Taz startet Parteispenden-Suchmaschine

Datenjournalismus der Extraklasse: Mit ihrer neuen Suchmaschine macht die tageszeitung alle Parteispenden aus den Jahren 1994 bis 2009 von über 10.000 Euro sichtbar. Die Recherche lässt sich nach Parteien, Betrag, Namen oder juristischen Personen eingrenzen. Zudem ruft die taz - angelehnt an eine erfolgreiche Aktion des britischen Guardians - ihre Leser in der morgigen Ausgabe dazu auf, die Daten zu durchsuchen und der Redaktion Hinweise für weitere Recherchen zu möglichen Unregelmäßigkeiten im Rahmen von Parteispenden zu geben.

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Datenjournalismus der Extraklasse: Mit ihrer neuen Suchmaschine macht die tageszeitung alle Parteispenden aus den Jahren 1994 bis 2009 von über 10.000 Euro sichtbar. Die Recherche lässt sich nach Parteien, Betrag, Namen oder juristischen Personen eingrenzen. Zudem ruft die taz – angelehnt an eine erfolgreiche Aktion des britischen Guardians – ihre Leser in der morgigen Ausgabe dazu auf, die Daten zu durchsuchen und der Redaktion Hinweise für weitere Recherchen zu möglichen Unregelmäßigkeiten im Rahmen von Parteispenden zu geben.

Taz.de/parteispenden-watch

Ganz ähnlich war der Guardian vor Jahren bei einer gemeinschaftlichen Untersuchung der Spesenausgaben von britischen Politikern vorgegangen. Auf einen Schlag wurden damals rund 400.000 Dokumente freigegeben. "Kein Journalist kann so viele Papiere durchforsten", erinnerte sich Chefredakteur Alan Rusbridger im MEEDIA-Interview. "So haben wir unsere Leser gefragt, ob sie uns dabei helfen könnten, Relevantes von Unrelevantem auszusortieren. 23.000 Leser haben sich als freiwillige Helfer engagiert." Die Gemeinschafts-Recherche von Redaktion und Lesern deckte daraufhin mehrere Spesen-Skandale auf.

Die Berliner bitten ihre Leser nun, sich ihr neues Angebot ganz genau anzusehen. "Hat womöglich ein bekanntes regionales Unternehmen gespendet und offensichtlich später von den Spenden durch das Handeln der begünstigten Partei profitiert?", fragt die Redaktion. "Wir hoffen, dass das ein Dauerbrenner wird, mit immer neuen Tipps zu möglichen Unregelmäßigkeiten seitens unserer Leserschaft", kommentiert der stellv. taz-Chefredakteur Reiner Metzger.

Umgesetzt und aufgesetzt wurde die Parteispendensuchmaschine von Opendatacity.de. Die Spezialisten programmierten auch die Suchmasken für die maschinenlesbaren Daten. Das Zahlen-Material selbst stammt von OpenData.

Zur Finanzierung des neuen Angebotes hoffen die Berliner auf möglichst viele Leser-Spenden. "Wir stellen Personal und Knowhow im Wert von gut und gern zehntausend Euro zur Verfügung, um mit Parteispenden-Watch zu starten", unterstreicht Metzger. "Wenn das tausend UserInnen jeweils zehn Euro wert ist, haben wir die Kosten gedeckt."

Die Vorstellung ist allerdings ein wenig schräg, dass die taz-Leser erst für die Suchmaschine spenden, dann selbstständig die Daten nach Unregelmäßigkeiten durchsuchen und die Redaktion die so für sie gefundenen Storys nur noch aufzuschreiben braucht, um damit letztendlich den Umsatz des Verlages zu steigern.

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