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Tageschau-App: umstritten, aber gut

Die Verleger sind wütend auf die ARD und ihre Tagesschau-App – und das möglicherweise sogar zurecht. Allerdings wird in der Diskussion ein entscheidender Punkt gerne vergessen: Das Mobil-Angebot der ARD-Nachrichten ist mit über 1,7 Millionen Downloads längst ein Mega-Erfolg. Tatsächlich ist die Applikation ein überzeugendes Produkt: Sie ist gut programmiert, hat eine klare Nutzerführung und ist unter den vielen laut um Aufmerksamkeit schreienden digitalen Nachrichten-Diensten so etwas wie die Stimme der Vernunft.

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Die Verleger sind wütend auf die ARD und ihre Tagesschau-App – und das möglicherweise sogar zurecht. Allerdings wird in der Diskussion ein entscheidender Punkt gerne vergessen: Das Mobil-Angebot der ARD-Nachrichten ist mit über 1,7 Millionen Downloads längst ein Mega-Erfolg. Tatsächlich ist die Applikation ein überzeugendes Produkt: Sie ist gut programmiert, hat eine klare Nutzerführung und ist unter den vielen laut um Aufmerksamkeit schreienden digitalen Nachrichten-Diensten so etwas wie die Stimme der Vernunft.

In der Themenauswahl der App gelten dieselben Regeln wie bei den TV-Nachrichten. Und bei denen achtet ARD-Aktuell-Chef Kai Gniffke bekanntlich mit klaren Prinzipien darauf, dass nicht jede Meldung, nur weil sie gerade der Aufmacher der Bildzeitung ist, es auch in die Nachrichten schafft. Bei vielen vermeintlichen und tatsächlichen Katastrophen und Skandalen werden die restriktiven Nachrichten-Prinzipen der Tagesschau immer wieder höchst kontrovers besprochen. Der App scheint der Boulevardverzicht jedoch sehr gut zu bekommen.

Die Tagesschau-App kommt im App-Store auf einen Top-Wert bei den Bewertungen von vier bis fünf Sterne

Die aktuelle Diskussion über die "Aufregungs-Junkies bei ‚Spiegel Online” (Stefan Niggemeier)  und die eigenen Pläne von SpOn, "analytischer und präziser" zu werden, zeigen: Immer mehr Leser scheinen sich an dem teilweise zur Hyperventilation neigenden Online-Journalismus zu stören. Tatsächlich kann bei einigen Web-Portalen eine Meldung nicht einfach nur eine Meldung sein. Zumindest im Teaser-Text muss immer ein Konflikt sowie ein Maximum an Spannung konstruiert werden. Scheinbar verlangt dies die Klickökonomie, weil sonst eine News nicht spektakulär genug sein könnte, die Leser zum Weiterklicken bzw. Weiterlesen zu bewegen. Die Folge: Immer mehr Nachrichten-Portale müssen sich den Vorwurf einer Boulevardisierung gefallen lassen.

In diesem Angebot hebt sich das Mobil-Angebot der Tagesschau angenehm ab. Sehr sachlich erklärt die Hamburger Redaktion das Weltgeschehen. Was für die einen dröge ist, wird von Millionen Smartphone-Nutzern offenbar als angenehm ruhig und seriös wahrgenommen.

Gegen die Video-Inhalte haben die Verleger nichts einzuwenden
Wichtig ist an diesem Punkt jedoch anzumerken, dass die Verleger natürlich nicht gegen die Qualität der Inhalte vorgehen. Vielmehr sind sie der Meinung, dass der Textanteil, der zusätzlich zu den Video und Audiobeiträgen angeboten wird, den Verlagen Konkurrenz macht. Für ein kostenpflichtiges Verlagsangebot ist es ungleich schwerer profitabel zu arbeiten, wenn es im iTunes-Store nur einen mobilen Fingerstreich entfernt eine Gratis-Alternative gibt. Die zudem auch noch wissenschaftlich geprüft und für gut befunden wurde.

So untersuchte Professor Stefan Heijnk an der Fachhochschule Hannover mittels Eyetracking und einer anschließenden Befragung vier deutsche iPad-Apps. Das Ergebnis: Die Applikation der Tagesschau, die weitestgehend identisch mit der iPhone-Version ist, lieferte bessere Inhalte und eine bessere Textqualität als die Vergleichs-Apps der elektronischen Presse.
Fazit: Der Erfolg der Kostenlos-App dürfte nicht aufzuhalten sein und der ARD weiter in Scharen mobile Nutzer bringen – was die Probleme der Verleger nicht kleiner macht, die mit Macht versuchen, einen Bezahl-Markt auf mobilen Endgeräten zu etablieren. Das torpediert die Tagesschau-App, es sei denn die Richter stoppen die Expansion der öffentlich-rechtlichen Mobil-Offensive.

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