„Tatort“: Eva Saalfeld und der Stasi-Mord

"Nasse Sachen", der inzwischen elfte Fall für die beiden Leipziger "Tatort"-Ermittler Eva Saalfeld und Andreas Keppler, hat zwei Gesichter. Denkt der Zuschauer in der ersten Hälfte noch, es handele sich um einen zähen Krimi mit einem langweiligen Mord in der Autoschieber-Szene, nimmt der Film danach Fahrt auf und überzeugt mit einer verzwickten Stasi-Geschichte voller Wendungen und vor allem der persönlichen, dramatischen Vergangenheit Saalfelds doch noch.

Anzeige

Er beginnt wie gesagt etwas sehr zäh, der neue MDR-"Tatort". Ein paar Müllmänner finden eine Leiche auf der Straße, sehen den vermutlichen Täter davon fahren. Saalfeld und Keppler haben schnell eine heiße Spur in die Autoschieberszene und der Zuschauer schläft beinahe ein, angesichts der altmodischen Geschichte. Doch als Saalfeld bei einem Einsatz einen Verdächtigen erschießt und suspendiert wird – ein Handlungsstrang-Details, das sich später als weitgehend überflüssig erweist – steigert sich das Tempo und der Zuschauer wacht wieder auf.

Denn: Der stinknormale Autoschieber-Mord war offenbar doch nicht so stinknormal. Und es kommt ein weiterer Mord dazu. Plötzlich steht ein Mann im Mittelpunkt der Ermittlungen, der mehr als 20 Jahre nach der Wende Jagd auf glimpflich davon gekommene Stasi-Mitarbeiter macht. Hat er mit den Morden zu tun? Als Eva Saalfeld in einer alten Stasi-Akte dann noch entdeckt, dass ihr eigener Vater damals bei einem Einsatz vom Vater des Verdächtigen erschossen wurde, wird der Krimi endgültig interessant.

Alle weiteren Worte zur Handlung würden wohl zu viel von den spannenden Wendungen vorweg nehmen, die "Nasse Sachen" anschließend noch auf Lager hat. Das Zuschauen lohnt sich also durchaus, auch wenn die erste Hälfte mit Geduld ertragen werden muss. Wären die Dialoge noch etwas weniger plump – und würden die ewigen Anspielungen auf das so bitterkalte Wetter bei einer Ausstrahlung des Winter-Krimis im warmen Sommer nicht so nerven, würde der Film einen noch besseren Eindruck hinterlassen. Doch auch so gehört er zu den gelungeneren Krimis des MDR-Duos, das zuletzt so sehr ins Mittelmaß abgerutscht war.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige