Apple: WWDC-Keynote enttäuscht Wall Street

Apple-Geeks zufrieden, Anleger senken den Daumen – so lässt sich die Keynote von Apples Entwicklerkonferenz WWDC auf einen Punkt bringen. Obwohl Apple das neue Betriebssystem Lion vorstellte und seinen mobilen Speicherdienst iCloud und die nächste Generation des mobilen Betriebssystems iOS 5 für Herbst ankündigte, reagierte die Börse enttäuscht - die Apple-Aktie verlor stärker als der Markt. Nicht zuletzt, weil erneut Spekulationen um Steve Jobs' Gesundheitszustand aufflammten.

Anzeige

Apple-Geeks zufrieden, Anleger senken den Daumen – so lässt sich die Keynote von Apples Entwicklerkonferenz WWDC auf einen Punkt bringen. Obwohl Apple das neue Betriebssystem Lion vorstellte und seinen mobilen Speicherdienst iCloud und die nächste Generation des mobilen Betriebssystems iOS 5 für Herbst ankündigte, reagierte die Börse enttäuscht – die Apple-Aktie verlor stärker als der Markt. Nicht nur, weil kein bahnbrechendes One-More-Thing vorgestellt wurde, sondern auch, weil erneut Spekulationen um Steve Jobs‘ Gesundheitszustand aufflammten.
Vielleicht ist es so einfach: „Wenn die Hardware das Hirn unserer Produkte ist, ist die Software die Seele“, erklärte Apple-CEO Steve Jobs zu Beginn der diesjährigen Keynote im Moscone Center in San Francisco. Das Problem dabei zumindest aus kaufmännischer Sicht: Die Wall Street interessiert sich nicht für die Seele. So überrascht es denn nicht, dass die Apple-Aktie gegen Handelsschluss bei 338 Dollar auf dem Tagestief schloss, fast 6 Dollar schwächer, und im nachbörslichen Handel weiter unter die Räder kam.
Dabei bot Apple aus Sicht von Apple-Aficianados in der fast zweistündigen Keynote ein prallgefülltes Rundumerneuerungs-Paket seiner Software, ohne die die durchdesignten Apple-Geräte nicht den Absatz finden würden, den sie finden: Neue Betriebsysteme für den Mac und die mobilen Apple-Gadgets (also iPhone, iPod touch und iPad) wurden vorgestellt – ebenso wie der lang erwarteten Speicherdienst iCloud, der den vielfach kritisierten Vorgänger MobileMe ablösen wird.
„One More Thing“:  iTunes in the Cloud
Daten wie Fotos oder Song-Dateien werden so einfacher allen Apple-Geräten zugänglich gemacht, die lästige Synchronisation mit der Hardware stark vereinfacht. Die nächste Generation des mobilen Betriebssystems iOS 5 ist gleich mit 200 neuen Features ausgestattet und soll, genau wie iCloud, im Herbst erscheinen, was den Launch des iPhone 5 zu diesem Zeitpunkt nun sehr wahrscheinlich werden lässt. Das klassische Betriebssystem MacOS, das in der Version 10.7 nunmehr als „Lion“ daherkommt, ist dagegen bereits ab Juli erhältlich – und zwar exklusiv via Mac AppStore.
So weit, so technisch interessant – und doch so unspektakulär, denn genau diese drei großen Software-Produkte hatte Apple bereits vor einer Woche beim Hinweis auf die Pressekonferenz angekündigt. Die Überraschung zum Schluss, das legendäre „One More Thing“, fiel indes nach Apple-Maßstäben äußert dünn aus: Kein neues iPhone, kein neues Hardware-Produkt, lediglich das Feature „iTunes in the Cloud“, das gekaufte Musikdateien auf bis zu zehn Apple-Geräten bereitstellt. Naja.
„War das Steve Jobs’ letzte Keynote?
So fiel die Apple-Aktie dann auch nach Beendingung der Keynote weiter zurück, was nicht zuletzt am „Sell on the News“-Effekt, vor allem an der Fokussierung auf den eigentlichen Hauptdarsteller des Events lag –  den kranken Apple-CEO selbst. Als der weiterhin sichtlich dünne Steve Jobs die Bühne im Moscone Center betrat, brandete frenetischer Beifall auf. „Wir lieben Dich“, rief ihm ein Zuschauer entgegen, „das hilft“, entgegnete der gerührte Apple-Gründer.

Das half allerdings nicht, die kritischen Beobachter auszublenden, die mit Argusaugen einen Vergleich zu Jobs‘ letztem Auftritt im März anstellten. Das Apple-Blog MacRumours fand dann auch gleich, Steve Jobs klinge „seltsam leise und nicht so energiegeladen wie sonst“. Der San Francisco Chronicle fühlte sich unterdessen veranlasst zu spekulieren: „Könnte es sein, dass dies die letzte Keynote von Steve Jobs war?“

Wie  auch immer – die Börse reagierte sprunghaft mit nachgebenden Kursen. Auch die Einschätzung der Wall Street-Experten fiel bestenfalls gemischt aus: „Leider warten die Leute eher darauf, dass etwas Schlimmes mit Jobs passiert“, erklärt CNBC-Moderator James Cramer das Dilemma. „Die Aktie besitzt einfach jeder. Und jetzt fehlt ihr ein Katalysator.“ Zumindest den Sommer über. Denn mit der nächsten Keynote, die das neue iPhone, zumindest aber neue iPods ankündigen könnte, wird nicht vor September gerechnet.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige