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Müssen Kino.to-Nutzer Strafen fürchten?

Vier Millionen Besucher zählte Kino.to täglich, einige Dutzend davon demonstrierten am gestrigen Donnerstag in Dresden. Sie forderten die Freigabe der Domain, während die Betreiber Millionen damit verdienten. Doch was droht den Raubkopierern jetzt nach ihrer Festnahme? Was haben Nutzer des illegalen Filmportals zu befürchten? Und was nutzt der Schlag gegen die Plattform langfristig? MEEDIA beantwortet die wichtigsten Fragen – und zieht ein ernüchterndes Fazit.

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Darf man Filme und Dateien aus Tauschbörsen herunterladen?
Grundsätzlich ist es nicht verboten, Tauschbörsen zu benutzen. Dort gibt es beispielsweise kostenlose Open-Source-Programme oder Musik von Künstlern, die ihre Bekanntheit steigern wollen. Daneben werden aber auch viele urheberrechtlich geschützte Werke wie Filme, Musikstücke oder Computerprogramme angeboten. Das Anbieten und Herunterladen davon ist rechtlich verboten.
Worin besteht der Unterschied zwischen Kino.to und klassischen Tauschbörsen?
Bei Kino.to wurden Filme per Stream über das Internet übertragen. Das bedeutet, dass die Werke nicht dauerhaft auf dem Rechner der Nutzer gespeichert bleiben. In Tauschbörsen ist es hingegen üblich, dass Nutzer eine Datei komplett herunterladen und gleichzeitig per Peet-to-Peer-Technik Daten für andere User anbieten müssen.
Ist die Nutzung eines Film-Streams strafbar?
Gesetzlich gibt es dazu keine klare Regelung. Auch Juristen haben laut Bild.de unterschiedliche Ansichten. Meinung 1: "Beim Streamen, also dem gleichzeitigen Laden und Abspielen eines Films, entsteht keine brauchbare Kopie auf dem Computer des Nutzers – deshalb ist es nicht illegal."
Meinung 2: "Beim Streamen wird der Film in den Zwischenspeicher des Computers geladen (um Ruckler zu vermeiden). Es entsteht also eine Kopie – deshalb illegal."
Wie funktionierte das System Kino.to?
Auf Kino.to gab es aktuelle Kinofilme und Serien aus den USA kostenlos. Dafür arbeiteten die Betreiber mit Streamhostern zusammen, welche die Filme illegal auf ihre Server hochluden. Mehrere hundert Beteiligte waren dafür verantwortlich. Die Links zu den Dateien schickten sie an Kino.to, das sie als Stream auf dem Portal einbettete.
Was hatten die Betreiber und die Streamhoster von den kriminellen Machenschaften?
Sowohl der Schaden für die Filmwirtschaft, als auch die Gewinne der Hauptbeschuldigten liegen monatlich im siebenstelligen Euro-Bereich, teilte die Staatsanwaltschaft Dresden mit. Ein Uploader sagte zudem dem Blog Netzfeuilleton.de, er hätte rund 1.000 Dollar monatlich mit dem Hochladen von Filmen und Serien verdient.

Wie flog Kino.to auf?
Ein ehemaliges Mitglied des kriminellen Netzwerks brachte die Ermittler auf die Spur der Betreiber in Leipzig, weil er sich bei der Verteilung der Werbemillionen ungerecht behandelt fühlte, heißt es bei Bild.de. Daraufhin stellte die GVU Strafanzeige gegen den mutmaßlichen Drahtzieher Dirk B.
Welche Strafen drohen den Betreibern und den Nutzern?
Bis zu drei Jahre Gefängnis oder Geldstrafe. Außerdem sind Schadenersatzforderungen möglich. Gewerblichen Raubkopierern drohen bis zu fünf Jahre Haft.
Woran erkennt man einen illegalen Anbieter im Internet?
Illegale Webseiten haben in der Regel kein Impressum. Oft enden die Internetadressen auf ".to", was für Tonga steht. Die für diese Adressen zuständige Registrierungsstelle gibt keine Informationen über die Adressinhaber heraus. Häufig werben sie mit Szenebegriffen wie "Warez", "Moviez" oder "Appz".
Welchen Effekt hat die Schließung von Kino.to auf illegale Filmportale?
Kino.to war mit rund vier Millionen Besuchern täglich das mit Abstand größte illegale Filmportal in Deutschland. Dennoch dürfte sich der Schlag der Ermittler gegen Raubkopierer nur kurzfristig positiv auswirken. Denn im Web existieren dutzende Alternativanbieter, die sich wahrscheinlich schon darauf freuen, die bisherigen Kino.to-Nutzer zu empfangen. Über Suchmaschinen sind sie leicht auffindbar.
Welche Web-Alternativen gibt es zu illegalen Streaming-Anbietern?
Für aktuelle Kinofilme muss man klar sagen: keine. Ein legales Portal, auf dem man Filme schauen kann, die gerade im Kino laufen, existiert nicht. Anders sieht es bei Serien aus: Während es in den USA längst legale Anbieter wie Hulu oder Netflix gibt, hat man in Deutschland kaum Alternativen. Viele TV-Sender bieten zwar in ihren Mediatheken Streams zu einzelnen Folgen an. Ein Archiv, Film-Streams oder US-Serien mit den Originalstimmen der Darsteller sucht man jedoch vergeblich.

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