Jill Abramson löst Keller als NYT-Chefin ab

Zum ersten Mal rückt eine Frau an die Spitze der traditionsreichen New York Times: Jill Abramson übernimmt im September den Posten von Bill Keller, der im Sommer nach acht Jahren als Chefredakteur zurücktreten wird. "Vor einigen Wochen kam Bill zu mir und sagte, es sei für ihn die Zeit gekommen, das Amt niederzulegen", erklärte Herausgeber Arthur Sulzberger Jr. "Ich habe diese Entscheidung mit gemischten Gefühlen akzeptiert." Keller führte das Blatt durch die Jahre der Zeitungskrise.

Anzeige

Keller kam 1984 zur New York Times und arbeitete für sie in Washington. 1986 wurde er Reporter in Moskau und 1988 wurde er Leiter des dortigen Büros. Ein Jahr später erhielt er den Pulitzer-Preis für seine Reportagen aus der Sowjetunion. Zwischen 1992 und 1995 leitete die Niederlassung der Zeitung in Johannesburg. Chefredakteur der New York Times ist er seit 2003. Unter seiner Führung legte sich das Blatt gleich mit zwei US-Präsidenten an, unter anderem wegen der von Wikileaks enthüllten US-Depeschen, welche die Zeitung veröffentlichte.
"Es war eine Ehre, in diesen aufregenden Jahren voller Tumult und Umbruch mit den besten Journalisten weltweit zusammenzuarbeiten", sagte Keller. "Ich wollte weiterziehen, wenn der Newsroom sich stark in seinem Journalismus und sicher für seine Zukunft fühlt. Jetzt ist dieser Zeitpunkt gekommen, und mit Jill als Chefredakteurin könnte die Zeitung in keinen besseren Händen sein."
Jill Abramson arbeitet seit 1997 für die New York Times, aktuell als News Managing Editor. Davor war sie zehn Jahre für das Wall Street Journal tätig. Die 57-Jährige kommentierte: "Ich bin dankbar, diese Redaktion führen zu dürfen. Es ist ein Traumjob für jeden Journalisten." Ab September wird sie unter Beweis stellen können, wie sie mit den weiterhin sinkenden Printauflagen der Traditionszeitung umgeht.

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Anzeige