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Börse: Internetaktien Top, Tech-Werte Flop

Selten gab es an den Aktienmärkten eine solche Zweiteilung innerhalb einer Branche: Während klassische Technologiewerte wie Microsoft, Hewlett-Packard oder Cisco abverkauft werden, als wäre die Rezession zurück, vollführen Debütanten aus dem Internet-Sektor Kurssprünge wie 1999. Die viel zitierte Blasenbildung konzentriert sich weiter auf das Schlagwort Social Media, wohingegen die alte Technologiewelt an den Aktienmärkten stark in Ungnade gefallen ist, wie selbst Apple spüren muss.

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Selten gab es an den Aktienmärkten eine solche Zweiteilung innerhalb einer Branche: Während klassische Technologiewerte wie Microsoft, Hewlett-Packard oder Cisco abverkauft werden,  als wäre die Rezession zurück, vollführen Debütanten aus dem Internet-Sektor Kurssprünge wie 1999. Die viel zitierte Blasenbildung konzentriert sich weiter auf das Schlagwort Social Media, wohingegen die alte Technologiewelt an den Aktienmärkten stark in Ungnade gefallen ist, wie selbst Apple spüren muss.

"Der Markt hält so viele Aktionäre wie möglich zum Narren", lautet ein altbekanntes Börsianersprichwort. Ziemlich närrisch müssen sich in diesen Tage die Anteilseigner von Microsoft, Hewlett-Packard oder Cisco vorkommen – jenen Flaggschiffen der Technologiebranche, die um die Jahrtausendwende noch das Marktgeschehen dominierten.
Und nun? Ein Minus zwischen 13 und 20 Prozent schlägt zu Buche, seit Januar wohl gemerkt. Das Jahr ist nicht mal halb rum, doch schon hängt im IT-Sektor der Segen schief: "2011, das Jahr, in dem die großen Tech-Aktien zerstört werden",  stimmte das Branchenportal "Alley Insider" vergangenen Woche schon den Abgesang an.

Apple 2011 schwächer als der Markt

Und der wird von Tag zu Tag lauter – nicht zuletzt, weil Branchenschwergewicht Apple nach Jahren der Outperformance 2011 bislang immer mehr enttäuscht. Auf 315 Dollar ist die einstige Überflieger-Aktie heute zurückgefallen, nachdem das Papier im Tagesverlauf sogar an der 310 Dollar-Marke kratzte. Damit hat Apple nicht nur 2011 alle Gewinne wieder hergegeben und liegt seit Anfang des Jahres um 2 Prozent hinten – die Anteilsscheine notieren so tief wie seit vergangenen Oktober nicht mehr, ganz so, als habe es den Verkaufserfolg des neuen iPad und die Vertriebserweiterung  des iPhone bei Verizon nicht gegeben.

Auch die Bewertung, mit der sogannnte Value-Investoren gerne argumentieren, spielt aktuell keine Rolle. Den riesigen Bargeldanteil herausgerechnet, wird Apple in diesen Tagen zu einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von unter 10 gehandelt. Microsoft und Cisco bringen es auf historisch enorm günstige Multiplen von 9, während Hewlett-Packard gar für eine Schnäppchenbewertung von 7 zu haben ist – das sind Niveaus, die in der großen Finanzkrise von 2008 nicht niedriger ausfielen. Zum Vergleich: Das KGV des  marktbreiten S&P 500-Index liegt durchschnittlich bei 15. „Anleger sind entweder verrückt oder zweifeln an der Nachhaltigkeit der Gewinnentwicklung der Unternehmen“, ordnet der Alley Insider die historisch günstige Bewertung der Tech-Pioniere ein.

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Baidu, Yandex, LinkedIn-Erfolgsstorys 2011

Ganz anders dagegen die neuen Überflieger des Internet, die die Geldströme der Kapitalmärkte anziehen wie die Motten das Licht: Baidu etwa, das chinesische Google, weist das stolze KGV von 45 auf, konnte aber trotz dieser saftigen Bewertung seit Januar schon wieder um 22 Prozent zulegen und so bereits zum drittwertvollsten Internet-Unternehmen der Welt aufsteigen.

Wachstumsfantasien ließen auch die Anteilsscheine des russischen Suchmaschinengiganten Yandex zum Börsendebüt Ende Mai weit nach oben schießen. Um 60 Prozent explodierten die Kurse, ehe in den vergangenen Wochen die Gewinnmitnahmen einsetzten. Dasselbe Bild bei LinkedIn, dem bislang größten Börsenüberflieger des Jahres: Die Aktie verdoppelte im Zuge des IPOs schnell ihren Wert und schoss in der Spitze gar um 160 Prozent nach oben – die Blasenbildung im Internet-Sektor machte schnell die Runde.
Branchenexperten: Die Blase ist da

"Wir sind in einer Blase, damit können Sie mich zitieren", erklärte erst am Wochenende der Wagniskapitalgeber Mark Suster. Der frühere Hedgemondsmanager Cody Willard glaubt dagegen, dass sich eine Blase in der Technologie- und Internetwelt erst am Anfang befinde und in den nächsten Jahren weiter ausbilde – nicht zuletzt durch die steigende Fantasie des Facebook Börsengangs.

Besitzer von Technologieaktien aus der alten Weltordnung haben diesen Film schon mal gesehen – allerdings vor mehr als einem Jahrezehnt. Heute erscheinen die Microsofts und Ciscos wie Dinosaurier aus einer überkommenen Ära: "Sie bleiben die aktivsten Käufer ihrer eigenen Aktien", kommentiert CNBC-Moderator James Cramer ironisch die Kaufverweigerung der Anleger von den einst wertvollsten Unternehmen. 

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