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Batic und Leitmayr – die „Tatort“-Handwerker

Das Münchner “Tatort”-Team Leitmayr/Batic muss sich in seinem neuen Fall mit dem Pflegenotstand in Deutschland auseinandersetzen. Günther Maria Halmer spielt einen an Demenz erkrankten Patriarchen, dessen Sohn ermordet wird. Ebenso mit von der Partie sind die Top-Schauspieler Jürgen Tarrach und Johanna Gastdorf. Sehenswert und handwerklich gelungen ist die "Tatort"-Folge "Gestern war kein Tag" aber vor allem deshalb, weil diesmal auch das Drehbuch stimmt.

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Dabei ist am Anfang durchaus ein kleines bisschen Geduld gefragt. Die Familie Lasinger, in der das Verbrechen geschieht, wird arg hopplahopp eingeführt und ehe man sich’s versieht ist einer tot und andere rennen unter der aufgespannten Wäsche umher. Der kleine dramaturgische Hänger am Anfang wird später aber wieder mehr als wettgemacht. Der Sohn des an Demenz erkrankten Max Lasinger (Günther Maria Halmer), Bernd Lasinger, wird tot in der Werkstatt des Alten gefunden.

Max Lasinger sagt gleich zu Beginn, dass er es war. Dass er einen Einbrecher überrascht und in Notwehr weggestoßen habe. Dass der vermeintliche Einbrecher sein Sohn war, kann der verwirrte Alte offenbar nicht realisieren. Die Ermittler Leitmayr und Batic (eingespielt: Udo Wachtveitl und Miroslav Nemec) trauen der Sache nicht. Zu Recht natürlich. Immer mehr stellt sich heraus, dass viele einen Grund gehabt haben könnten, den jungen Herrn Lasinger tot zu sehen. Er lebte getrennt von seiner Frau, vernachlässigte die Familie und war auch noch in anderer Beziehung ein rechter Schuft.

Mit den möglichen Mord-Motiven häufen sich die Verdächtigen. Da ist der Enkel des alten Max, der sich auch bezichtigt seinen Vater getötet zu haben. Dann taucht die illegale Pflegekraft des alten Max auf, die vom Mordopfer bedrängt wurde. Und welche Rolle spielt eigentlich der schmierige Anwalt (sehr gut: Jürgen Tarrach), der offenbar kurz vor dem Mord auch im Hof des Hauses war, als es einen gewaltigen Streit gab?

Es gibt viele Verdächtige und viele offene Fragen in diesem Münchner “Tatort” und man muss es den Drehbuch-Autoren Pim Richter und Daniela Mohr zu Gute halten, dass sie es schaffen, am Ende alle Handlungsfäden souverän zusammenzuführen und einen Schluss zu präsentieren, mit dem man so nicht gerechnet hat. Dreh- und Angelpunkt des Krimis sind aber Günther Maria Halmer als Max Lasinger. Nicht nur die Kommissare zweifeln im Laufe der Ermittlung, ob der Alte seine Demenz nicht nur vortäuscht oder vielleicht ein ganz eigenes Spiel spielt…

In bewährter “Tatort”-Manier wird auch hier ein gesellschaftlich brisantes Thema angesprochen, nämlich illegale Pflegekräfte und der Pflegenotstand bei der Betreuung alter Menschen in der Familie. Die gesellschaftskritische Komponente ist diesmal aber nicht zu dick aufgetragen und fügt sich gut in die Handlung ein.

“Gestern war kein Tag” ist ein besserer “Tatort” und nicht nur für Fans der Reihe zu empfehlen. Wären jetzt noch die Regie und Kameraführung ein kleines bisschen einfallsreicher und weniger in den ausgetretenen TV-Bahnen gefangen, hätte dieser Münchner “Tatort” sogar ein ganz und gar herausragender Film sein können. So ist es ein guter, handwerklich grundsolider TV-Krimi mit klasse Darstellern geworden.

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