Die FAZ freut sich über ordentliche Gewinne

Nach wie vor lässt sich in Deutschland mit Tageszeitungen gutes Geld verdienen. Gerade hat die Frankfurter Allgemeine Zeitung ihre Bilanz für das Jahr 2010 veröffentlicht. Demnach machte die FAZ GmbH mit der Zeitung einen Gewinn von knapp 5 Mio. Euro. Im Vorjahr waren das noch fast 20 Mio. Euro Verlust. Grund für die guten Zahlen sind vor allem gestiegene Anzeigen-Erlöse und Preiserhöhungen. Tragfähige Strategien für eine digitale Zukunft sind aber auch bei der FAZ nicht in Sicht.

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Die gesamte FAZ-Gruppe (dazu gehört u.a. auch die Märkische Allgemeine Zeitung) hat mit 7,6 Mio. Euro im Jahr 2010 ebenfalls einen Gewinn erwirtschaftet. Also alles eitel Sonnenschein im Zeitungs-Land? Nicht ganz. Die FAZ befindet sich in einer relativ komfortablen Ausnahmesituation in der deutschen Zeitungslandschaft. Die Zeitung gehört mehrheitlich der Fazit-Stiftung, die als praktisch einzige Aufgabe hat, die Zeitung herauszubringen. Die Zeitung ist zudem schuldenfrei. Die FAZ hat also nicht das Problem, renditehungrige Investoren oder zerstrittene Eigentümer-Familien oder beides im Nacken zu haben. Das ist in diesen Zeiten ein gewaltiger Vorteil.

Außerdem ist die FAZ eine der großen überregionalen Zeitungen, die gegenüber regionalen Titeln noch einige Vorteile haben, z.B. was die Vermarktung von Image-Werbung betrifft. Dabei sinkt die Auflage der wochentags verbreiteten FAZ leicht, die Auflage der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung steigt leicht. Die FAZ kündigte an, im laufenden Jahr ihr Angebot ausbauen zu wollen und verweist auf bereits gestartete Apps für iPhone und iPad. Es ist damit zu rechnen, dass die FAZ auch für andere Plattformen, wie Android, elektronische Versionen herausbringen wird.

Einen bemerkenswerten Effekt auf die Bilanz dürften diese digitalen Aktivitäten aber kaum entfalten. Die bisher erschienenen FAZ-Apps sind zudem noch zu nutzerunfreundlich und zu sehr in der Print-Welt verhaftet. Die Apps der FAZ wirken so, als seien sie dafür programmiert worden, damit man in den Bilanz-Artikel reinschreiben kann, dass man ja auch Apps hat. Sie wirken nicht so, als würden die Macher wirklich an das Modell des digitalen Publizierens glauben. Und das ist das Problem: im Hier und Heute macht die FAZ gute Gewinne, ist schulden- und auch weitgehend sorgenfrei. Für das Morgen fehlen daher jeglicher Innovationsdruck und jegliche Strategie. Damit sind die Frankfurter zwar nicht alleine, das macht die Sache aber nicht besser.

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