Facebook: Warum die Unkenrufe falsch sind

Das weltgrößte Social Network strebt einen Rekordbörsengang an. Und dies, obwohl die User in “Scharen flüchten”. Man könnte meinen, dass es künftig leerer wird im Lande Facebook. Es ist wahr: In den Kernmärkten musste Facebook einen Userrückgang verzeichnen. Aber das dürfte man wohl am ehesten noch als nachhaltigen Rückgang verzeichnen. Denn in anderen Teilen der Welt wächst Facebook unaufhörlich weiter. Die jüngsten Facebook-Mythen auf dem Prüfstand.

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Facebook schrumpft: Nein, nicht wirklich. Facebook wächst. Weiterhin in Richtung 700 Millionen und erreicht im Juni bereits 687 Millionen Menschen weltweit. Die Zuwächse kommen vornehmlich aus Ländern wie Mexiko, Brasilien oder Indien, wo die Durchdringung bisher eher gering war. In jedem Markt tritt für jedes Produkt irgendwann ein Grad der Sättigung ein. Das scheint in den USA momentan der Fall zu sein. Sechs Millionen Amerikaner sollen dem Social Network in nur vier Wochen abhanden gekommen sein! Damit nicht genug: In Kanada verlor Facebook offenbar 1,5 Millionen Nutzer. Aber die User "flüchten" nicht. Facebook Inside hat hier die User getrackt, die sich mindestens einmal pro Monat einloggen. Mal ehrlich: Im Angesicht von fast 700 Millionen Usern sind rund sieben Millionen Logins weniger eine Schwankung. Nicht mehr und nicht weniger.

Facebook hat seinen Zenit erreicht: Durchschnittlich war Facebook bislang um 20 Millionen Nutzer pro Monat gewachsen – im April kamen allerdings nur noch 14 Millionen neue Mitglieder hinzu, im Mai gar nur 12 Millionen. Ok. Eine Community, die mit “nur” 12 Millionen Nutzer pro Monat (!) wächst, wäre abseits von Facebook eine Erfolgsgeschichte. Für Facebook-Kritiker ist es Grund genug für einen Abgesang. Irgendwann kommt für jede Webseite und jede Community die Stunde der Wahrheit. Zumindest für die USA scheint dieser Zeitpunkt gekommen zu sein. Aufgefangen werden die zahlreichen Abgänge u.a. von den beachtlichen Zuwächsen in den Schwellenländern Brasilien, Mexiko, Indien oder Indonesien. Somit bleibt Facebook auch weiterhin mit großem Abstand das weltgrößte Social Network.

Dieser Userschwund torpediert den geplanten Börsenstart
: Für einen gelungenen Börsenstart braucht Facebook nicht ein irres Userwachstum. User kosten Facebook Geld. Sie kosten Serverplatz, aber bringen in erster Linie kein Geld ein. Dafür sorgen die Anzeigenkunden. Hier muss Facebook den immensen Erwartungen gerecht werden und zeigen, dass sich aus der Masse der User relevante Zielgruppen mit guten Erlösen mit Werbung versorgen lassen. Allein in den USA führt Facebook ungeschlagen auch weiterhin den Markt der Display-Werbung an. Rund 31 Prozent des Gesamtanteils entfallen auf das Social Network. Auf Platz 2 im Ranking, Yahoo, entfallen nur rund 10 Prozent.

Facebook ist 100 Milliarden Dollar wert: Noch ist Facebook kaum etwas wert. Und es steht nicht endgültig fest, ob man Anfang 2012 an der Börse startet. Aber schon wird die Facebook-Blase prognostiziert. Der US-Fernsehsender CNBC berichtet, die Bewertung Facebooks könne bei einem Börsengang über 100 Milliarden Dollar liegen. Das Unternehmen machte Bankenkreisen zufolge von Januar bis September 2010 bei einem Umsatz von 1,2 Milliarden Dollar einen Netto-Gewinn von 355 Millionen Dollar.

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