11 Freundinnen Champion der WM-Hefte

Vier Titel mit oftmals identischen Grundideen und doch so unterschiedlich umgesetzt. Zum Start der Frauenfußball-WM liegen vier Sonderhefte bzw. Beilagen am Kiosk. MEEDIA hat sich die Produktionen vom Kicker, der Sport Bild, der Medienfabrik und von den 11 Freundinnen angesehen. Das Ergebnis: Alle Hefte berichten über alle Teams, drei haben Trainerin Silvia Neid interviewt. Alle berichten über Birgit Prinz und Fatmire Bajramaj, aber keiner steckte mehr Liebe und Meinung in sein Heft als die 11 Freundinnen.

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Kicker-Sonderheft "WM 2011"
Der Kicker bezeichnet sich selbst als "Fachmagazin". Diesem Anspruch wird das Sonderheft, anders als beispielsweise die Bundesliga-Sonderhefte, nicht in der gewohnten Faktendichte gerecht. Denn die Leser, die erwarten haben, dass die Redaktion die einzelnen Teams mit Statistiken und Übersichtsseiten vorstellt, werden enttäuscht. Bis auf die DFB-Elf bespricht die Redaktion die Gegnerinnen der deutschen Titelverteidigerinnen nur in teils kurzen Texten.

Ziel des Heftes ist es laut Editorial des Chefredakteurs Klaus Smentek, die Leser "fit für die Frauen-WM" zu machen. Auf den Weg dahin setzt der Kicker ganz auf Nummer sicher. Es gibt ein Interview mit Franz Beckenbauer, der Chef-Organisatorin Steffi Jones und der Nationaltrainerin Silvia Neid. Leider wirken das Layout und auch die inhaltliche Aufmachung sehr funktional und wenig originell. So versprüht das Heft oftmals den Charme eines Krankenkassen-Magazins. Erst kurz vor dem Ende wird das Blatt magaziniger und unterhaltender. Auf einmal gibt es Fun-Facts oder eine kurze Historie des Frauenfußballs.

Die Kicker-Detailseite über die Nationalelf aus Schweden

Ausstattung: Dem Heft beigelegt ist ein Poster der DFB-Elf 2011 und auf der Rückseite ein Bild der WM-Gewinnerinnen von 2007.

Fazit: Das Kicker-Sonderheft erreicht bei weitem nicht das Niveau der sonstigen Spezial-Hefte aus dem Olympia-Verlag. Es fehlt der Faktenreichtum.

"WM 2011"
Die Corporate-Publishing-Experten der Medienfabrik in Gütersloh haben sich auch der Weltmeisterschaft angenommen. Das Ergebnis ist ein Magazin, das optisch für eine weit jüngere Zielgruppe entworfen zu sein scheint, jedoch mit einem extrem faktenlastigen Herzstück daherkommt. Der überwiegende Teil des Heftes ist der Vorstellung aller Teams und Spielstätten gewidmet. Dieses Kernressort transportiert mehr Basis-Infos als das Fachmagazin aus Nürnberg.

Die Zielgruppe soll jedoch offenbar weniger jung ein, als es die Aufmachung vermuten lässt. So heißt es auf der Titelseite: "Alle Stars, alle Teams, alle Infos für die ganze Familie". Im redaktionellen Teil finden sich die aktuellen Standard-Storys zur WM: Interviews mit Trainerin Silvia Neid, Birgit Prinz und Steffi Jones. Dazu eine große Story über das "Glamougirl" Fatmire Bajramaj.

Die Detailseite über die Nationalelf aus Schweden

Ausstattung: Das WM-Heft aus Gütersloh bietet gleich neun Poster und einen Spielplan.

Fazit: Ein solides Übersichts-Heft, das allerdings im redaktionellen Teil nicht punkten kann. Das Magazin wirkt wie ein hervorragendes Corporate-Publishing-Produkt: sauber und gut gemacht, aber es fehlt an einigen Stellen die nötige Haltung und Meinungsstärke.

Sport Bild "WM-Sonderheft"
Ganz gegen den Trend zur Line-Extension verzichtete man bei Springers Sport Bild auf ein eigenes Sonderheft und wertete die aktuelle Ausgabe des Sportmagazins einfach mit einer 48-Seiten-Beilage zur Weltmeisterschaft auf. Das gesamte Heft steht noch stärker als beim Rest im Zeichen der DFB-Elf. Zwei Drittel der Beilage beschäftigen sich ausschließlich mit dem Team von Silvia Neid – mit der natürlich auch das obligatorische Interview geführt wurde. Ansonsten werden die anderen Teams sehr kompakt, aber übersichtlich abgehandelt.

Die Sport Bild-Detailseite über die Nationalelf aus Schweden

Ausstattung: Im Sport-Bild-Beileger gibt es ein Poster der DFB-Kickerinnen.

Fazit: Anders als bei der großen Schwester von der Bild Zeitung setzt die Sport-Bild-Redaktion nur zögerlich auf die Weltmeisterschaft. Anders ist es nicht zu erklären, dass kein extra Sonderheft produziert wurde, sondern nur eine Beilage. Immerhin sind die 48 Seiten recht kurzweilig und informativ.

11 Freundinnen "WM Sonderheft 2011"
Im Vergleich zu den drei anderen Print-Produkten hat der 11-Freunde-Ableger die beste Ausgangsposition. Denn das Magazin ist das einzige, das sich schon länger mit Frauenfußball beschäftigt.

Die Berliner Redaktion setzt konsequenter als die Konkurrenten auf einen klassischen Magazinansatz: dem richtigen Mix aus großen Storys und kleinen unterhaltenden Stücken. So findet sich bei den 11 Freundinnen das beste Fußballerinnen-Interview. Ariane Hingst und Linda Bresonik sprechen über "harte Frauen, theatralische Jungs und das größte Turnier ihres Lebens". Dazu gibt es kleine Stücke, wie eine Doppelseite, auf der sich die Jungendtrainer von Birgit Prinz, Inka Grings und Alex Popp an ihre Schützlinge erinnern.

Natürlich werden auch bei den 11 Freundinnen alle Teams vorgestellt. Diesmal ganz klassisch übersichtlich auf einer Doppelseite. Neben einem Text über die Mannschaft enthalten die zwei Seiten einen Taktikcheck. Zudem werden jeweils die drei besten Spielerinnen vorgestellt. Typischer 11-Freunde-Humor: Bei Nordkorea ist die beste Spielerin drei Mal der geliebte Führer Kim Jong-Il.

Die 11 Freundinnen-Detailseite über die Nationalelf aus Schweden

Ausstattung: Bei 11 Freundinnen gibt es kein Poster.

Fazit: Das mit Abstand magazinigste Sonderheft. Der Mix aus Unterhaltung und Information ist beachtlich. Allerdings hat sich auch die 11-Freunde-Familie nicht getraut, das Blatt als Sonderheft an den Kiosk zu bringen. Es ist nur zusammen mit der offiziellen Ausgabe zu kaufen. Dabei hätte das Magazin von der Qualität locker am Kiosk bestehen können.

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