Presserat: Rügen für Bild, RP und Viel Spass

Bei der Verletzung von Persönlichkeitsrechten versteht der deutsche Presserat wenig Spaß. Das musste gerade auch das Magazin Viel Spass erfahren: Für einen Bericht über den Fußball-Profi Michael Ballack sprachen die Pressewächter eine öffentliche Rüge gegen das Burda-Blatt aus. Zudem wurden u. a. noch die Rheinische Post wegen einer unzureichenden Trennung von Werbung und Redaktion gerügt, genauso wie die Bild und Bild.de für das ungepixelte veröffentlichen mutmaßlicher Straftäter-Fotos.

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Die Viel-Spass-Redaktion beschäftigte sich unter der Headline „Ehe-Drama“ mit der Frage, ob Ballack ein geheimes Doppel-Leben mit einer anderen Frau führe. Hintergrund für diese Annahme war der Umstand, dass der Fußball-Profi mit einer als „unbekannte Begleiterin“ bezeichneten Dame, die tatsächlich die Repräsentantin einer Hilfsorganisation war, einen gemeinsamen Charity-Termin hatte. "Die nicht durch hinreichende Tatsachen  gestützte, moralisch abwertende Berichterstattung ist dazu geeignet, die Persönlichkeitsrechte und die Ehre von Ballack, seiner Frau sowie der betroffenen Mitarbeiterin der Hilfsorganisation zu verletzen", heißt es in der Erklärung des Presserates. Dafür erteilten die Medienwächter eine öffentliche Rüge.

Drei nicht-öffentliche Rügen erhielt die Berlinausgabe von Bild und Bild.de für drei Berichte über Straftaten, "die ungepixelte Fotos mutmaßlicher Täter enthielten". Das Gremium sah in keinem der drei diskutieren Fälle ein überwiegendes öffentliches Interesse an der identifizierenden Berichterstattung.

"In einem Fall hatte Bild-Online über die Vorwürfe gegen einen Mann berichtet, der seine Tochter und zwei seiner Stiefkinder missbraucht haben soll. Im zweiten Fall ging es bei Bild-Online um eine Berichterstattung über eine junge Frau, die ihre Mutter erschlagen haben soll. Im dritten Fall schilderten Bild (Berlin) und Bild-Online die Entführung einer Vierjährigen in Kleinmachnow", erklärt der Presserat.

Das Gremium wies in diesem Fall noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass nur in Ausnahmefällen die Identität eines mutmaßlichen Täters in der Berichterstattung preisgegeben werden darf.

Mit der Rheinischen Post, Premius und der Bayerischen Staatszeitung wurden gleich drei Titel wegen der fehlerhaften Trennung von Werbung und Redaktion gerügt. So erkannten die Medienwächter in dem RP-Artikel „Urlaub im Luxusbus“ einen klaren Verstoß gegen die Schleichwerbe-Richtlinien. Die Zeitung "hatte darin ohne erkennbaren aktuellen Anlass ausführlich und ausschließlich lobend über ein Busunternehmen berichtet. Am Ende des Beitrages wurden eine Telefonnummer und die Adresse einer Website veröffentlicht, unter der ein Reisekatalog des Anbieters bestellt werden kann. "In derselben Ausgabe veröffentlichte die Zeitung eine Werbeanzeige des Busunternehmens sowie ein Verlags-Gewinnspiel, das sich auf die Anzeige bezog", erklärt der Presserat.

Zudem rügten die Berliner noch die Zeitschrift von Frau zu Frau wegen Irreführung öffentlich. In der Rubrik „Tiersprechstunde“ wurde ein Doktor abgebildet, der namentlich als Facharzt bezeichnet wurde. "Ein Leser konnte glaubhaft darlegen, dass der Arzt nicht existiert und es sich bei dem Abgebildeten um ein Fotomodell handelt."

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