Marmor: App bedient „Kernkompetenz“

Vermeintlicher Blindgänger: Geht es nach dem NDR-Intendanten Lutz Marmor und seinem ZDF-Kollegen Markus Schächter, wird die Verleger-Klage gegen das Mobil-Angebot der Tagesschau kein Erfolg. In einer ersten Stellungnahme bedauerte Marmor den Schritt der Verleger. Sie sollten "lieber gemeinsam mit uns versuchen, Journalismus und Informationskompetenz im Dienste der Demokratie zu stärken, als gegeneinander zu arbeiten." Für seinen ZDF-Kollegen ist die "Klage ist das Fortführen der alten Schlachten von gestern".

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Marmor sagte weiter, dass er Verständnis für die Wahrnehmung der Verlags-Interessen hätte, "aber auch wir haben die Interessen unserer Gebührenzahlerinnen und Gebührenzahler zu wahren – 1,7 Millionen Menschen haben die kostenlose Tagesschau-App bisher heruntergeladen."

Marmor glaubt nicht, dass die Klage gegen das Tagesschau-Angebot erfolgreich sein wird. Auch das sieht Schächter genauso. Auf dem Podium des Medienforums NRW wünschte der ZDF-Chef den Medienhäusern sarkastisch schon einmal eine "gute Reise" nach Brüssel. Für den Intendanten geht es eher darum, gemeinsam zu schauen, wie unregulierbare Internet-Riesen reguliert werden könnten.

Schächters Forderung nach mehr Miteinander der deutschen Medien-Produzenten konterte WAZ-Chef Christian Nienhaus mit dem Argument, dass es den öffentlich-rechtlichen Sendern einfach verboten sei, im Internet "Zeitung" aus Gebührengeldern zu machen.

Deshalb schlug der Manager des Essener Medienhauses auch vor, dass ARD und ZDF künftig Geld für ihre Apps nehmen sollen. Diese Einnahmen könnten ja dann von den Gebühren wieder abgezogen werden. Laut Schächter verbietet jedoch gerade der 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrag, dass die Sender Geld nehmen dürfen.

Acht Verlage, unter anderem die WAZ, die Axel Springer AG und M. DuMont Schauberg, haben am heutigen Dienstag bei der Wettbewerbskammer des Landgerichts Köln eine gemeinsame Klage gegen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und NDR eingereicht. "Die Ministerpräsidenten schauen untätig zu, wie mit Gebührengeldern umfänglich Pressetexte geschrieben und digital verbreitet werden. Es bedarf in Deutschland aber keiner staatsfinanzierten Presse", sagte Dietmar Wolff, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) in Berlin. Der Verband unterstützt die Medienhäuser bei ihrem juristischen Vorgehen.

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