Die Apple-Abrechnung des Manager Magazins

Die Dramaturgie ist schon mal perfekt: Einen Tag vor erscheinen des neuen Manager Magazins sorgt das vorab veröffentlichte Interview mit Springer-CEO Mathias Döpfner für viel Aufsehen ("DDR-Marketing"). Einen Tag später liegt nun das Heft am Kiosk und überrascht ein erneut. Passend zur Aufmacher-Story "Apple: die Arroganz der Macht" gibt es das Wirtschaftsblatt diesmal mit vier unterschiedlichen Titeln. Der Inhalt bleibt jedoch gleich: Es geht um "die rüden Geschäftsmethoden des Kultkonzerns".

Anzeige
Die vier Titelseiten zitieren die fast schon legendäre iPod-Werbung und sind deshalb in den Farben grün, blau, orange und hellrot gehalten. 

Die Aufmacherseite des Manager Magazins

Die Aufmachergeschichte dagegen kommt mit drei Teilen aus. Der Hauptteil beschäftigt sich mit dem "Ende des Appsolutismus". So gehen die Wirtschaftsredakteure in Hamburg davon aus, dass "die erfolgreichste Firma der letzten Jahre ihren Zenit überschritten hat". Eine Prämisse, die man seit Jahren in regelmäßigen Abständen in diversen Heften und Web-Portalen lesen konnte und die sich bislang nie bewahrheitete. Diesmal schicken die Hamburger Tim O‘ Reilly in den Zeugenstand. Der Web-2.0-Erfinder sagt: "Auf kurz oder lang wird Apple in die Rolle eines Nischenanbieters zurückkehren." Das Manager Magazin glaubt, dass das iPhone zur Massenware und deshalb viel billiger werden muss, zudem gerät Apple durch seine Marktmacht immer häufiger ins Visier von Kartellbehörden. Ergo: Das Unternehmen droht das neue Microsoft zu werden. Der wohl schwerwiegendste Vorwurf ist allerdings, dass der Technologie-Konzern immer stärker unter einer selbstgerechten Unternehmenskultur leide.
Auch wenn der Text in einem Wirtschaftsmagazin erscheint, lebt er doch weniger von den Fakten als von dem vielen Apple- und Steve-Jobs-Gossip, mit dem der Leser unterhalten wird. So wissen die Autoren, Astrid Maier und Christian Rickens, zu erzählen, dass der erste iPhone-Deal der Telekom mit den US-Amerikanern fast gescheitert wäre, weil Jobs verlangt hatte, dass die Bonner doch bitte ihre T-Shops auf Vordermann bringen sollten. 
Interessant ist die Behauptung, dass offenbar immer mehr Talente das Unternehmen verlassen. Durch den riesigen Erfolg von Apple haben viele Ingenieure so viel Geld verdient, dass sie es mit eigenen Projekten versuchen wollen. Passend dazu zitieren Maier und Rickens einen Professor einer Elite-Uni, der sagt: "Meine Studenten lieben Apple-Produkte, aber dort arbeiten will kaum jemand."
Der zweite Teil der Titelgeschichte ist das Interview mit Mathias Döpfner. Das Gespräch führte der MM-Medienexperte Klaus Boldt. 
Besonders spannend ist allerdings der dritte und kleinste Teil des Berichtes. Denn der Kasten "Abstiegsszenario" zeigt, dass der US-Konzern tatsächlich schon bald den Anschluss verlieren könnte, weil das Management von seinem Umsatz einen schrumpfenden Prozentsatz in die Forschung steckt. Zugleich steigt der Marktanteil der Android-Smartphones und die Apple-Aktie stagniert bzw. verliert an der Börse gerade an Wert.
Die Autoren gehen davon aus, dass Apple das ganz normale Schicksal der meisten Konzerne bevorsteht, die einst als Nabel der Tech-Welt galten: "Sie erleben ein, zwei großartige Dekaden, die meist mit dem Wirken einer charismatischen Führungsfigur zusammenfallen. Doch auf Technologieführerschaft, rasantes Wachstum folgen Arroganz und Überheblichkeit – und schließlich Jahre der Agonie."
Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige