeraten. Grundsätzlicher war da schon die Frage, ob wir’s mit oder ohne Studiopublikum angehen sollen.“
Auf die Frage, warum Jauch, der 2007 schon fast bei der ARD unterschrieben hatte, die Verhandlungen damals abbrach und über „Gremien voller Gremlins“ schimpfte, sagte er: „Es gab damals bereits einen komplett ausverhandelten Vertrag, mit dem alle Beteiligten einverstanden waren. Dann wurde aus den verschiedensten Ecken immer massiver daran herumgemäkelt, allerdings wohl ohne unbedingt mich persönlich zu meinen.“ Viele der Gremienmitglieder hätten sich ihm später lächelnd mit dem Satz „Ich bin einer von den Gremlins“ vorgestellt. „Die nahmen es mit Humor und schienen meine damalige Absage zu bedauern.“
Für Jauch kam allerdings nur ein Engagement im Ersten am Sonntagabend in Frage. Dass alle anderen Talker – Anne Will, Reinhold Beckmann, Sandra Maischberger und Frank Plasberg – seinetwegen monatelang zur bloßen Manövriermasse wurden, nimmt ihm keiner Übel, hofft er. „Persönlich verstehe ich mich mit allen genannten Kolleginnen und Kollegen ausgesprochen gut“, so der 54-Jährige.

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