Fernsehbranche streitet über Hybrid-TV

2010 hatte man sich bereits auf den gemeinsamen Standard HbbTV (Hybrid broadcast broadband TV) geeinigt. Auf dem Medienforum NRW warben nun Jürgen Doetz, Präsident des Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), und die ARD-Vorsitzende Monika Piel für den internationalen Standard. Nach der anfänglichen Euphorie für das smarte Fernsehen der Zukunft macht sich jetzt die Angst vor ungewohnter Konkurrenz breit. Die Sender befürchten, dass die Gerätehersteller künftig bei den Inhalten mitmischen wollen.

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Gerade die TV-Flaggschiffe der großen IT-Konzerne, allen voran AppleTV und Google TV, sehen die Senderverantwortlichen mit Sorge. Es geht um Kontrollverlust. Man befürchtet, dass deutsche Sender auf internationalen Plattformen in Konkurrenz mit US-Sender wie CBS und NBC nur noch eine Nebenrolle spielen.

Piel warnt davor, dass Plattformbetreiber sich ungefragt in das laufende Programm schalten könnten. "Die Gerätehersteller können über unsere Inhalte Werbung einblenden", zitiert Heise.de Piel. Das Publikum können so nur schwer unterscheiden, wer diese Werbung eigentlich ausstrahlt. "Wir wollen, dass die Inhalte in der Verantwortung der TV-Betreiber bleiben", so Piel weiter.

Doetz als Vetrtreter der Privatsender sieht sich hingegen im internationalen Vergleich benachteiligt. Die in Deutschland strengen Werberegeln würden deutsche Anbieter in diesem neuen Markt ausbremsen, da sich Plattformbetreiber und Gerätehersteller in den USA nicht an dieselben Regeln halten müssten. "Mit der konvergenten Realität steht die gesamte Medienregulierung auf dem Prüfstand", so Doetz gegenüber Heise.de.

"Was nutzt die Regulierung der Plattformen, wenn sich die Gerätehersteller nicht daran halten müssen?" Aus diesem Grund fordern die privaten Rundfunkbetreiber eine rigorose Reformierung der Medienregulierung. Gleichzeitig müssten sich die Geräteherstellern an die Spielregeln halten.

Es könnte die erste große Zerreißprobe für die Deutsche Content Allianz, ein Zusammenschluss der öffentlichen und privaten Rundfunkveranstalter, der Musikindustrie und der GEMA, des Buchhandel und von Verbänden der Filmwirtschaft sein. Die Allianz hat es sich zum Ziel gesetzt, die ihrer Meinung nach oft zu technisch getriebene Debatte über neue Medienkanäle verstärkt auf die Diskussion über Inhalte zu lenken. 

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