Wie der DFB seine Frauen medial verheizt

Was hat der DFB nicht alles versucht, um das Image seiner weiblichen Nationalelf aufzupolieren. Um einen Sport, der wie kein zweiter in Deutschland eine Männerdomäne ist, auch für Frauen attraktiv zu machen. Die herannahende Fußballweltmeisterschaft der Frauen wäre eigentlich der beste Zeitpunkt gewesen, um unserer Damen-Elf ein solides sportliches Images zu geben. Doch stattdessen verheizt der DFB seine Frauen nach allen Regeln der Kunst. Der vorläufige Tiefpunkt: ein Auftritt im Playboy.

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Frauen können kein Fußballl spielen. Nur wer lesbisch ist, stellt sich mit zehn weiteren Frauen auf den Bolzplatz. Frauen und Fußball – das will einfach nicht in die Köpfe der Bewohner eines der ballverrücktesten Länder der Welt. Offenkundig ist der DFB deswegen schon seit Jahren darum bemüht, dass in den Siebzigern geprägte Image eines "Mannweiber-Sports" auszubügeln. Doch mit den jüngsten Auftritten seiner Nationalspielerinnen macht er diese Anstrengungen zunichte.

Profitieren vom Frauenfußball-Hype will unter anderem der Technikhändler expert. Der ruft schon seit einigen Wochen die “schönste WM-Kampagne aller Zeiten“ aus. Die FIFA Frauen-WM wird in Deutschland ausgetragen und die Chancen auf einen Sieg stehen gut. Grund genug für expert, sich vier erfolgreiche Nationalspielerinnen als Testimonials zu sichern.

Unterstützt wird die Kampagne mit nationalen Werbeanzeigen und TV-Spots. „Die Medienpräsenz eines solchen Ereignisses – insbesondere wenn es sich um Fußball handelt – ist in Deutschland definitiv gegeben. Für uns ist die Frauen-WM also eine aufmerksamkeitsstarke Klammer für unsere Sommerkampagne“, erklärt expert-Marketingleiter Wolfgang Brenner.

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Allerdings spricht der Spot weniger die Sportlichkeit der Damen an. Vielmehr holt der Technikhandel die ganz große Klischéekeule aus dem Regal. Im Werbeclip flanken sich die Spielerinnen den Ball zu, als plötzlich alles in Zeitlupe abläuft. Was dann passiert, dürfte allen Frauen, die Fußball ernstnehmen, Tränen in die Augen treiben. Fatmire Bajramaj, Kim Kulig, Simone Laudehr und Celia Okoyino da Mbab tragen tussigleich Lippenstift auf, pudern sich die Wangen und tuschen den Mascara nach. Skeptiker werden sich nach diesem Spot bestätigt fühlen, dass Frauen und Fußball einfach nicht zusammengehören. Vermutlich durchaus humorvoll angedacht, fehlt eine ironische Brechung. Die Pointe bleibt aus.

Als wäre das noch nicht genug Beweis dafür, dass der DFB wohl kein wirkliches Interesse hat, das Image seiner Damen medienwirksam aufzupolieren, ziehen in der heute erscheinenden Ausgabe des Playboy die Nationalspielerinnen Selina Wagner, Julia Simic, Annika Doppler, Kristina Gessat und Ivana Rudelic blank. Der Playboy verspricht “echtes Ballgefühl”.

Vordergründig wollen die Sportlerinnen damit das “Mannweiber-Klischee” ablegen. “Mich nervt der Satz: ‚Du siehst ja gar nicht aus wie eine Frauenfußballerin.‘ Dahinter steht dieses unzutreffende Bild der unattraktiven Fußballerin”, erklärt Simic. Es würden aber “immer mehr süße, hübsche Mädels” Fußball spielen, “die auch shoppen gehen und Wert auf ihr Äußeres legen”, erklärt die 22-Jährige im Interview.

Gut gemeinte Image-Clips mit Nationaltorhüter Manuel Neuer verpuffen angesichts solcher Fehltritte. Wie man Frauenfußball gut in Szene setzt, zeigt Nike mit dem Engagement von Lira Bajramaj für den Nike Training Club

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