Fußball: Frauen-Quoten raus aus der Nische

Wenn am Sonntag die Frauen-Fußball-WM 2011 startet, steht bereits fest, dass es im Fernsehen eine WM der Rekorde wird. Nie wurde mehr Frauen-Fußball gezeigt und mit hoher Wahrscheinlichkeit gibt es einen neuen Quotenrekord. Die weibliche Variante des Lieblingssports der Deutschen ist nämlich längst kein Nischenprodukt mehr. Bereits beim WM-Finale 2003 sahen mehr als 10 Mio. Fans in der ARD zu, 2007 und 2009 gab es bei WM und EM ebenfalls Top-Zuschauerzahlen.

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Schon als am 28. Juni 1989 zum ersten Mal überhaupt ein Frauen-Fußballspiel im deutschen Fernsehen übertragen wurde, sorgte es für einen Achtungserfolg. Immerhin 4,14 Mio. sahen die zweite Halbzeit des EM-Halbfinals gegen Italien im Ersten. Das Endspiel wurde einige Tage später zwar dennoch nicht live gezeigt, doch ARD und ZDF übertrugen von nun an immer wieder EM- und WM-Spiele oder zeigten zumindest ausführliche Zusammenfassungen.

Zum ersten Mal mehr als 5 Mio. Zuschauer gab es dann im Jahr 1995. Das WM-Halbfinale gegen China – die erste Prime-Time-Live-Übertragung eines Frauen-Matches im deutschen Fernsehen – sahen im Ersten 5,03 Mio. Fans, das Endspiel kam am 18. Juni am Vorabend auf 5,95 Mio. Seher. In den folgenden Jahren fehlten dann die ganz großen Zuschauerzahlen, was u.a. auch daran lag, dass die WM 1999 in den USA stattfand und die Matches in Deutschland in der tiefen Nacht liefen.

Den endgültigen Beweis für die Massenkompatibilität des Frauenfußballs lieferte dann die WM 2003. Sie fand zwar ebenfalls in den USA statt – im ursprünglich geplanten Austragungsland China sorgte die Krankheit SARS für Angst – doch das Finale fand um 19 Uhr deutscher Zeit statt. Noch dazu wurde das Match gegen Schweden erst in der Verlängerung entschieden. Folge: Sage und schreibe 10,36 Mio. sahen zu, in der Verlängerung sogar mehr als 12 Mio.

Diese Mega-Zahlen sorgten dafür, dass ARD und ZDF noch größer in den Frauenfußball einstiegen. WM- und EM-Qualifikationsspiele wurden nun immer gezeigt, normale Länderspiele auch oft, dazu immer öfter auch Europapokalspiele. Tatsache ist auch, dass Vereins-Spiele längst nicht an die Zahlen der Nationalmannschaft herankommen. Das Champions-League-Finale kam 2010 im ZDF aber immerhin auf 3,96 Mio. Zuschauer, das DFB-Pokal-Endspiel im März 2011 im Ersten auf 3,03 Mio. Fans.

Nationalmannschafts-Top-Quoten gab es nach dem Rekord aus dem Jahr 2003 noch bei Olympia 2004, bei der WM 2007 und der EM 2009. Die 10-Mio.-Marke blieb dabei aber unübertroffen. Das dürfte sich bei der WM 2011 in Deutschland nun ganz schnell ändern, denn schon das Vorbereitungsspiel gegen Norwegen sahen mit 5,78 Mio. so viele wie nie ein bedeutungsloses Frauen-Länderspiel zuvor. Womöglich stellt schon das Eröffnungsspiel am Sonntagvorabend gegen Kanada einen neuen Alltime-Rekord für Frauenfußball auf.

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