Wie groß wird die Internet-Blase 2.0?

Es sind bewegte Tage für Internet-Aktionäre. Erst debütierte LinkedIn furios, dann folgte die russische Suchmaschine Yandex, Zynga steht unterdessen bereits vor der Börsenzulassung - eine neue Dot.com-Euphorie liegt in der Luft. Doch das ist erst der Anfang, denn mit Groupon, Twitter und vor allem Facebook stehen die größten Börsengänge der neuen Internet-Ära erst noch bevor. Die aktuellen Bewertungen der Börsenneulinge sind indes schon schwindelerregend und schüren die Sorge vor einer neuen Internet-Blase. Wie groß wird sie diesmal?

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Es sind bewegte Tage für Internet-Aktionäre. Erst debütierte LinkedIn furious, dann folgte die russische Suchmaschine Yandex, Zynga steht unterdessen bereits vor der Börsenzulassung – eine neue Dot.com-Euphorie liegt in der Luft. Doch das ist erst der Anfang, denn mit Groupon, Twitter und vor allem Facebook stehen die größten Börsengänge der neuen Internet-Ära erst noch bevor. Die aktuellen Bewertungen der Börsenneulinge sind indes schon schwindelerregend und schüren die Sorge vor einer neuen Internet-Blase. Wie groß wird sie diesmal?  

Was meinen Sie: Welcher Konzern ist wohl wertvoller: Puma oder LinkedIn? Falsch. Der drittgrößte Sportartikelhersteller der Welt ist an der Börse momentan 3,3 Milliarden Euro wert – also 4,75 Milliarden Dollar. Und das Online-Business-Netzwerk? Fast das Doppelte: 8,35 Milliarden Dollar per Schlusskurs vom Freitag. Dabei setzte LinkedIn im vergangenen Geschäftsjahr mit 243 Millionen Dollar weniger um als Puma verdiente (202 Millionen Euro, also knapp 291 Millionen Dollar.) Oder um in den Dimensionen der Erlöse zu bleiben: Mit 2,7 Milliarden Euro setzte Puma sechzehnmal so viel um wie LinkedIn – ist an der Börse aber weniger Wert.

Ein völlig verrückter Einzelfall? Keineswegs. Das bemerkenswerte Bewertungsmissverhältnis wiederholte sich nicht mal eine Woche später beim Debüt der russischen Suchmaschine Yandex, die am Freitag bei 34,50 Dollar schloss – bei einer Marktkapitalisierung von mehr als 11 Milliarden Dollar. Das war mehr als der MDax-Konzern Fraport, der Betreiber des Frankfurter Flughafens in die Wagschale werfen kann. Und mehr noch: Selbst die Lufthansa kann auf Basis der aktuellen Börsenbewertung von knapp 7 Milliarden Euro oder 10 Milliarden Dollar nicht mit dem russischen Internet-Primus mithalten – und das trotz des Vielfachen der Erlöse und Erträge.

Trotz Internet-IPOs – keine Kurssprünge beim Rest der Branche

Keine Frage: Die Euphorie um die beiden heißesten Internet-Debütanten der vergangenen Jahre schürt die schlimmsten Erinnerungen an die wilden Zeiten der letzten Dot.com-Blase. Aber ist es tatsächlich schon wieder 1999? LinkedIn und Yandex, aber  auch andere ähnlich ambitioniert bewertete  Online-Highflyer wie Mail.ru oder Baidu nähren den Verdacht.

Allerdings: Ende des vergangenen Jahrzehnts zogen bekanntlich kurzzeitig so ziemlich alle Kursnotierungen von Start-ups an, die das Dot im .com nachweisen konnten – nicht aber Gewinne. Ähnliche Übersprungshandlungen sind in diesen Tagen bislang nicht zu besichtigen.  Zwar zog die Hamburger Xing AG in Erwartung des LinkedIn-Börsengang ebenfalls an, doch blieben die Kurszuwächse im sehr überschaubaren Rahmen. Bei anderen Internet-Schwergewichten wie Google, Yahoo oder Amazon kann von Internet-Euphorie 2011 bislang keine Spur sein; lediglich eBay liegt seit Januar zweistellig im Plus.
"Hier bildet sich eine Social Media-Blase aus"

Die jüngste Internet-Euphorie ist also bislang ein eher singuläres Phänomen beschränkt auf Börsendebütanten. Doch die Begeisterung angesichts der zukünftigen Börsen-Kandidaten Zynga, Groupon, Twitter und vor allem Facebook scheint nach dem furiosen Start von LinkedIn und Yandex immer größer zu werden.

"Hier bildet sich eine Social Media-Blase aus", findet der Vermögensverwalter  Lee Eugene Munson. "LinkedIn sieht Akamai gespenstisch ähnlich", meint Munson in Erinnerung an den Internetshottingstar von 1999, der sich kurz nach seiner IPO vervielfachte und in der Spitze bei über 300 Dollar notierte – heute sind es 33 Dollar.

Der frühere Hedgefondsmanager Cody Willard, schlägt in eine ähnliche Kerbe, sieht eine größere Blasenbildung jedoch erst kommen: "Es deutet einiges daraufhin, dass wir uns in keiner Blase befinden. Noch nicht." Vielmehr glaubt Willard, dass in den kommenden Jahren noch gute Gewinne am Markt zu erzielen sind – dank der kommenden Blasenbildung: "Ich glaube, wir werden in  2013 / 2014 auf 2011 zurückblicken und dankbar sein, schon investiert gewesen zu sein", mutmaßt Willard, der das größte Potenzial im Bereich von Apps, Cloud Computing, Tablet und Smartphones sieht. Es dürfte am Ende also so wie bei immer sein: Die Blase kommt – an der Börse entscheidet indes das Timing.

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