G+J-Krimiheft: dem TV-Boom auf der Spur

Horatio Caine und Professor Börne sind die Helden der Szene: Was der "CSI"-Ermittler und der Rechtsmediziner aus dem "Tatort" in ihrem TV-Alltag erleben, gibt es nun auch als Heft. Das am Freitag erscheinende Crime-Magazin P.M. CIT gibt einen Einblick in die geheime Welt der Kommissare, Forensiker und Profiler, angereichert mit Fakten und Statistiken zu Verbrechen weltweit. Das G+J-Heft ist bemerkenswert detailliert und innovativ, schielt aber bei der Verkaufe zu sehr auf die üblichen Verdächtigen.

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Das 100 Seiten starke Heft ist etwas für echte Krimifans, die das Verbrechen im TV oder Buch suchen: hier ein Interview mit "Tatort"-Kommissar Ulrich Tukur, da ein Blick hinter die Kulissen von "CSI", dazu ein Gespräch mit Schauspieler Anthony Hopkins, der den Hannibal Lecter in "Das Schweigen der Lämmer" mimte und der exklusive Vorabdruck des neuen Romans Erlösung von Jussi Adler-Olsen. Das wirkt trotz der Qualität und Klarheit des Konzeptes irgendwie anbiedernd, geradezu so, als habe man es ausschließlich auf den "Audience Flow" von Film zu Print angelegt. Das beginnt schon beim Namen, der für G+J zur Marke werden soll: P.M. CIT steht für Crime Investigation Team und klingt wie eine Variation der überaus erfolgreichen RTL-Serien-Importe "CSI".

Soviel zur kritischen Vorrede. Das Heft bietet nämlich auch ausführliches Wissen über das reale Verbrechen. Beispielsweise werden die Ermittlungen im Fall Mirco protokolliert und Hintergründe zum Aufbau der Soko, der Lokalisierung des Mörders und der Aufschlüsselung der DNA-Spur geliefert. Wer sich noch nicht in der Tagespresse mit dem Mordfall beschäftigt hat, findet hier noch einmal das Verbrechen in seiner ganzen Bandbreite aufgeschrieben.

Anschaulich ist auch die Reportage von Burkhard Maria Zimmermann. Der Autor war bei einer Obduktion des Hamburger Rechtsmediziners Klaus Püschel dabei und beschreibt detailliert, wie der Mediziner das Gehirn aus dem toten Körper herausschneidet. "Der Assistent klappt die Kopfhaut nach vorn über das Gesicht, sägt den Schädel des Mannes auf und entnimmt das Gehirn, um es zu Herz, Magen und Darm in die Schüssel zu legen." Der Text ist nichts für schwache Nerven.

Die Themen von P.M. CIT gliedern sich in die Ressorts Verbrechen, Forensik, Crime Time (Tipps zu Büchern, Filmen, Serien DVDs…), Psychologie, Detektiv sowie Love & Crime. Obendrauf gibt es ein interaktives Online-Mörder-Such-Spiel, an dem Leser via QR-Code Hinweise erhalten können, um den dargestellten Fall zu lösen.
P.M. CIT ist eine gelungene Mischung aus Unterhaltung und Wissensmagazin, das auch optisch überzeugt. Infografiken und Fotos unterstreichen die Texte, lassen sie aber weiterhin im Mittelpunkt des Heftes stehen. Einzig das Titelcover mit Lieutenant Horatio Caine ist für die spannenden Inhalte zu langweilig und könnte so auch auf dem Cover eines x-beliebigen TV-Programmies erscheinen. Da hätte man sich bei den Machern mehr Mut gewünscht. "CSI"-Fans werden das Heft trotzdem kaufen – allein schon wegen der möglichen (und wohl beabsichtigten) Logoverwechslung.
P.M. CIT erscheint am 24. Juni in einer Druckauflage von 132.000 Exemplaren und kostet 3,90 Euro.

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