Wolf Schneider boykottiert Arrabbiata-Preis

Ein kleiner Skandal tut jedem Preis gut. So gesehen hat der Arrabbiata-Preis, die Auszeichnung für den besten Text-Einstieg, sein erstes Mal erfolgreich hinter sich gebracht. Heute verkündete die Jury ihre Entscheidung. Gewonnen hat Fabian Muster, Volontär bei der Aargauer Zeitung, mit den Satz: "Es war einmal ein guter Mensch, der nichts mehr tat." Jedoch weigerten sich die Jurymitglieder, Sprachpapst Wolf Schneider und Andreas Wolfers, Chef der Henri Nannen Schule, die vorgelegten Sätze zu bewerten.

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Ein kleiner Skandal tut jedem Preis gut. So gesehen hat der Arrabbiata-Preis, die Auszeichnung für den besten Text-Einstieg, sein erstes Mal erfolgreich hinter sich gebracht. Am heutigen Mittwoch verkündete die Jury ihre Entscheidung. Gewonnen hat Fabian Muster, Volontär bei der Aargauer Zeitung, mit den Satz: "Es war einmal ein guter Mensch, der nichts mehr tat." Jedoch weigerten sich die Jurymitglieder, Sprachpapst Wolf Schneider und Andreas Wolfers, Chef der Henri Nannen Schule, die vorgelegten Sätze zu bewerten.

"Ich bin von keinem fasziniert. Ihre Vorauswahl bevorzugt einseitig die szenischen Einstiege, und die halte ich seit etwa 40 Jahren für überschätzt", begründete Schneider seine Weigerung an der Abstimmung teilzunehmen. Wolfers kritisierte, dass die Sätze "durchsichtige Effekthascherei. Einzig Nr. 8 [Anm.: Der Gewinner-Satz] macht mich neugierig, fängt aber so an, wie kein Einstiegssatz bitteschön mehr anfangen sollte".

Andere Jury-Mitglieder, wie der Kisch-Preisträger Andreas Altmann, waren allerdings begeistert von Musters Einstieg. "Nicht, weil ein guter Mensch auftritt, sondern weil die Zeile am geheimnisvollsten von allen klingt. Man hat absolut keine Ahnung, was jetzt kommen wird. Und das ist gut so."

Muster kann froh sein, dass Altmann der Satz gefällt, denn schließlich müssen die beiden sich bei einer gemeinsamen Nachspeise unterhalten. Als Belohnung für seinen prämierten Einstieg bekommt der Preisträger drei Teller Penne all’arrabbiata, die er in Hamburg zusammen mit der Jury essen darf, plus einer Crème Brûlée, die es in Paris serviert gibt. Dort wird ihm dann Altmann Gesellschaft leisten.

Die Jury bilden Sprachtalente wie Cordt Schnibben, Wolf Schneider, Hermann Unterstöger, Harald Martenstein sowie Tom Kummer. Hinter dem Preis stehen Jonathan Stock (28) und Takis Würger (25), beide Absolventen des 32. Lehrgangs der Henri Nannen Schule. "Es gibt zwar eine Million Preise, aber viel zu wenig echte für den Nachwuchs", erklärte Stock bereits während der Bewerbungsphase gegenüber MEEDIA. Einreichen durften nur Journalistenschüler ihre ersten Sätze. Es war allerdings nicht notwendig, dass der entsprechende Text überhaupt veröffentlicht wurde. "Wir wissen, dass viele gute Ideen auch in Probereportagen entstehen", sagte Stock.

Das gilt auch für den Gewinner-Satz von Muster. Mit den Worten "Es war einmal ein guter Mensch, der nichts mehr tat" begann ein Probetext, den der 31-Jährige während eines Seminars schrieb.

Hier noch einmal die Shortlist mit zehn besten ersten Sätzen:
1. Zwei Frauen hat Marvin schon geschwängert – für den 12-Jährigen ein
 Job, mehr nicht.

2. Ein Mitarbeiter der Abteilung Schrott heißt Herr Müll; wer das
 witzig findet, hat keine Ahnung.


3. Es ist Morgengrauen, ich bin 16 Jahre alt, und während wir in den
 Sonnenaufgang hineinfahren, kotze ich aus dem Fenster.
4. Nicht einmal ein Jahr ist er alt geworden, der Xaverl, ehe er sein 
junges Leben lassen musste, um im Mund des bayerischen
 Ministerpräsidenten Horst Seehofer zu verschwinden.


5. Heute Nacht werden sie mich entführen.


6. Heute Nacht wird Marie-Pierre Durand wieder das Gefühl haben, sie
 ersticke, und es scheint, als freue sie sich auf diesen Moment.

7. Heute foltert Doktor Hofbauer wieder.


8. Es war einmal ein guter Mensch, der nichts mehr tat.


9. Da liegt vor dir ein völlig gesunder Mensch, und du wirst ihn aufschneiden.


10. Irgendwo in der Wüste Kaliforniens, auf einem staubigen Hügel ohne
 Namen, lebt ein einäugiger Mann und wartet auf die Invasion.

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